Hamburger Elb-Villen mit Geschichte (inkl. Download-Faltplan)
Jeder, der in Hamburg wohnt, hat so seine Lieblingsvillen entlang des Elbufers zwischen Altona und Blankenese. In den Elbvororten ließen sich viele reiche Kaufleute Landhäuser und Parks anlegen. Ist es das halbmondförmige Gebäude eines englischen Handelsherren oder die Säulenvilla des Zuckerfabrikanten, die Residenz mit Privattunnel oder doch eher das Klinkerschloss, dessen Besitzer hobbymäßig eine immer noch beliebte Hühnerrasse züchtete, die mit wenig Futter viele Eier legt? Dieser Beitrag inklusive Stadtplan zum Download und Ausdrucken hilft Euch bei der Suche: Er führt zu 16 besonderen Villen und erzählt ihre oftmals skurrilen Geschichten!
Diese zwei Seiten könnt Ihr herunterladen, ausdrucken, falten und in die Hosentasche stecken. Die 1. Seite zeigt einen Stadtplan, die 2. eine Liste mit den dazugehörigen Beschreibungen, Adressen & QR-Codes zur Google-Maps-Location. Alle 16 Spots werden auch in diesem Beitrag präsentiert.
1. Heine Haus & Villa Plang

“Schöne Wiege meiner Leiden” schrieb der Dichter Heinrich Heine (1791 – 1856) einst über Hamburg. Als Kaufmannslehrling holte sein Onkel, der Bankier Salomon Heine, den 18-Jährigen an die Elbe. Heinrich wohnte in der Villa des Onkels, die einst in einem Park zu Beginn der Elbchaussee stand, und verliebte sich unglücklich in seine Cousine. Die Villa gibt es nicht mehr, dafür aber noch Heines kleines, klassizistisches Gartenhaus. Auf dem Gelände steht heute ein neues Anwesen: die Plang’sche Villa, die früher von der Seefahrtsschule genutzt wurde.
Elbchaussee 31
2. Le Canard / GMP Architekten

Dieses Gebäude diente dem Stararchitekten Meinhard von Gerkan bis zu seinem Tod 2022 als Wohnhaus und ist bis heute Sitz des Architektenbüros Gerkan, Marg und Partner. Im 19. Jahrhundert befanden sich an diesem Ort viele Ausflugslokale wie z.B. das Restaurant “Elbschlucht”, das 1960 zu “Hartens Elbterrasse” wurde und für Gerkans Neubau abgerissen werden musste. Im Untergeschoss befindet heute das feine Restaurant “Le Canard” – der Zugang erfolgt über eine Stegkonstruktion mit dramatischer Aussicht auf den Hafen.
Elbchaussee 139
3. Villa Vorwerk

20 Zimmer, 5 Bäder, 725 Quadratmeter: In der ungewöhlichen Prachtvilla aus englischem Gelbklinker lebte ab 1898 Oscar Vorwerk. Hier ging der reiche Kaufmann einer besonderen Passion nach: der Hühnerzucht. Mehrere hundert Hühner soll er gehalten haben. 1912 präsentierte er das “Vorwerkhuhn” der Öffentlichkeit: goldenes Federkleid, schwarzer Kopf und Schwanz, viel Fleisch für den Kochtopf, hohe Legeleistung. Und noch heute gehört das Zuchthuhn von der Elbchaussee zu den beliebtesten Hühnerrassen Deutschlands.
Elbchaussee 151
4. Die weiße Säulenvilla

Die Villa oberhalb der Strandperle, um 1820 von einem Zuckerfabrikanten nach Vorbild eines Schlosses auf der Krim erbaut, war lange ein “Lost Place”. Der Erbe, Ralf-Rüdiger von Behren, wohnte in Monaco und hielt es nicht für nötig, das unter Denkmalschutz stehende Haus in Stand zu halten. Nach seinem Tod ließ seine ebenfalls in Monaco lebende Mutter das Anwesen immerhin streichen. Ansonsten steht es jedoch leer. Übrigens drehte Wim Wenders 1977 in der Villa mit Dennis Hopper einige Szenen für seinen Film „Der amerikanische Freund“.
Elbchaussee 186
5. Villa Toepfer

