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Hamburger Kontorhäuser

Hamburgs Kontorhäuser: Prächtige Pförtnerlogen, Kronleuchter und Jugenstilmosaike

Hamburg – die Stadt der Kontorhäuser. In vielen dieser traditionsreichen Gebäude arbeiten bis heute Reeder, Kaufleute, Agenten und Makler. Seit jeher demonstriert das Hamburger Kontorhaus die Macht des Handels – nicht nur durch seine atemberaubende Fassade, sondern auch durch eine beeindruckende Innenarchitektur. Prächtigen Treppen, dekorative Mosaike, aufwändige Fensterbilder, alte Pförtnerlogen, Stuck, Marmor, Granit… Bitte eintreten und staunen!

Fotos und Text: Susanne Krieg / Frau Elbville

Das Körnerhaus

Kontorhäuser Hamburg: Körnerhaus Portal

Das „Körnerhaus“, erbaut in den Jahren 1904/1905, findet man in der Poststraße südlich des Gänsemarktes. Warum es so heißt, konnte ich nicht herausfinden, aber schon der verschnörkelte Eingangsbereich mit goldenem Jugendstil-Schriftzug, Marmorverkleidung, bemalter Decke und prächtigem Leuchter macht neugierig auf das Innere …

Kontorhäuser Hamburg: Körnerhaus Eingang innen

Das Treppenhaus überrascht mit einer ungewöhnlich verwinkelten Form, die Wände sind geschmückt mit „vegetativen“ Ornament-Fliesen, wie sie typisch für die Epoche des Jugendstils sind. Ich liebe es…

– Körnerhaus, Poststraße 37-39 / Google Maps

Das Hübnerhaus

Kontorhäuser Hamburg: Hübnerhaus Wärter vom Eingange

Wiener Sezession: Das erwartet Euch im Hübner-Haus am Neuen Wall. Gemeint ist damit eine abstrakt-geometrische Ornamentik, wie man sie hier im Vestibül z.B. in Form von gold-blauen Mosaiken und schwarzen, doppelreihigen Fliesenmustern sieht. Neben der marmornen Treppe eine kleine Pförtnerloge, die so auch in einem Wes-Anderson-Film auftauchen könnte. Bei dem schicken, schwarzen Wählscheiben-Telefon werde ich wirklich nostalgisch.

Kontorhäuser Hamburg: Hübnerhaus Wärter

In einer Vitrine gegenüber erfährt man, was sich früher in diesem Gebäude befand: 1884 schufen Christian Georg Adolph Hübner und seine Frau Mathilde hier ein distinguiertes Café mit eigener Konditorei, das vor allem den Damen der feinen Gesellschaft offen stehen sollte. Das war absolut neu: Denn bis dahin galt es als unschicklich, dass Frauen ohne Begleitung eines Herren Kaffee oder Tee trinken gingen. Auch der Leibkoch des Kaisers soll im Hübner seine Bestellung für die Kieler Woche aufgeben haben. 1961 musste das Café dennoch schließen – die Gäste blieben aus.

Kontorhäuser Hamburg: Hübnerhaus Treppenhaus

– Hübner-Haus, Neuer Wall / Poststraße. 2-4 / Google Maps

Das Hildebrandhaus

Kontorhäuser Hamburg: Hildebrandhaus Eingang

Eine der schönsten Ladenfronten am Neuen Wall gehört dem Hildebrand-Haus. Es wurde 1907/8 erbaut, Besitzer war die Berliner Schokoladen-Fabrikantenfamilie „Theodor Hildebrand & Sohn“. Vermutlich wurde es anfangs als eines der vielen Ladengeschäfte genutzt, die die Schokoladenfabrik deutschlandweit betrieb. ​​​​​​Heute ist links der Juwelier „Brahmfeld & Gutruf“ eingezogen, zu dem es weiter unten noch mehr Informationen gibt. „Campbell Optik“ (rechts) wurde 1816 vom Schotten William Campbell gegründet, befand sich allerdings ursprünglich unter anderer Hausnummer ebenfalls in Neuen Wall.

