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Wilhelmsburger Highlights: Ein Touren-Tipp zum Nachfahren und Entdecken!

Mein Tipp für einen perfekten (Ferien-)Tag führt nicht aufs Land, sondern mitten in die Stadt – auch wenn es hier an vielen Stellen gar nicht so aussieht: Die Elbinsel Wilhelmsburg hat viele Facetten und ist nicht nur von Wasser umgeben, sondern auch von spannenden Highlights durchzogen, die man wie an einer Perlenschnur aufgefädelt per Rad (oder alternativ mit dem Auto) erkunden kann. Alle Details habe ich für Euch in einer Google-Maps-Karte hinterlegt!

Allgemeine Infos zur Tour

Zuallererst ein kleiner Überblick über die Tour, die an den Elbbrücken beginnt, quer über die Wilhelmsburger Binneninsel verläuft und am Alten Elbtunnel endet. Ich empfehle, die Strecke mit dem Rad abzufahren und dafür mindestens einen halben Tag einzuplanen, wenn man sich alles in Ruhe anschauen möchte und ein oder zwei Pausenstopps macht. Wer kein eigenes Rad zur Hand hat, kann sich über Stadtrad Hamburg ein Fahrrad zum Tagespreis von 9 Euro ausleihen. Mehr Infos hier. Alternativ könnt Ihr die Tour auch mit dem Auto abfahren. Die Gesamt-Strecke beträgt rund 30 Kilometer.

Stopp A:  Startschuss an den Elbbrücken

Man könnte fast meinen, von hier aus ginge es ins All. ​​​​​​​​ Aber nein, zu sehen sind die Elbbrücken, ein futuristischer Ort​ in der HafenCity, an dem unsere Reise beginnt und der derzeit noch ​​​die Endstation von Hamburgs jüngster U-Bahnlinie, der U4, sowie eine Haltestelle der S-Bahn-Linie 3 ist. Die U-Bahnstation verfügt über einen sehr fotogenen Skywalk, den Ihr, bevor es mit dieser Tour so richtig losgeht, unbedingt anschauen solltet.​​​​​​​​ Was mich ein wenig ärgert, sind die riesigen Hochhäuser, die momentan um diesen Ort herum empor schießen. Überall Kräne – und womöglich bald kein freier Himmel mehr über dem gläsernen Dach der Station. Rechts seht Ihr übrigens auch den angefangenen Elbtower, eine der Pleite-Ruinen der Signa-Group von Immobilien-Hochstapler René Benko… Mal schauen, wann und ob der überhaupt noch weiter wächst …

Elbbrücken, Google Maps

Stopp B: Veddeler Fischgaststätte

Ihr folgt nun der Route zum nächsten Stopp, einer skurrilen Fischbratküche, die seit 91 Jahren der Zeit in einer Art Niemandsland im Hafen trotzt. Ihr Äußeres mag täuschen – eine unscheinbare Bretterbude – doch ihr Inneres birgt eine gastronomische Wucht. Das Team der Veddeler Fischgaststätte bereitet Fisch zu, der auf den Punkt gebraten ist – ohne Schnickschnack, aber mit viel Hingabe. Ein fast historisches Ofen-Unikat verleiht jedem Gericht eine besondere Note. Tausende von Fans haben 2022 durch eine Petition verhindern können, dass dieses kleine Bude abgerissen wird, um Platz für seelenlose Neubauten zu machen. Achtung, falls Ihr dort essen möchtet, geht das nur an Werktagen – am Wochenende macht die sympathische Belegschaft Pause (Adresse: Tunnelstraße 70).

