Ahoi! Hier kommen 7 spannende Orte im Hamburger Hafen, die garantiert nicht jeder kennt
Ein Postamt auf einem Schiff, ein Hafengebiet, das ganz offiziell tschechisches Staatsgebiet ist, eine alte Navigationsschule, eine Sauna im Keller einer Seemannskirche und ein Club an der Hafenkante mit Kultstatus – das sind die Orte, die sich irgendwo im Hamburger Hafen verstecken und an die ich Euch in diesem Post, begleitend zur 30. Abo-Postkarte für Steady-Fördermitglieder, mitnehmen werde! Ahoi, Ihr Seebären!
Der schönste Wohnmobil-Stellplatz an der Elbe

Als erstes ein Tipp für alle, die mit einem Camper oder Wohnmobil nach Hamburg kommen. Fahrt in Richtung Hafen und biegt von der Hafenstraße in den Parkplatz beim Fischmarkt ab. Hier könnt Ihr mit etwas Glück einen von 15 grandiosen Stellplätzen erwischen – und zwar in Gehweite zu den St. Pauli Landungsbrücken sowie mit exklusivem Panoramablick auf Elbe, Dock und Kräne (inklusive Möwengeschrei). Dafür verzichtet man doch gern auf viel Komfort, oder? Denn Stromanschlüsse, Entsorgungs- und Versorgungsanlagen sucht man hier vergeblich. Aber allein die Lage und der Ausblick sind es wert. Der Preis ist mit 19,50 € vielleicht nicht ganz ohne. Aber ist die Vorstellung nicht einfach absolut herrlich, mit einer Knolle Astra an der Hafenkante zu sitzen und hinterher in die eigene Koje auf vier Rädern zu fallen… ?
– Hafenstraße 89, 20359 Hamburg / Google Maps
Das Portal der alten Navigationsschule

Als der aus Holland eingewanderte Landvermesser und Mathematiker Gerloff Hiddinga 1749 Hamburgs erste staatliche Navigationsschule eröffnet, sitzen vor ihm zwölf angehende Kapitäne – zunächst noch im Wohnzimmer seiner Wohnung am Kirchhof der St.-Katharinen-Kirche. Die Hamburger Admiralität hatte beschlossen, der zuvor formlosen Kapitänsausbildung einen festen Rahmen zu verleihen.Jeder, der Kapitän werden möchte, muss fortan nicht nur Aufnahmetests in Rechnen und Schreiben, sondern bald auch Abschlußprüfungen absolvieren. Kein Wunder, dass Hamburg seinerzeit viel Wert auf eine gute Ausbildung in Sachen Navigation legt – sie bildet schließlich die Grundlage für die weltweiten Handelsbeziehungen der Stadt. Hamburgs Navigationsschule hat bald einen guten Ruf. Und so wird 1905 oberhalb des Elbufers an den Landungsbrücken von St. Pauli ein beeindruckender, großer Neubau errichtet – hier auf einer Postkarte von 1917 zu sehen:

Vermutlich erkennen diesen Bau viele von Euch wieder, denn er befindet sich immer noch an Ort und Stelle. Allerdings ist die Navigationsschule schon lange ausgezogen. Nach dem 2. Weltkrieg fusionierte sie mit der Altonaer Seefahrtsschule in einem Gebäude am Altonaer Balkon. Inzwischen ist die Ausbildung jedoch eingestellt. Heute ist auf dem Elbhang von St. Pauli der Deutsche Wetterdienst eingezogen. Wer vorbeiläuft und sich das Gebäude aufmerksam anschaut, kann jedoch noch viele Überbleibsel wie das prächtige Portal und andere maritime Symbole an der Fassade entdecken.
– Bernhard-Nocht-Straße 76, 20359 Hamburg / Google Maps
Der Moldauhafen – ein Stück Tschechien in Hamburg

Das Schild an einem Schiffsanleger auf dem kleinen Grasbrook macht stutzig: “Nur Handkarren sind erlaubt!” Einmal auf deutsch – und einmal auf TSCHECHISCH… Auf der Veddel gibt es nämlich tatsächlich einen Hafenabschnitt, den sogenannten “Moldauhafen”, der seit 1929 zur Tschechischen Republik gehört. Und das ist absolut kein Seemannsgarn! Grund für diesen seltsamen Umstand ist die Niederlage der Deutschen im Ersten Weltkrieg. In der Folge musste das Deutsche Reich den Versailler Vertrag akzeptieren. Und in diesem war eben auch festgehalten, dass Deutschland der damaligen Tschechoslowakei das Hafenareal auf der Veddel verpachten und so Zugang zum Meer garantieren musste. Der Vertrag wurde nach zähen Verhandlungen schließlich 1929 unterschrieben – und gilt für 99 Jahre. Ja, richtig gerechnet: Er läuft 2028 aus. Die Prager Regierung hat theoretisch das Recht, ihn um weitere 50 Jahre zu verlängern. Momentan verhandelt man offenbar um einen Gebietstausch innerhalb des Hamburger Hafens. Und wie kommt man nun in die Tschechische Republik? Geht von der S-Bahn-Station Veddel durch den Tunnel am Nordausgang links vorbei am alten Zollhaus. Rechter Hand liegt der Moldauhafen. Zusatztipp: Nicht weit entfernt könnt Ihr in der urig-verschrobenen Veddeler Fischgaststädte (Google Maps)ausgezeichnet Fisch essen!
– Moldauhafen / Google Maps
Das Postamt auf der Rickmer Rickmers

