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Möwen, Aale, Hafenkräne: Tipps & Fakten rund um den Hamburger Fischmarkt

Möwen, die Elbe, das Dock, Hafenkräne… Der Fischmarkt ist ein echter Hamburger Klassiker – und hier erfahrt Ihr, was ihn zu einem meiner Lieblingsorte macht. Ich verrate Euch, mit welchem Spruch Aale-Dieter bei mir gepunktet hat, was Ihr hier nicht verpassen solltet und warum der Marktplatz an der Elbe lange ein Schlachtfeld der Fischköppe war…

Frau Elbvilles Postkartenabo Nr. 1 (9/20)

Bevor Ihr diese Tipps lest, hier der Hinweis, dass Ihr Euch am Ende des Beitrags die aktuelle Postkarte herunterladen könnt. Abonnenten des Paket M bekommen die Karte neben dem digitalen Download in dreifacher Ausführung „analog“ zugeschickt!

ⓒ  Frank Schwichtenberg – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=32458452

Ein bisschen Historie zum Fischmarkt:

Die Franzosen führten den “Krieg der Knöpfe”, die Engländer die “Rosenkriege”, ferne Galaxien den “Krieg der Sterne” –  tja, und die Hamburger den “Krieg der Fischköppe”. Genauer gesagt, nicht nur die Hamburger, sondern auch die damals noch dänischen Bewohner Altonas. Im 19. Jahrhundert zankten sich die beiden noch eigenständigen Städte nämlich darum, wer mehr Fisch fangen und verkaufen durfte. Ich liebe historische Aufnahmen von Hamburg. Und zum Glück habe ich diese hier vom Fischmarkt in Altona gefunden. Schau Dir bitte auch mal die Frau genau in der der Mitte an – ich glaube, sie wollte nicht auf’s Bild und schimpft grad auf den Fotografen… Hihi.

Quelle: Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Creative Commons

Die Altonaer veranstalteten ihren Fischmarkt jedenfalls schon seit 1703 genau an jenem Standort, der heute immer noch zu den größten Attraktionen der Stadt zählt: direkt am Ufer der Elbe an der Großen Bergstraße 9. 1861 zog der Fischmarkt der Hamburger Nachbarn um, von der Innenstadt nach St. Pauli hinunter an die Hafenkante – und zwar nur einen “Möwenschiß” von den Altonaern entfernt, um sie besser beobachten zu können.  Vom Zank um den Fisch erzählen übrigens auch die Skulpturen des Stuhlmannbrunnens vor dem Altonaer Museum (Google Maps). In dieser Momentaufnahme liegt Altona in Führung – aber irgendwie ist das ja auch Auslegungssache… 

Beide Märkte rückten sich also mißtrauisch immer weiter auf die Pelle, bis es Altona zu bunt wurde.1894 setzte es den Hamburgern einfach eine richtig beeindruckende Fischauktionshalle direkt vor die Nase. Diese überlebte schließlich das Pendant, das nebenan errichtet wurde. In beiden revolutionierte man aber den Fischhandel: Nach englischem Vorbild begannen die Altonaer und Hamburger hier nämlich, ihren Fisch zu versteigern. 

Quelle: Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Creative Commons

Versteigerungen gibt es bis heute auf dem Fischmarkt – allerdings geht es dabei nicht mehr nur um Fisch, sondern um alles mögliche wie z.B. Gemüse, Bananen, Topfpflanzen etc., wie man in diesem amüsanten Video sehen kann:

Aale-Dieter ist dabei seit 60 Jahren der ungekrönte König unter den Marktschreiern, sprich: der mit der größten Klappe und den besten Sprüchen (mein Lieblingsspruch von ihm: “Iss `n Aal, dann wirst Du zur Rakete!”). Letztes Jahr wurde er für seine durchaus unterhaltsamen Sabbel-Shows, mit denen er schon viele Besucher angelockt hat, sogar von der Stadt Hamburg geehrt. Die Leute lieben Aale-Dieter einfach, wie dieses Video beweist:

Tipps zum Besuch des Fischmarkts:

Einmal im Leben solltest Du es getan haben: In aller Herrgottsfrühe am Sonntag um 5 Uhr morgens (im Winter um 7 Uhr) an die Hafenkante gehen und das Spektakel auf dem Hamburger Fischmarkt beobachten. Mir ist es dabei immer leichter gefallen, einfach eine Nacht auf St. Pauli durchzumachen und im Anschluss auf den Markt zu gehen, statt so früh aus dem Bett zu rollen. Aber Achtung: Schon um 9:30 Uhr werden die Stände wieder abgebaut – was auf ein Gesetz aus dem Jahr 1703 zurück geht, das verhindern wollte, dass die Fischer den Gottesdienst verpassten. 

Versuche unbedingt, mit der HVV-Fähre zum Fischmarkt zu fahren!

Ein Besuch am Fischmarkt lohnt immer – natürlich auch unter der Woche! Besonders die Morgenstunden sind herrlich, wenn die Möwen kreischen, eine frische Brise Dir den Kopf durchpustet und die Kräne im Terminal gegenüber leuchten. Du solltest definitiv per Schiff z.B. von den Landungsbrücken aus kommen: Die Fähren des Hamburger Verkehrsverbundes kosten nicht viel und halten direkt vor der Fischauktionshalle.

Du hast die Wahl zwischen zwei Linien: der 61 (Landungsbrücken – Altona (Fischmarkt) – Dockland – Waltershof-Neuhof und zurück; oder der 62 (Landungsbrücken, Altona (Fischmarkt) – Dockland -Neumühlen – Bubendeyufer-Finkenwerder und zurück. Hier findest Du die genauen Fahrpläne. Direkt auf dem Anleger-Ponton gibt es seit neustem auch eine tolle Bar, das “Liberté”! In diesem Blogbeitrag erfährst Du mehr über sie.

Wo Du ein richtig tolles Foto von der Fischauktionshalle machen kannst?

Und hier noch ein Insider-Tipp für Fotografen: Für ein besonders schönes Bild von oben solltest Du ins Stilwerk gehen, einer Art Designcenter auf mehreren Stockwerken, das sich an der Großen Elbstraße direkt am Fischmarkt befindet. Wenn Du die Treppe benutzt statt den Fahrstuhl bekommst du aus den Fenstern in den oberen Stockwerken  des Treppenhauses diesen Blick:

… und zu guter Letzt: Warum heißen Möwen in Hamburg eigentlich “Emmas”?

Der Fischmarkt ist ein Ort der Möwen, denn dort finden sie immer etwas zu futtern. Manchmal muss man richtig aufpassen, dass sie Dir nicht das Franzbrötchen aus der Hand reißen. Man hört hier häufig, dass die Leute von “Emmas” reden, wenn sie von Möwen sprechen. Woher das kommt? Der Name geht auf ein altes Gedicht von Christian Morgenstern zurück, und das geht so:

Hier kannst Du die aktuelle Postkarte sowie alle anderen Postkarten herunterladen:

 

PS: Bitte beachte, dass das Verwenden und Vervielfältigen der Karten für kommerzielle Zwecke nicht gestattet ist, sondern einer zusätzlichen Genehmigung der Urheberin Frau Elbville aka Susanne Krieg bedarf.  

So, das war’s erst mal für heute! Ich hoffe, meine Postkarte hat Euch gefallen und Ihr freut Euch schon auf die nächste. Ahoi und bis bald!

 

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