Kontorhäuser Hamburg: Hildebrandhaus Eingang innen

Es ist nicht das erste Mal, dass ich das Hildebrand-Haus auf meinem Blog erwähne. Aber es muss an dieser Stelle einfach noch einmal zur Geltung kommen, weil es so unglaublich schön ist (ich habe ihm auch ein Reel auf meinem Instagram-Account gewidmet). Die Schokoladen-Frabrikanten sollen ein besonderes Faible für Griechenland gehabt haben. Darum sieht man im Foyer unter der Kassettendecke auch eine Kopie des Marmorfrieses, auf dem Alexander der Grosse in Babylon einzieht. Auch der Rest der Eingangshalle ist großartig: Diese Kacheln! Dieser Mosaikboden, dieser vor sich hin plätschernde Brunnen… sind mindestens ebenso prächtig wie die Klunker, die draußen im Schaufenster ausliegen …

Kontorhäuser Hamburg: Hildebrandhaus Brunnen

– Hildebrand-Haus, Neuer Wall 18 / Google Maps

Das Gutrufhaus

Kontorhäuser Hamburg: Brahmfeld & Gutruf Haus Fenster

1913 legte der Kaufmann Eduard Gutruf den Grundstein für das gigantisch große „Gutruf-Haus“, das sich vom Neuen Wall 14 bis zum Jungfernstieg erstreckt, an der Stelle, an der sein Großvater einst einen Juweliersladen erbaut hatte. Am Jungfernstieg endet es heute quasi im Apple Store… Während der Bauzeit brach der 1. Weltkrieg aus, was aber die Fertigstellung 1915 nicht behinderte. Auch die Bomben des 2. Weltkriegs verschonten das Haus. Und so kann man es noch heute bestaunen:

Besonders aufgefallen sind mir die Fenster im Treppenhaus, die über und über mit Symbolbildern dekoriert sind. Und etwas seltsam, aber dennoch irgendwie interessant: die durch und durch beige Bekachelung der Eingangshalle am Neuen Wall. Das Gebäude ist ein Beispiel für die Reformarchitektur, die sich vom Historismus abzuwenden gedachte.

Kontorhäuser Hamburg: Brahmfeld & Gutruf Haus Eingang

Das Chilehaus

Die Ikone unter den Hamburger Backstein Bauten: Das Chilehaus, 1924 von Fritz Höger fertig gestellt. Auftraggeber war der schwerreiche Reeder und Bankier Henry Sloman. Der hatte das Gebäude mit Geld aus seinem Salpetergeschäft in Chile bezahlt. Mit den 4,8 Millionen Bockhorner Klinkern (von Höger auch liebevoll „Bauedelstein“ genannt) und einer Spitze, die wie der Bug eines mächtigen Passagierschiffes in den Himmel ragt, wurde das Gebäude 1984 zum Weltkulturerbe erklärt. Man beachte auch den Andenkondor, der als Keramik wie eine Galionsfigur am Bug klebt. Interessant ist, dass dem Bauherrn die Entwürfe des Architekten Fritz Höger zunächst nicht gefielen. Sloman befürchtete Tristesse. Vor allem die Spitze des Gebäudes erschien ihm zu neumodisch. Nach eigener Aussage reichte Höger insgesamt 17 Änderungsanträge bei der Stadt ein, um die elegant geschwungene Südfassade letztendlich realisieren zu können.