“Wenig hervortreten, mehr sein als scheinen” – nach dieser Devise lebte Alfred C. Toepfer (1894-1993), Inhaber eines der führenden Getreidehandelshäuser der Welt und großherziger Stifter. Auch die Villa an der Elbchaussee, die er für seine Eltern baute, ließ er scheinbar ganz in diesem Sinne errichten. Sie wirkt bescheiden, fast unscheinbar, wäre da nicht das fast schon exzentrische gelbe Muster in der Klinkermauer, die das Haus abschirmt. Von innen eine unveränderte Zeitkapsel, wird das Gebäude heute als Seminarzentrum genutzt.
Elbchaussee 195
6. Die Halbmond-Remise

Dieses zitronengelbe, halbmondförmige Haus war früher eigentlich keine Villa, sondern ein Stall und später eine Kutschen-Remise. Bauen lassen hatte es 1796 ein nach Hamburg ausgewanderter Engländer, der Großkaufmann John Thornton, nach Plänen des unter Nr. 13 nochmals erwähnten dänischen Architekten Christian Frederik Hansen. Das dazugehörige halbmondförmige Landhaus befand sich gegenüber, wurde jedoch 1913 abgerissen. 2018 wurde die Remise von der Reemtsma Stiftung restauriert und an eine Reederei vermietet.
Elbchaussee 228
7. Villa De Freitas

Hoch über dem einzigen FKK-Strand Hamburgs thront die “Villa de Freitas”, benannt nach ihrem Erbauer, dem Kaufmann Carlos Pedro de Freitas. 1904 zog er mit seiner Familie ein. Heute gehört das Anwesen dem Hamburger Immobilieninvestor und Profisegler Harm Müller-Spreer. Die beeindruckende Villa in Othmarschen ließ er vom britischen Starachitekten David Chipperfield restaurieren, nachdem er sie 2011 für 20 Millionen Euro kaufte – als Bruchbude. Es heißt, die Sanierung soll mindestens weitere 10 Millionen Euro gekostet haben.
Elbchaussee 239
8 Parkwärter-Haus am Kaisertor

Durch das “Kaisertor” fuhr einst schon Kaiser Wilhelm II. zum Jenisch Haus hinauf. Das Tor war ihm zu Ehren errichtet worden, weil er den Besitzer des Anwesens, Martin Rücker Jenisch, zum Baron und Freiherrn ernannt hatte. Im Häuschen neben dem Tor wohnte lange ein Wärter, um “hohe Gäste” angemessen begrüßen zu können. 1919 zogen der Gärtner Wilhelm Schmidt und die Köchin Elisabeth Schneider, beide bei der Familie Jenisch angestellt, ein. Die Tochter lebte bis zu ihrem Tod 2006 im Haus. Heute nutzt es der Verein “Freunde des Jenischparks e.V.”.
Holztwiete 25
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9. Jenisch Haus

Es begann mit einem Bauernhof, den der Kaufmann Caspar Voght 1785 am Elbhang erwarb und in eine riesige “ornamented farm” nach englischem Vorbild verwandelte. Dieser Landschaftsgarten gefiel Senator Martin Johann Jenisch so gut, dass er ihn 1828 Voght abkaufte und schließlich darin eine kubusförmige Sommerresidenz, extravagant und zugleich hanseatisch schlicht, errichtete. Diese ist heute eine Außenstelle des Museums für Hamburgische Geschichte – ein Blick in die herrschaftlichen Biedermeier-Säle der Jenischs ist für Villen-Fans ein Muss.
Baron-Voght-Str. 63
10. Landhaus Voght

In diesem Landhaus gründete der ewige Junggeselle und Kaufmann Caspar Voght 1816 die wohl erste WG Klein Flottbeks. Oft veranstaltete er abends mit den Mitbewohnern, seinem Geschäftspartner Georg Heinrich Sieveking, dessen Frau sowie dem Verleger Piter Poel samt Familie gesellige Abende, spielte Schach und trank Tee. Den von ihm nach einer “ornamented farm” gestalteten Jenisch Park nebenan hatte Voght zu diesem Zeitpunkt längst an Senator Jenisch verkauft. Heute befindet sich u.a. das Atelier der Künstlerin Antje Schönau im Haus.
Baron-Voght-Str. 63
11. Villa Engelbrecht

Was macht ein Panther vor der Türmchen-Villa? Als Gesche Engelbrecht, Bierbrauer-Gattin aus Elmshorn, das Haus 1890 bauen ließ, gab es das Raubtier noch nicht. Es tauchte erst mit der Witwe des Bildhauers Hans Ruwoldt (1891-1969) auf, der den Panther geschaffen hatte. Denn Frau Ruwoldt durfte nach dem Tod ihres Mannes in die Villa ziehen, da ihr altes Zuhause samt Atelier abgebrannt war. Allerdings handelt es sich inzwischen um eine Replik des Originals (das nun in Privatbesitz ist). Ein weiterer Abguss steht am Strafjustizgebäude bei Planten un Blomen.
Elbchaussee 354
12. Rudolf-Steiner-Schule

