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Ganz großes Kino: Kultstreifen, Drehorte und Filmpaläste in Hamburg

Zwei Jahre habe ich nun davon geträumt, wieder vor einer großen Leinwand im abgedunkelten Saal in einem Kinosessel versinken zu dürfen. Durch die Pandemie gerettet habe ich mich dann mit gelegentlichen Ausflügen an den Elbstrand, denn das dortige “Freiluftkino” kann ja tatsächlich mit so mancher Filmkulisse mithalten. Nun können wir endlich wieder ins Kino – und so zeige ich Euch anlässlich der aktuellen Elbville-Postkarte, was Hamburg filmisch zu bieten hat. Spot on!

Fotos und Text: Susanne Krieg / Frau Elbville

Echte Filmkulissen im Altonaer Museum

Vielen dürfte diese Kiezkneipe am Hamburger Berg aus Heinz Strunks Roman sowie dem gleichnamigen Film „Der Goldene Handschuh“ (2019) bekannt sein – vielleicht wart Ihr sogar selbst schon auf einen Absacker drin. In der vergangenen Woche staunte ich nicht schlecht, als ich plötzlich mitten im Altonaer Museum den Handschuh, jene legendäre Stammkneipe des Serienmörders Fritz Honka, betreten konnte. Es war die Kulisse, die Fatih Akin für seine Romanverfilmung in einem Studio auf dem Grasbrook orginalgetreu nachbauen lassen hatte:

Wie die Kulisse ins Museum kam? Noch bis zum 18.7.2022 erzählt das Altonaer Museum in der wirklich empfehlenswerten Ausstellung “Close-up – Hamburger Film- und Kinogeschichte”, wie die Stadt sich seit 1895 als Filmstandort entwickelt hat – mit einzigartigen Zeitzeugnissen wie besagter Kaschemme inklusive 70er-Jahre Spielautomat.

 

Für die Hartgesottenen unter Euch hier noch ein kleines Video zum Film:

– Altonaer Museum, Museumstraße 23, Website / Google Maps

Filmtourismus: Drehorte auf Instagram

Die Hamburgerin Andrea David reist dorthin, wo andere gedreht haben – und zeigt von Ihren Touren Fotos auf ihrem Instagram-Account @filmtourismus, dem inzwischen 850.000 Menschen folgen. Dabei fotografiert sie nicht nur Originalschauplätze in Budapest, auf den Bahamas oder in Bad Tölz. Als “Set-Jetterin” weist sie auch auf Filme hin, die in Hamburg spielen. Zum Beispiel …

 

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…. der Hollywoodstreifen “THE MASTER TOUCH” (“Ein achtbarer Mann”). Darin spielt Kirk Douglas 1972 einen Einbruchsspezialisten, der nach zwei Jahren in einem Hamburger Gefängnis gleich den nächsten Einbruch plant – ein Rififi-Klassiker vor sagenhaft-nostalgischer Hamburg-Kulisse, inklusive einer der spektakulärsten Verfolgungsjagden durch die Stadt. Gedreht wurde tatsächlich kreuz und quer durch Hamburg, aber der am leichtesten erkennbare und heute wohl auch am wenigsten veränderte Drehort ist wahrscheinlich die Überseebrücke in der Nähe der Landungsbrücken.  In voller Länge sehen könnt ihr Kirk in Hamburg hier auf YouTube!

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Noch so ein Klassiker auf Zelluloid – aber eine deutsche Produktion: “Absolute Giganten” (Erscheinungsjahr 1999), die Story von Floyd, Ricco und Walter, drei Freunden, die ihre letzte gemeinsame Nacht verbringen, weil einer von ihnen auf einem Frachter anheuert. Frank Gierig (inzwischen leider verstorben), Florian Lukas und Antoine Monot Jr. kurven im Ford Granada durch den Freihafen, chillen vor Industriebrachen und kickern in Kaschemmen. Als der Film 2016 nochmals in 14 Kinos gezeigt wurde, waren fast alle Vorstellungen ausverkauft. Auf Andreas Foto seht ihr den Kaispeicher A von 1999 – also vor seiner Transformation in die Elbphilharmonie! Den kompletten Film (ohne Elphi) gibt’s hier auf YouTube.