Kontorhäuser Hamburg: Chilehaus Treppenhaus

Schaut Euch auf jeden Fall auch im Inneren um. Während der Woche, wenn in den Büros des Klinkerkoloss am Burchardplatz gearbeitet wird, stehen die Türen an den Seiten offen. Das letzte Bild zeigt einen Ausblick in den Innenhof, fotografiert durch ein Fenster des Treppenhauses in der Spitze des Gebäudes:

Kontorhäuser Hamburg: Chilehaus Innenhof

– Chilehaus, Fischertwiete 2A / Google Maps

Haus Goldener Schwan

Kontorhäuser Hamburg: Zum goldenen Schwan

Das Haus Goldener Schwan in der Dammtorstr. 27 wurde als Apotheke erbaut, weist aber allein schon durch seinen prächtigen Eingangsbereich viele Merkmale eines klassischen Kontorhauses auf.  Die Schwan-Apotheke gab es in Hamburg bereits seit 1765, sie befand sich aber zunächst in der Mattentwiete, dann am Neuen Kran, zog daraufhin an den Gänsemarkt, von wo sie erst 1842 an die Dammtorstraße verlegt wurde. Der „Neubau“ von 1911, den wie heute hier sehen,  galt damals als die modernste Apotheke des Landes. So besteht die Einrichtung der Apotheke im Erdgeschoss seit 1912 – geht ruhig mal rein und kauft Euch Hustenbonbons oder eine Sonnenmilch. Aber ich empfehle Euch, auch einen Blick in den Eingangsbereich links neben der Apotheke zu werfen!

Kontorhäuser Hamburg: Zum goldenen Schwan Eingangshalle

Auf den bemalten Wandfliesen und in den beeindruckenden Buntglasfenstern wird die Betriebsgeschichte dargestellt. Gleich links am Treppenaufgang befindet sich ein aufwendiges Porzellangemälde. Darauf seht man das „Dammthor mit Schwanapotheke um 1850“. Der Schwan ist dabei ein wichtiges Symbol für die Stadt Hamburg. Wenn Ihr wissen möchtet, was es damit auf sich hat und warum es z.B. verboten ist, Alsterschwäne zu beleidigen, empfehle ich Euch, meinen Blogbeitrag hierzu.

Kontorhäuser Hamburg: Zum goldenen Schwan Fenster

– Haus Goldener Schwan, Dammtorstr. 27 / Google Maps

Ballinhaus

Kontorhäuser Hamburg: Ballinhaus Treppe

Eigentlich heißt das Gebäude, das ich Euch nun zeige, heute Messberghof. Doch ich weigere mich, es so zu nennen. Gebaut worden ist es als Ballin-Haus, den Namen trug es zu Ehren des Hamburger Reeders Albert Ballin. Doch weil er jüdischer Abstammung war, benannten die Nazis das Kontorhaus 1938 in Meßberg-Hof um. Eine böse Ironie des Schicksals wollte es, dass sich ausgerechnet die Firma Tesch & Stabenow darin niederließ. Sie verkaufte Zyklon B nach Auschwitz. Heute hat hier die Bauer Media Group ihren Sitz. Dass diese dem Gebäude nicht längst seinen alten Namen wieder gegeben hat, finde ich mehr als fragwürdig …

Kontorhäuser Hamburg: Ballinhaus Aufzug

Im Zentrum des Gebäudes befindet sich zwar eine 50 Meter aufsteigende Treppe, von einem Oberlicht magisch ausgeleuchtet. Daneben gab es früher auch Paternoster. Hamburg war ja langezeit die Paternoster-Hauptstadt des europäischen Kontinents. 1885 wurde hier der ersten Paternoster in Betrieb genommen – ein Jahr später als in London, wo sie erfunden worden waren. Im Ballin-Haus wurden die seitlichen Paternoster später durch Aufzüge der Carl Flohr AG ersetzt, die aber, so weit ich weiß, nicht mehr in Betrieb sind. Heute werden große moderne Aufzüge in der Mitte des Treppenhauses genutzt.

Kontorhäuser Hamburg: Ballinhaus Tür

Auf jedem Stockwerk zweigen Türen in die Kontore ab. Sie sind wie auch die Treppengeländer mit einer schimmernden Schlagmetallvergoldung versehen und tragen dazu bei, dass das Gebäude an einen Tempel erinnert.

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