Seit 1952 ist diese Villa Sitz der Rudolf Steiner Schule Hamburg-Nienstedten. Zuvor lebte in dem im Jahr 1900 fertig gestellten Haus ein jüdischer Kaufmann und seine Familie. Nachdem James Ephraim 1931 starb, gelang es seiner Frau Jenny Ende der 1930er Jahre, aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Südamerika zu emigieren. Dafür hatte sie alle Immobilien verkaufen und 220.000 Reichsmark Judenvermögensabgabe, Reichs-fluchtsteuer und Auswandererabgabe an die Nazis zahlen müssen. Sie starb 1959 in Lima, Peru.
Elbchaussee 364
13. Landhaus Baur

Dieses Kleinod ist ein Paradebeispiel für den nüchtern-schönen Baustil des Architekten Christian Frederik Hansen. Der königlich dänische Landbaumeister war im ausgehenden 18. Jahrhundert in ganz Norddeutschland „en vogue”… 1804 entwarf er für den Bankier Johann Heinrich Baur das “Elbschlösschen”. Leider hatte Baur nicht lange Freude daran, er starb 1807 an einem mysteriösen Fieber. Die Villa gehörte bis 1995 zur “Elbschloss-Brauerei” nebenan. Als diese den Betrieb einstellte, rettete die Reemtsma Stiftung das Haus und machte es zu ihrem Verwaltungssitz.
Christian-F.-Hansen-Str. 19
14. Villa Schröder

Auf dem Parkgelände, auf dem sich heute der Internationale Seegerichtshof befindet, lebte der Kaufmann Rudolph Freiherr von Schröder ab Ende des 19. Jahrhunderts in dieser prächtigen Villa. Kurios: Er ließ damals auch einen privaten Tunnel bauen, um mit Gästen von seinem Haus unbehelligt unter der Elbchaussee zum Strand zu gelangen. 1984 wurde der lange vergessene Tunnel (Eingang: Elbchaussee / Ecke Elbschloss-straße) der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Man kommt am Imbiss „Kleine Rast an der Elbe“ aus.
Am Internationalen Seegerichtshof 1
15. Hotelrestaurant Louis C. Jacob

Die Terrasse des Louis C. Jacob mit Blick auf die Elbe (und Airbus) wurde schon von Liebermann verewigt. Erstmals als Wirtschaft betrieben wurde das Haus 1780. Der damalige Besitzer liebte es, Schiffe mit einer selbstgebastelten Kanone zu begrüßen. 1789 böllerte er sich jedoch versehentlich selbst in die Luft und seine Frau heiratete den vor der Revolution geflohenen französischen Landschaftsgärtner Daniel Louis Jacob. Dieser legte schließlich die berühmte Lindenterrasse an – auf der man immer noch die verheerende Unfall-Kanone besichtigen kann.
Elbchaussee 401-403
16. Landhaus Godeffroy

In dieser Villa im Hirschpark befindet sich die Tanzschule “Lola Rogge”. Früher lebte darin ein Kaufmann, der sein Geld im Süd-seehandel verdiente und koloniale Pläne hegte: Cesar Godeffroy galt als einer der reichsten Männer seiner Zeit, bevor er Ende des 19. Jahrhunderts Pleite ging. Bis dahin leistete er sich ein eigenes Museum und schickte Naturforscher in alle Welt, um Artefakte zu sammeln, u.a. lieferte ihm Amalie Dietrich ab 1852 aus Australien nicht nur Pflanzen und Tiere, sondern leider auch menschliche Schädel, Skelette und die Haut eines Aborigines.
Elbchaussee 499
Alle Villen in Google Maps:
Wissenswert:
Über gut neun Kilometer zieht sich der einstige Kutschenweg entlang der Elbe von Altona über die Elbvororte bis nach Blankenese. Zu empfehlen ist, die Elbchaussee per Fahrrad ent-lang zu radeln. Allerdings kann sie morgens und abends durch Berufsverkehr ganz schön befahren sein. Es gilt, solche Stoßzeiten zu meiden. Bei schönem Wetter am Wochenende muss man vor allem auf Spaziergänger achten, die dann in Horden zum Elbstrand pilgern und ihre Autos gern an der Elbchausee parken.



