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Austernstuben, Bismarcks Forsthaus, alte Hospitäler: Schöner schlemmen in historischen Locations

Für mich zählt neben dem Essen auf dem Teller ja immer auch das Ambiente, in dem der Teller auf dem Tisch steht. Besonders angetan bin ich, wenn ich mich beim Schlemmen in einem historischen Gebäude befinde. Denn dann ist der Restaurant-Besuch immer auch eine kleine Zeitreise. Orte, an denen man in historischer Atmosphäre speisen kann, gibt es in Hamburg viele. Begleitend zur 46. Abo-Postkarte stelle ich Euch eine kleine, feine, ganz persönliche Auswahl vor!

Das Jugenstil-Häuschen an der S-Bahn

Eine der schönsten Hamburger S-Bahn-Stationen befindet sich unweit der City Nord an der S1 und trägt den tollen Namen “Rübenkamp”. Angeblich soll sich hier früher mal ein Rübenacker befunden haben. Eigentlich sollte dieses hübsche Bahnhofshäuschen aus Backstein abgerissen werden. Doch der Verein “Unser Bahnhof e.V.” rettete es in den 1980er Jahren mithilfe von Spenden, einer finanziellen Unterstützung der Behörden und Sponsoring der Holstenbrauerei. Nun wird diese Jugenstilperle neben den S-Bahngleisen als Restaurant genutzt . Im “Barmbeker Schachcafé” wird sogar eigens gebrautes “Barmbeker Bier” ausgeschenkt. Toll, wenn das persönliche Engagement von Bürger:innen verhindern kann, dass solche Schmuckstücke unter der Planierraupe verschwinden!

📍Barmbeker Schachcafé, Rübenkamp 227, Website / Google Maps

Unter den Weintrauben von Ottensen

Seit 1880 versteckt sich diese hübsche, denkmalgeschützte Weinstube, die älteste der Stadt (!), in einer kurvigen Gasse von Ottensen. Ins Auge fällt sie vor allem durch die überdimensionalen Weintrauben, die über der Tür hängen und abends leuchten. ​​​​Die Wandvertäfelungen im Innern sind noch originalgetreu, genauso die Holzfiguren am Tresen, die der einstige Gründer Emil Peters eigenhändig schnitzte, darunter Bäckersleute, Scharfrichter und Nachtwächter. ​​​​​​​Auch an der Eingangstür sind schöne alte Schnitzereien zu sehen. Ich liebe solche Details! ​​​​​​Neben hervorragenden Weinen serviert das Betreiberpaar, das zuvor in der Sternegastronomie gekocht hat, unkomplizierte und spannende Kochkunst mit Faible für die französische Küche. Bon Appétit!

📍Weinstube Zur Traube, Karl-Theodor-Straße 4, Website / Google Maps

Kuchen & Eis in Bauernhof-Idylle

In einer Sackgasse im Grenzland zwischen Ottensen und Othmarschen prallen zwei Welten aufeinander: Eine moderne mit Blick auf Neubauten und das Hochhaus des Altonaer Krankenhauses – und eine ländliche mit Bauerngarten und einem reetgedeckten Fachwerkhaus. Es ist, als hätte eine Zeitmaschine die 250 Jahre alte Bauernkate durch Zufall in die Gegenwart an den Agathe-Lasch-Weg verpflanzt, mitsamt seiner Sprossenfenster und dem Kopfsteinpflaster vor dem Hauseingang. Ein Besuch im Röperhof lohnt auf jeden Fall, allein, um sich einfach nur mal auf ein Stück leckeren Kuchen in den Bauerngarten zu setzen. Und direkt hinter dem Hof: Das Eishörnchen, ein Eisladen in einem alten Kornspeicher des Bauernhofs, in dem ich ungelogen das beste Spaghettieis meines Lebens gegessen habe.