Veddeler Fischgaststätte, Website / Google Maps

Stopp C:  Die Goldwand

In der Veddeler Brückenstraße 152 glänzt eine mysteriöse Goldwand, zu der Euch meine Tour als nächstes führt: Mit einem Hubsteiger schliff hier der Künstler Boran Burchhardt im Juni 2017 die Fassade eines Klinker-Mietshauses der SAGA ab. Dann begann er, mit Spezialkleber hauchdünnes 23 Karat Blattgold aufzutragen. Die Kulturbehörde hatte ihm dafür 85.621,90 Euro bewilligt – Steuergelder, die aus einem Topf für Kunst im öffentlichen Raum kamen. Die Folge: Bundesweit berichteten die Medien damals über einen der ärmsten Stadtteile Hamburgs und seine 300 Quadratmeter große Goldwand – hinsichtlich dieser Beachtung also ein Erfolg. Doch viele, die auf der Veddel wohnen, hielten die Fassade für keine so glänzende Idee. Warum das Geld nicht für Kindergärten oder soziale Projekte ausgegeben, fragten sie sich. Mehrmals wurde das Kunstwerk mit Farbbeuteln beworfen. Das Blattgold soll 25 Jahre halten, heißt es. Doch die goldenen Zeiten, die man der Veddel eigentlich seit Jahrzehnten verspricht? Die lassen immer noch auf sich warten … Tatsächlich ist die Fassade irgendwie ein Hingucker, wenn auch vereinzelt wieder mit Kritzeleien versehen.

Goldwand, Veddeler Brückenstraße 152 / Google Maps

Stopp D: Zum Anleger

Einfach hinsetzen und den Enten zuschauen … vielleicht ein frisch gezapftes Bier trinken und in einen saftigen Burger beißen. Das geht auf unserer Tour besonders gut im Biergarten „Zum Anleger“, der sich am wildromantischen Ernst-August-Kanal (direkt am Vogelhüttendeich) versteckt! Zu diesem Paradies im Grünen gehört auch ein Kanu- und Stand-up-Paddelverleih. Wer Glück hat, kriegt den Tretboot-Schwan! Aber eigentlich wollt Ihr ja gar nicht paddeln, sondern radeln …. 😉 Weiter geht’s!

Zum Anleger, Website / Google Maps

Stopp E: Inselpark Wilhelmsburg

Die Tour führt Euch nun einmal quer durch den Wilhelmsburger Inselpark, den Ihr vielleicht schon aus dem letzten Post kennt, weil ich Euch den darin befindlichen Friedhof der guten Ideen” vorgestellt habe. Der 85 Hektar große Inselpark ist ein tolles Ziel für Erholungssuchende mit Multifunktions-Sportfeld, einem beleuchteten Jogging-Parcours, Skate-Arena, Kletterhalle, Hochseilgarten und Schwimmbad. Ganz in der Nähe: Der Energiebunker mit Panorama-Café und die architektonisch interessanten Wohnhäuser, die den Inselpark umgeben. Angelegt wurde der Park  für die Internationale Gartenschau 2013. Später wurde er dann zu einem zentralen Park für die Elbinsel umgebaut.

Inselpark, Google Maps

Stopp F: Maximilian-Kolbe-Kirche

In Wilhelmsburg nennen sie das Gebäude, das wir als nächstes ansteuern, liebevoll “die Klorolle”… Sein Merkmal: Ein Turm in Form einer kuriosen Spirale aus Beton. Für mich ist es eine Perle moderner Kirchenarchitektur – eine “brutalistische Schönheit”. Die St. Maximilian-Kolbe-Kirche, entworfen vom Architekten Jo Filke, ist von der katholischen Kirche 1973 errichtet worden, weil sie – nicht erst nach der Flutkatastrophe 1962 – mit einem größeren Zuzug katholischer Büger:innen in die Neubaugebiete von Wilhelmsburg rechnete. Im Nachhinein reichte jedoch die St. Bonifatius-Kirche für die katholische Gemeinde aus, der Beton der Kolbe-Kirche bekam schnell Schäden – und so wollte das Erzbistum Hamburg sie wieder abreißen – auch, um das Altenheim nebenan zu erweitern. Engagierten Hamburger:innen und dem Denkmalverein ist zu verdanken, dass die Kirche gerettet und saniert werden konnte. Nun haben die Malteser sie übernommen und eine Begegnungsstätte aus ihr gemacht. Leider waren die Türen verschlossen, als ich da war – aber ich weiß aber ganz zufällig, dass das Innere ebenfalls eine architektonische Schatzkammer ist.

