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Versteckte Hinterhöfe & Passagen: 16 Entdecker-Tipps (inkl. Download-Faltplan)

Wer unter Torbögen und durch alte Passagen läuft, steht in Hamburg manchmal ganz unverhofft in paradiesischen, spannenden oder verwunschenen Höfen. Ein Besuch lohnt nicht nur, weil es sich meist um fotogene Orte handelt. Fast immer verbergen sich hinter den Fassaden auch interessante Geschichten. Dieser Beitrag (inkl. Stadtplan und Postkarte zum Download) führt zu verborgenen Welten, in denen es viel zu entdecken gibt.

Diese beiden Seiten könnt Ihr herunterladen, auf A3 oder A4 ausdrucken, falten und in die Hosentasche stecken. Die 1. Seite zeigt einen Stadtplan, die 2. eine Liste mit den dazugehörigen Beschreibungen, Adressen & QR-Codes zur Google-Maps-Location. Alle 16 Spots werden auch in diesem Beitrag präsentiert.

1 Pickhuben

Im Pickhuben führt ein Torbogen in einen Hof mit Balkon und hübschem Blick über den Fleet. Doch auch der Blick nach oben ist ein Foto wert. Was aber verbirgt sich hinter dem eigen-tümlichen Namen „Pickhuben“? Zum einen könnten damit Pechhauben gemeint sein, die darauf hinweisen, dass hier einst zum Tode Verurteilten der Kopf mit Pech bestrichen worden ist. Einer anderen Auslegung zufolge könnte sich der Name aber auch auf Pechhaufen beziehen und andeuten, dass an diesem Ort einst Pech gelagert wurde, mit dem man Schiffe kalfaterte.

Pickhuben 4

 

2 Sprinkenhof

Mit seinen 52.000 Quadratmetern war der Sprinkenhof zu seiner Entstehungszeit in den 1920er Jahren einst das größte Kontorhaus Europas. Als er zusammen mit dem Chile- und Ballinhaus im Kontorhausviertel entstand, sind sich viele Hamburger:innen sicher wie in Fritz Langs Film „Metropolis“ vorgekommen, so futuristisch muss er damals gewirkt haben. Vor allem der Innenhof des Gebäudes raubt einem den Atem mit seinem geometrischen Backsteinmuster, das an einen Strickpullover mit aufgenähten Knöpfen erinnert.

Burchardstraße 8

 

3 Chilehaus

Die Ikone unter den Hamburger Backstein-Bauten, das Chilehaus, 1924 nach Plänen von Fritz Höger fertiggestellt, trumpft gleich mit mehreren interessanten Innenhöfen auf. Das aus 4,8 Millionen Bockhorner Klinkern erbaute Gebäude in der Form eines mächtigen Passagierschiffes wartet in seiner Mitte mit einem rechteckigen Hof sowie in den linken und rechten Gebäudehälften mit jeweils einem asymetrischen Innenhof. Letztere lassen sich teilweise auch gut aus den Fenstern der Treppenhäuser bewundern.

Fischertwiete

 

4 Afrikahaus

Die Elefanten in diesem Hof erinnern an den Kaufmann Adolph Woermann (1847-1911), der u.a. mit fragwürdigem Tauschhandel Reichtümer anhäufte: Er machte Einheimische an der Westküste Afrikas alkoholabhängig, damit sie ihm für billigen Schnaps Elfenbein, Kautschuk und Palmöl lieferten. Zudem beförderten Woermanns Schiffe während des Völkermordes an den Herero fast den gesamten Nachschub an Truppen, Ausrüstung und Pferden von Deutschland nach Afrika. Eine Bronzestatue am Hof-Eingang zeigt einen afrikanischen Wahehe-Krieger.

Große Reichenstraße 27

 

5 Mellinpassage

Fast jeder kennt die Alsterarkaden und ihren Säulengang mit Blick auf das Rathaus, der irgendwie an Venedig erinnert. Doch wer ist auch schon einmal durch die Mellin-Passage gegangen, ein von Läden gesäumter Tunnel, der die Alsterarkaden wie ein Geheimgang mit dem Neuen Wall verbindet? Jugendstildekor, Engelsköpfe und Fresken der Jahrhundertwende – die Passage, gehört zu den wohl überraschendsten Orten der Innenstadt und könnte glatt als die Hamburgische Variante der Winkelgasse durchgehen, in der Harry Potter seinen Zauberstab kauft.

