Hamburg – heiter bis wolkig! Ein paar Tipps für jede Wetterlage
Wenn Regen das Konfetti des Himmels ist, dann ist Hamburg die reinste Party-Hochburg! Das könnte man angesichts der 11. Abo-Postkarte denken. Schon oft habe ich die Leute sagen hören: „Hamburg? Ist ja ganz schön – aber dieser ständige Regen…“ Ein weit verbreitetes Vorurteil! Denn das Klima in Hamburg ist nach neustem Erkenntnisstand gar nicht schmuddeliger als anderswo im Land. Im Gegenteil. Mit dieser Postkarte gibt es nicht nur Hamburg-Tipps für Schietwetter, sondern für jede Wetterlage.
FOTOS & TEXT Frau Elbville alias Susanne Krieg

Ganz schön viele Sonnenstunden!
Hamburg hat die Sonne nicht nur im Herzen. Erst im zurückliegenden Sommer 2020 waren Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Berlin UND Hamburg mit einer durchschnittlichen Sonnenscheindauer von jeweils 710 Stunden die sonnenreichsten Bundesländer in Deutschland. Am wenigsten schien die Sonne im Sommer 2020 mit 590 Stunden übrigens in Nordrhein-Westfalen. Wer hätte das gedacht? Und was macht man nun bei so viel Sonne? Zum Beispiel an den Elbstrand setzen, so wie die Damen und Herren oben im Bild. Einer der schönsten Abschnitte befindet sich zwischen dem Museumshafen und dem Alten Schweden, einem riesigen Findling am Ufer.
– Elbstrand zwischen Neumühlen und Altem Schweden: Google Maps

Darf man bei Hitze ein Bad in der Elbe nehmen?
- Die bakterielle Belastung des Wassers wird immer wieder überschritten – besonders nach starkem Regen. Ursache ist vor allem das Abwasser aus Hamburgs Sielnetz, das überläuft und in die Elbe schwappt.
- Große Gefahr geht von der starken (Unter-) Strömung und dem Schiffsverkehr aus. Der Schwell vorbeifahrender Containerriesen überspült den Strand oft mit mächtigen Wellen – meist erst viel später, nachdem ein Schiff vorbei gefahren ist. Ein nicht sichtbarer Sog kann Badende zur Strömung in die Fahrrinne ziehen. Dagegen kommen selbst gute Schwimmer*innen nicht an. ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀
Und doch sieht man am Strand immer wieder Menschen (darunter kleine Kinder), die ziemlich tief im Wasser sind… Erst vor Kurzem ist wieder ein 15-Jähriger vor Blankenese ertrunken. Mein Tipp: Geht zum Schwimmen lieber ins Finkenwerder Freibad – es liegt auf der anderen Seite der Elbe, ist bequem mit der HVV-Fähre zu erreichen. Und das Beste ist: Beim Schwimmen im Freiluftbecken hat man ebenfalls einen Blick auf Elbe und Pötte…
– Freibad Finkenwerder, Finksweg 82 / Website / Google Maps⠀
Walking in the Rain – als entspannender ASMR-Sound
Es gibt ein Wort, das Menschen beschreibt, die Regen schön finden: “pluviophil”. Auch ich mag Schietwetter. Laut offizieller Statistik wäre ich aber anscheinend in München besser aufgehoben: Dort ist die jährliche Niederschlagsmenge statistisch gesehen höher als hier. Tipps für Hamburg bei Schietwetter habe ich auf diesem Blog dennoch schon einige gegeben (z.B. hier und hier). Vorurteile müssen schließlich bedient werden… 😉 Was genau hinter meiner Vorliebe für Regen steckt? Vermutlich der Klang. Wenn Regen auf die Kapuze des Friesennerzes oder auf den Regenschirm pladdert, hört sich das in meinen Ohren toll an. Regen gehört tatsächlich zu den Geräuschen, die bei den meisten Personen eine Autonomous Sensory Meridian Response (abgekürzt ASMR) im Kopf auslösen und darum für Entspannung und Wohlbefinden sorgen. Vielen Menschen helfen ASMR-Geräusche darum auch beim Einschlafen. Es gibt für ASMR inzwischen viele Hörbücher – und natürlich auch zahlreiche YouTube-Kanäle wie etwa der von “Japan Potato”. Hier seht und hört ihr eines seiner Videos – ein Spaziergang durch Hamburg im Regen. Enjoy:
Hamburgs Katastrophenwinter
Als uns der Januar endlich mal wieder ein kurzes Schneeglück bescherte, stolperte ich im Homeoffice am Computer über Norddeutschlands Schneekatastrophe von 1978/79… Gefühlt waren die Winter ja früher ohnehin verschneiter. Aber 1978/79 war der helle Wahnsinn: Innerhalb kürzester Zeit fiel das Thermometer am 28. Dezember 1978 um 20 Grad! Es schneite 90 Stunden lang. Bis zu sechs Meter hoch türmten sich damals die Schneemassen. 30 Zentimeter dicke Eispanzer bildeten sich um Stromkabel. 100 Orte in Schleswig-Holstein waren tagelang von der Außenwelt abgeschnitten. Im Februar versank auch Hamburg in bis zu drei Meter hohen Schneeverwehungen. Kühlschränke, Lampen, Herde, Heizungen – nichts funktionierte mehr. Die Bundeswehr rückte mit Panzern aus, um die Bevölkerung notzuversorgen. Viele Hamburger*innen nutzen derweil die Chance, um auf Skiern durch die Parks zu gleiten. Auf der “Dammtor-Loipe” gibt Georg Thoma, Olympiasieger in der Nordischen Kombination, sogar Einführungen im Ski-Langlauf… Hier die Tagesschau vom 30.12.1978:
Ausstellungstipp: Heiter bis wolkig (FREELENS-Galerie, noch bis zum 12. August)
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Okay, in dieser Foto-Ausstellung geht es nicht ums Wetter, sondern um Emotionen – aber weil der Titel so gut passt, wollte ich hier zu guter Letzt noch auf sie aufmerksam machen: “Warum eine fotografische Arbeit über Deutschland? Und warum gerade jetzt? Als Anlässe dafür können zahlreiche ausufernde Debatten über abstrakte Begriffe wie Heimat, Leitkultur und sogenannte typisch deutsche Normen und Werte gelten. Was bedeuten diese reaktionär anmutenden Begriffe eigentlich für uns, fragten sich die drei Fotografen David Carreño Hansen, Sven Stolzenwald und Christian A. Werner und machten sich auf Reisen durch die Republik, um eine Antwort zu finden. Sie stellten fest, dass sie vor allem ein gemeinsames Gefühl zu Deutschland verbindet – die Hassliebe. Vieles in diesem Land nervt permanent und trotzdem kommt man nicht gänzlich ohne zurecht. Was wäre ein Leben ohne diese Reibung, die oft wahnsinnig macht, oft aber auch erheitert? Was also anderes tun, als zu schauen und einen gemeinsamen Nenner für Vergleiche zu suchen – den Alltag in Deutschland, das ganz Gewöhnliche oder noch treffender: den Superlativ des Banalen. Praktisch heißt das: den Golf oder Opel volltanken und los – nach Donaueschingen, Husum, Duisburg, Hoyerswerda und durch die mal sonnige, mal trübe Kulisse der Republik. Und immer den täglichen Blick auf den Wetterbericht und dazu ein allgegenwärtiges »Naja, muss ja!« als Durchhalteparole.”
– FREELENS Galerie, Alter Steinweg 15 / Website / Google Maps
So, das war’s für heute! Ich hoffe, die Postkarte hat Euch gefallen. Anfang August kommt die nächste!