Kolbe-Kirche, Google Maps

Stopp F: Bunthäuser Spitze und “Zum Stackmeister”

Vor dem romantischen Leuchtfeuer an der Bunthäuser Spitze ganz im Süden Wilhelmsburgs gibt es das Restaurant „Zum Stackmeister“ (Moorwerder Hauptdeich 33), in dem ich grandios leckere Matjes Hausfrauenart mit großartig krossen Bratkartoffeln gegessen habe. Alle anderen meines “Teams” hatten perfekt plattinierte Schnitzel. Die Küche benötigt etwas Zeit, aber dafür ist das Essen dann auch verdammt gut! Natürlich müsst ihr auch das Leuchtfeuer erklimmen, bevor es weiter geht…

Zum Stackmeister, Website / Google Maps

Stopp G: Alte Harburger Brücke

Ohne Brücken kein Hamburg. Vor allem ohne die Elbbrücken ginge absolut nix. Noch vor gar nicht langer Zeit hätten wir umständlich im Boot herumtuckern müssen, um in die und aus der Stadt zu kommen. Seit 1899 verbindet das legendäre “Tor zum Süden” – die Alte Harburger Elbbrücke – beide Ufer der Süderelbe. Das filigrane und zugleich klotzige Meisterwerk mit Fachwerkbogen und imposanten Portalen war ein Meilenstein für die Stadtentwicklung. So konnte sie sich nach Süden zur offenen Handelsmetropole entfalten. Ursprünglich als Autobrücke errichtet, darf sie heute nur noch von Fußgängern und Radfahrern benutzt werden. Bis in die 70er Jahre für die Straßenbahn genutzt, schafft sie heute eine autofreie Verbindung zwischen Harburg und Wilhelmsburg. Skurillerweise gleich daneben: Eine neue Brücke, über die nun der Verkehr rauscht.

Alte Harburger Elbbrücke, Google Maps

Stopp H: Das Möwen-Graffiti

Am Ellerholzdamm im Hamburger Hafen picken Möwen im Plastikmüll: als 8 Meter x 30 Meter großes Kunstwerk aus der Sprühdose. ​​​​​​ Mit dem Graffiti will das Hamburger Unternehmen H.D. Cotterell für das Thema Plastikvermeidung und Klimaschutz sensibilisieren. Es engagierte den spanischen Künstler Sabotaje al Montaje damit, eine Hallenwand auf dem Gelände der Firma mit dem Möwen-Mural zu schmücken.​​​​​​​​
​​​​​​​​H.D. Cotterell ist u.a. auf die Lagerung und den Umschlag von Kakao spezialisiert. Dabei ist der gesamte Dienstwagen-Fuhrpark der Firma auf Elektro umgestellt. Auf dem Dach ist sogar eine eigene Photovoltaikanlage montiert. Klingt vorbildlich, wie ich finde. ​​​​​​​​

Ellerholzdamm, Google Maps

Stopp I: Ende Alter Elbtunnel

Und nun zum Endspurt durch den Alten Elbtunnel, der ja immer wieder ein Erlebnis ist. Die beiden dazu gehörigen Röhren sind ein Stück frühe Ingenieurskunst aus dem Jahre 1911 und bringen Euch unter der Elbe zurück auf die andere Seite zu den Landungsrücken von St. Pauli. Falls Euch noch nach einem Snack zumute ist, gönnt Euch noch auf der Steinwerder-Seite rechts am Eingang des Tunnels ein Fischbrötchen. Der Kiosk, ein Ableger der legendären Brücke 10 (drüben an den Landungsbrücken), hat bis 18 Uhr geöffnet. Bon Appétit!

Alter Elbtunnel / Google Maps

Die aktuelle Postkarte #51 vom Mini-Leuchtturm an der Bunthäuser Spitze in Wilhelmsburg könnt ihr Euch nun hier herunterladen! Allerliebste Grüße und ein riesiges Dankeschön für Euren Support!

Eure Frau Elbville

Achtung: Diese Postkarte darf nur für private Zwecke heruntergeladen werden. Eine Verwendung für kommerzielle Zwecke sowie die Veröffentlichung (z.B. auf sozialen Medien) bedarf meiner Erlaubnis.

 

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