Am Baumwall liegt Hamburgs außergewöhnlichstes Postamt gut vertäut am Steg: Das Museumsschiff “Rickmer Rickmers” ist seit 2006 offizielle Schiffspoststelle. Wer den mächtigen Windjammer besucht, kann Briefe und Postkarten in einem speziellen Briefkasten einwerfen. Die Postsendungen bekommen dann einen eigenen Poststempel, der die Rickmers Rickmers zeigt, bevor sie der Deutschen Post AG übergeben werden. Schiffspoststellen haben dabei eine lange Tradition. Es gibt sie seit 1886. Neben Kreuzfahrtschiffen sind auch viele Fähren Schiffspoststellen wie z.B. einige Helgoland-Schiffe. Die “Rickmer Rickmers” ist dabei das einzige Schiff, das nicht mehr fährt.
– Rickmers Rickmers, Bei den St. Pauli-Landungsbrücken 1a, 20359 Hamburg / Google Maps
Schnaps und Sauna unter der Finnischen Seemannskirche

Das Wetter in Hamburg ist wechselhaft – vor allem in der kalten Jahreszeit! Bei echtem nordischen Schietwetter ist der Gang in die Sauna besonders beliebt. Eine der skurrilsten Saunen der Stadt befindet sich – heiliger Bimbam! – unter der Finnischen Seemannskirche zwischen Café, Finnshop und gut bestückten Schnapsregalen. Die finnische Kirche liegt wiederum im Portugiesenviertel, das am Baumwall in Richtung Michel liegt. Ihr kleiner, aber feiner Saunabereich befindet sich im Keller und steht nicht nur den Gemeindemitgliedern zur Verfügung, sondern bietet ebenso öffentliche Zeiten an. Männer und Frauen saunieren grundsätzlich getrennt. Neben den öffentlichen Saunazeiten kann man sie aber auch für private Treffen mieten. Ruft dazu in der Finnischen Seemannskirche an (Tel. 040 316971). Ich selbst kenne den Keller vom Adventsbasar, auf dem ich mich alljährlich mit schönen, hochprozentigen Getränken eindecke… In die Sauna habe ich mich zwar immer noch nicht selbst getraut. Aber hier ein NDR-Beitrag zur Einstimmung!
Öffentliche Saunazeiten
Frauen: Dienstag: 16 bis 21 Uhr große Sauna / Freitag: 16 bis 21 Uhr kleine Sauna / Samstag: 18 bis 21 Uhr kleine Sauna
Herren: Mittwoch bis Freitag: 16 bis 21 Uhr große Sauna / Samstag: 18 bis 21 Uhr kleine Sauna
Preise: Normal 10 € / Fördermitglieder, Studenten, Arbeitslose und Rentner 7 €
– Ditmar-Koel-Strasse 6 (Neustadt), ab 10 Euro
Punk vom Feinsten im Hafenklang

Das „Hafenklang“ ist eine Hamburger Club-Institution. In den 1990ern spielten die Bands hier noch auf Lehmboden. Dort, wo im 1. Stock (“Goldener Salon” genannt) der Tresen steht, war früher einmal eine große WG-Küche, das Wohnzimmer befand sich auf dem heutigen Dancefloor. Als das Hafenklang an der Großen Elbstraße eröffnete, hörte hier der Kiez auf und ein anderes Rotlicht fing an, das um einiges schäbiger war als St. Pauli. Ein Ort, an den sich kaum ein Tourist hinverirrte. Dabei hatte sich das Hafenklang bereits in den 1970er Jahren als Musikstudio und Künstlertreff etabliert – hier gab es das erste 24-Spur-Studio der Stadt. Udo Lindenberg, die Einstürzenden Neubauten und andere Künstler nahmen an der Hafenkante ihre ersten Tonträger auf. Nachdem die Wohngemeinschaft, die das Studio betrieb, begonnen hatte, mit Soli-Veranstaltungen Widerstand gegen die Kündigung des Mietverhältnisses und den Abriss des Gebäudes zu leisten, verwandelte sich das Hafenklang allmählich auch in einen Konzert-Veranstalter: Heute genießt es Kultstatus, auch wegen des Punkerstammtisches, und weil hier neben Punk, auch Ska, Metal, Northern Soul, Rock, HipHop, Dancehall und Dub aufgelegt werden. Dass auch die Große Elbstraße ein echtes Highlight unter Hamburgs Straßen geworden ist, habe ich an anderen Stellen auf diesem Blog ja schon öfters erwähnt… 😉
– Hafenklang, Große Elbstraße 84, 22767 Hamburg / Website / Google Maps
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Ich hoffe, es hat Euch gefallen! Die Postkarte #30 könnt Ihr Euch wie immer hier herunter laden! Liebe Grüße und: Danke für Euren Mega-Support! ❤️
Eure Frau Elbville