Neuer Wall 11

 

6 Stadthöfe

An der Stadthausbrücke steht ein Gebäudeensemble, das an die „Hackeschen Höfe“ in Berlin erinnert. Und wenn man heute so durch die sechs miteinander verbundenen Innenhöfe flaniert, fällt es schwer, zu glauben, dass sich hier einst auch das Haupt-quartier der Gestapo und ein Folterkeller befanden. Im Zuge der Sanierung ist eine Gedenkstätte entstanden, zu der auch die „Seufzerbrücke” gehört: ein Kellergang, durch den Häftlinge in Verhörräume geprügelt wurden und in dem man heute den Berichten von Zeitzeugen über Kopfhörer zuhören kann.

Stadthausbrücke 4

 

7 Peterstraße

Eine kleine Passage in der Peterstraße führt zurück ins 17. Jahr-hundert – in einen Innenhof, der umgeben ist von Fachwerkhäu-sern. Dieser Gebäudetypus ist Anfang des 20. Jahrhunderts wegen unhygienischer Wohnverhältnisse und wiederkehrender Epidemien flächendeckend abgerissen worden. Und selbst wenn die heutigen Häuser keine Originale sind, sondern detail-getreu nachgebaut, vermitteln sie einen Eindruck davon, wie es einst in Hamburgs “Gängevierteln” ausgesehen hat. Zum Glück jedoch ganz ohne Schmutz und Seuchengefahr!

Peterstraße 35

 

8 Schier’s Passage

Die Schier’s Passage führt mitten ins „Gängeviertel“ zwischen Valentinskamp und Speckstraße. Heute darf die genossen-schaftliche Initiative “Komm in die Gänge” die Enklave aus ehemaligen kleinen Fabrikgebäuden, Altbauten und Streetart kulturell und künstlerisch nutzen. Der Namensgeber der Schier’s Passage war ein Holz- und Mobilienhändler namens Ludwig Schier, der im 19. Jahrhundert ein Haus im Innenhof nutzte. In weiteren Gebäuden fanden sich damals u.a. Schuster- und Glaserwerkstätten, eine Schlachterei und ein Drechsler.

Valentinskamp 38

 

9 Alte Oberpostdirektion

In Nachbarschaft zu Hamburgs grüner Lunge Planten un Blomen befindet sich die altehrwürdige Oberpostdirektion. Die Post ist inzwischen aus dem Gebäude ausgezogen. Dafür hat hier nun u.a. das Dermatologikum, eine private Hautklinik, ihren Sitz. Wer einmal quer durch das Hauptgebäude läuft, vorbei an Apotheke und Café, steht in einem wunderschönen, mit Glas überdachten Innenhof, der umgeben ist von kunstvollen Backsteinmauern. Gut möglich, dass hier früher einmal Postkutschen ein- und ausfuhren …

Stephansplatz 3

 

10 Becker’s Passage

Im 19. Jahrnundert befanden sich in vielen Hinterhöfen Ham-burgs so genannte Terrassenwohnanlagen, „Terraced Houses“, die aus englischen Arbeiterstädten übernommen wurden. Sie hatten nichts mit Terrassen zu tun, wie wir sie heute kennen. Vielmehr handelte es sich um den ersten sozialen Wohnungsbau in einer Zeit, in der die Menschen in die Städte drängten, um dort zu arbeiten. Auch die Becker’s Passage birgt noch solche Behausungen. Im ruhigeren Teil von St. Pauli verbindet sie die Clemens-Schulz-Straße mit der Simon-von-Utrecht-Straße.

Clemens-Schultz-Straße 35

 

11 Jäger-Passage

Die Jägerpassage (mit gleich zwei Eingängen) in der Wohlwill-straße auf St. Pauli, errichtet 1866, ist Hamburgs ältestes noch erhaltenes Beispiel für sozialen Wohnungsbau, in dem früher kinderreiche Arbeiterfamilien lebten. Fun Fact: Hier machte der Hamburger Fotograf Jürgen Vollmer 1961 ein berühmtes Foto. Darauf ein damals noch unbekannter John Lennon, der in einem der Hauseingänge lehnt, während Paul McCartney und Stuart Sutcliffe geisterhaft durchs Bild huschen. John Lennon wählte es 1975 als Cover für sein Album “Rock’n’Roll” aus.