Hier flimmert’s richtig schön

Schwer zu sagen, welche Lichtspielhäuser Hamburgs ich besonders mag… So war ich immer noch nicht in der neuen ASTOR Film Lounge, einem “Konzept Premium Kino” in der HafenCity, dessen Besuch sich wirklich lohnen soll (Website / Google Maps).

Aber vielleicht sind es ohnehin eher die kleinen, alten, ja charmanten Hamburger Kinos, die es mir angetan haben?

So ist zum Beispiel das Holi in der Schlankreye 69 (Website / Google Maps) eines der für mich schönsten Programmkinos der Stadt. Es wurde 1951 eröffnet, die Klinkerfassade und der Leuchtschriftzug erinnern dabei an ein amerikanisches Diner. Auch im Innern versprüht das Kino Nierentisch-Charme. Saal 1 birgt noch dazu ein süßes Geheimnis: Der Glitzer-Vorhang vor der Leinwand, bemalt mit bekannten Hamburger Motiven, steht inzwischen unter Denkmalschutz: Vor rund 70 Jahren hat eine Gruppe Berliner Künstlerinnen den Glitzereffekt geschaffen, in dem sie echtes Pralinenpapier im Stoff verarbeitete!

Das B-Movie in der Brigittenstraße auf St. Pauli  (Website / Google Maps) ist ein nichtkommerzielles, sehr kleines Kino – oder sehr großes Wohnzimmer? Es ist gemeinnützig und ehrenamtlich organisiert – also eine echte Rarität und deshalb besonders erwähnenswert, wie ich finde. Von alten Blockbustern, über Trash- Underground und Exploitation-Filmen zeigt es eine schrille Mischung, teils in unterschiedlichen Sprachfassungen. Der Kinosaal fasst 58 Plätze. Der Eintritt kostet 3,50 Euro oder eine freiwillige Spende. Ist doch toll, dass es so etwas noch gibt!

Weitere Hamburg-Orte, die auf der Leinwand zu sehen waren

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins

Vor allem der Film „Große Freiheit Nr. 7“ begründete nach dem Krieg das verrucht-romantische Image von St. Pauli – und machte einen blonden Kerl mit hypnotischem Blick und Schifferklavier zum Star, der voller Inbrunst das Herz von St. Pauli und das Meer als die ewige Braut des Seemanns besang. Heute gehören die Songs von Hans Albers nicht nur zu den Fangesängen im Stadion. Sie erklingen auch noch immer aus den Jukeboxen so mancher Kiezkneipe. Hier seht ihr, wie Hans Albers seinen wohl berühmtesten Klassiker “Auf der Reeperbahn nachts um halb Eins” 1954 in der Großen Freiheit schmettert:

Der Amerikanische Freund

Der unscheinbare Jonathan (Bruno Ganz) lebt in Hamburg – den Tod vor Augen. Er hat Leukämie. Der ebenfalls in Hamburg lebende, zwielichtige Amerikaner Tom Ripley, gespielt von Dennis Hopper, vermittelt ihn als idealen Killer. Denn in seinen Augen hat der harmlose Handwerker nichts mehr zu verlieren. Aber Ripley zeigt plötzlich Skrupel. Zu spät … Einen großen Teil des Films drehte Regisseur Wim Wenders von Oktober 1976 bis März 1977 in Hamburg, vor allem am Hafen und auf St. Pauli. Zu sehen sind auch der Alte Elbtunnel und die Strandperle. Einige Szenen spielen zudem in einer alten Villa an der Elbchaussee, die ich in diesem Beitrag schon einmal erwähnt habe. Die Film-Vorlage lieferte übrigens ein Krimi von Patricia Highsmith.

Der Morgen stirbt nie

Wer hätte es gedacht? Selbst James Bond war schon in geheimer Mission in Hamburgs unterwegs. In einer völlig absurden Szene für den Film “Der Morgen stirbt nie” (1997) kracht 007 alias Pierce Brosnan vom Dach des Luxushotels Atlantic mit seinem Auto direkt ins Schaufenster des Kaufhofs in der Mönckebergstraße. Immer wieder urkomisch, diese geballte Ladung verrückter Stunts:
So, und wer noch immer nicht genug hat von Drehorten in Hamburg, findet unter diesem Link 10 weitere Locations und die dazugehörigen Filme. Noch etwas Popcorn, gefällig?

So, das war’s für diesen Monat!Die neue Postkarte könnt Ihr euch wie immer hier herunter laden:

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