📍 Agathe-Lasch-Weg 2, Röperhof: Website / Google Maps; Eishörnchen: Instagram

Das Kachelparadies in Deutschlands ältester Austernstube

Im ehemaligen Cölln’s am Brodschrangen (in der Hamburger Innenstadt), findet Ihr seit letztem Jahr das Kaiyo, ein japanisches Restaurant. Die Ramen-Suppen sind ganz hervorragend. Die Geschichte des Ortes begann dabei schon 1760, als der Fischhändler Hinrich Brügmann im Souterrain eine Austernhandlung eröffnete. Später übernahm Johann Cölln, dessen Namen immer noch am Eingang zu lesen ist. Seit 1898 zieren mehr als 27.000 handbemalte Jugendstilfliesen Wände und Böden. Im Wandfliesengemälde auf Bild 1 seht Ihr die Elbe und ihre (damaligen) Meeresfrüchte. Die Fliesenkunst in den Räumen der einst  ältesten Austernstube Deutschlands steht heute unter Denkmalschutz. Ich liebe sie – und teilweise hat sie auch etwas Asiatisches an sich, wenn man beispielsweise die herrlichen Fischfliesen näher betrachtet…

📍Kaiyo, Brodschrangen 1-5, Website / Google Maps

Anleger 1870 mit Ausblick

Die Jahreszahl im Namen spielt auf das Baujahr des Mundsburger Damms an, rund um dessen nördlichem Pfeiler sich diese Location befindet. Wer in dieser schönen Oase direkt an einem Fleet speist, hat einen wunderschönen Blick auf den Fernsehturm und die Schwanenwik-Brücke – nicht nur an Sommerabenden. Im Winter speist man in zauberhaften Glas-Pavillons für zwei bis acht Personen, die in der warmen Jahreszeit abgebaut werden.

📍Anleger 1870, Hartwicusstraße 7, Website / Google Maps

Das Forsthaus der Familie von Bismarck

Das Forsthaus Friedrichsruh wurde 1874 im Sachsenwald (gut 35 Minuten Autofahrt von Hamburg entfernt) erbaut und gehört der Familie von Bismarck. Als ihr Schloss im Zweiten Weltkrieges bombardiert wurde, nutzte sie es eine Weile als Notunterkunft. In den 1930er-Jahren entdeckte Max Schmeling – Boxweltmeister und passionierter Jäger – den abgelegenen Ort und zog ein. Er bereitete sich im Forsthaus auf seine Kämpfe vor, täglich um sechs Uhr morgens soll er durch den Sachsenwald gejoggt sein – mindestens 20 Kilometer weit. Noch heute hängen seine Fotos und Boxhandschuhe im Saal. Inzwischen befindet sich das Restaurant “Fritz im Wald” im Forsthaus. Hier wird saisonal und „radikalregional“ gekocht. Das Besondere: die Gerichte werden in die Mitte der Tische gestellt und alles wird untereinander geteilt – fast so wie zu Hause in der Familie. Außerdem gibt es zwei Ferienhäuser auf dem Gelände sowie zwei “Waldkörbe”, in denen man mitten im Wald auf einem Podest übernachten kann.

📍Fritz im Wald, Ödendorfer Weg 5, 21521 Aumühle, Website / Google Maps

Der Biergarten im alten Hospital

1859 entstand an der Max-Brauer-Allee 134 das Allgemeine Krankenhaus Altona. Das gelbe, schlossartige Gebäude mit Rundbogenfenstern stand damals noch auf dänischem Boden in einem Park, der sich heute “August-Lütgens-Park” nennt. 1970 wurde das Krankenhaus verlegt. In den schönen, alten Gebäuden befinden sich heute eine Kita, ein Jugend- und Kulturzentrum, eine Elternschule und eine Fachschule für Sozialpädagogik. Auch ein kleines Gasthaus, das sich “Sein” nennt. Gut möglich, dass sich in seinen Räumlichkeiten im Erdgeschoss früher mal ein Operationssaal oder ein Lazarett befand. Heute erahnt man das Hospital kaum noch. Dafür serviert man hier guten, saisonal und regional zubereiteten Mittagstisch und richtig leckeres, selbst gebackenes Brot. Im Sommer lässt es sich draußen in einem tollen Biergarten sitzen und hausgemachte Limonade genießen.

📍Sein, im Haus Drei, Hospitalstraße 107, Website / Google Maps

Die aktuelle Postkarte #46 könnt Ihr Euch unten herunterladen. Sie zeigt übrigens das “Nasch”, ein Café in einer ebenfalls historisch bedeutsamen Ecke der Stadt: dem Gängeviertel. Wer möchte, erfährt hier mehr über das Gängeviertel.

Liebste Grüße und ein riesiges Dankeschön für Euren Support!

Eure Frau Elbville

Achtung: Diese Postkarte darf nur für private Zwecke heruntergeladen werden. Eine Verwendung für kommerzielle Zwecke sowie die Veröffentlichung (z.B. auf sozialen Medien) bedarf meiner Erlaubnis.

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