Wohlwillstraße 22-26

 

12 Vergissmeinnicht

Wer durch die Ottenser Hauptstraße flaniert, wähnt sich in einem alternativen Shopping-Paradies. So viele hübsche Schau-fenster und Läden! Und wer neugierig in die pittoresken Hinter-höfe abbiegt, findet sogar noch mehr! Wenn man beispielsweise unter einem Torborgen in der Mitte der Straße hindurchläuft, entdeckt man ein altes kleines Fabrikgebäude, in dem sich inzwi-schen ein Laden für nostalgisch angehauchtes Lieblings-spielzeug, Kinderkleidung und Schuhe befindet. Betritt man ihn, ertönt nicht selten der Satz: “Mama, krieg’ ich das?”

Ottenser Hauptstraße 44

 

13 Der Seemann

Wenn man in der meist trubeligen Sternschanze zunächst von der Hauptverkehrsader, dem Schulterblatt, in die Juliusstraße abbiegt und dann am Café unter den Linden rechts in die Lippmannstraße läuft, gelangt man in einen ruhigen Hinterhof (Eingang: zwischen Hausnummer 57 und 69), in dem man plötzlich vor einem der schönsten Graffiti-Kunstwerke der Stadt steht: einem pfeiferauchenden, alten Seebären mit einem mindestens ebenso alten iPod in der Hand. An die Wand gebracht haben ihn Innerfields, ein Berliner Künstlertrio.

Lippmannstraße 57

 

14 Pianoforte Fabrik

Über einer Hofeinfahrt am Schulterblatt prangen in alten Let-tern die Worte “Pianoforte Fabrik”, im Hof dahinter wurden einst Steinway-Flügel gebaut. Der Besitzer der ursprünglich in New York gegründeten Firma Steinway & Sons, der deutsche Flügelbauer Heinrich Engelhard Steinweg, war 1850 von Ham-burg aus nach Amerika emigriert und hatte als deutsche Nie-derlassung die Elbmetropole auserkoren. Hier existiert sie bis heute – allerdings ist sie inzwischen nach Bahrenfeld umgezo-gen. Am Schulterblatt arbeiten nun Kreative in schicken Büros.

Schulterblatt 58

 

15 Falkenried-Terrassen

Unweit vom Eppendorfer Baum verlaufen mehrere parallele Hinterhöfe mit wunderschönen Gärten. Gehegt und gepflegt werden sie von Mitgliedern einer Genossenschaft, der die umlie-genden Wohnungen gehören. Die Falkenried-Terrassen sind Teil eines Quartiers in Hoheluft-Ost, das Ende des 19. Jahrhunderts für Arbeiter mit kinderreichen Familien entstand, die ganz in der Nähe bei der Straßen-Eisenbahngesellschaft beschäftigt waren. Die Wege durch die Gärten sind schmal, man sollte sich daher unbedingt leise und respektvoll durch diesen Ort bewegen.

Falkenried 26-30

 

16 Das 7. Zimmer

Ganz unverhofft steht man in Eppendorf vor einer kleinen grünen Flucht, wenn man von der Hegestraße unter einem Torbogen hindurch in einen verwunschenen Innenhof abbiegt. Hier befand sich einst eine Brotfabrik. Der Laden, um den es heute so prächtig wuchert, nennt sich “Das 7. Zimmer” – und ein Besuch fühlt sich an wie ein Samstag auf dem Flohmarkt. Hier warten allerlei Vintage-Schätze darauf, gehoben zu werden. Kaufen kann man hier vor allem “Brocante”, also französisch angehauchten Trödel und Antiquitäten. Oh, comme c’est beau!

Hegestraße 28a

 

Kleiner Hinterhof-Knigge

1. Betrete einen Hinterhof nur, wenn das dazu gehörige Tor auch wirklich offen steht.

2. Verhalte dich leise und unauffällig. In vielen Höfen leben Menschen, die sich durch deinen Besuch nicht gestört fühlen sollten.

3. Halte dich nicht unnötig lange vor Erdgeschoss-Fenstern auf oder versuche einen Blick in Wohnungen zu erheischen.

Faustregel: Stelle dir vor, du würdest selbst im Hinterhof leben und verhalte dich so, wie du es von Besucher:innen erwarten würdest.

 

Alle Hinterhöfe und Passagen in Google Maps

Achtung: Diese Postkarte darf nur für private Zwecke heruntergeladen werden. Eine Verwendung für kommerzielle Zwecke sowie die Veröffentlichung (z.B. auf sozialen Medien) bedarf meiner Erlaubnis. Danke für Euer Verständnis.

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