Unterirdisch gut: Hamburgs spannendste Bunker, Keller, Tunnel und Röhren (inkl. Download-Stadtplan)
Unter Hamburg verbirgt sich eine zweite Stadt: ein geheimnisvolles Reich aus vergessenen Tunneln, Kellern, gewaltigen Bunkern, und Röhren. Manche dieser Orte erzählen von dunklen Kapiteln der Stadtgeschichte, andere von technischem Pioniergeist, kuriosen Ideen oder dem ganz normalen Leben unter der Erde. Für diesen Stadtplan habe ich 16 außergewöhnliche Orte zusammengetragen, an denen Ihr Hamburg von seiner unterirdischen Seite kennenlernen könnt. Also: Augen auf, Neugier an und abtauchen in Hamburgs Unterwelt!
Einfach auf die Karte klicken, herunterladen und auf A4 ausdrucken! Weiter unten findet Ihr eine Online-Übersichtskarte auf Google-Maps!
1. Bunkermuseum Hamburg

Wie fühlte es sich an, während eines Bombenangriffes in einem Bunker auszuharren? Das Bunkermuseum Hamm vermittelt einen beklemmenden Eindruck davon. Bis zu 200 Menschen drängten sich einst in die vier schmalen Betonröhren, die 1940/41 tief in der Erde angelegt wurden. Heute erzählen nachgebautes Mobiliar, historische Exponate und persönliche Erinnerungsstücke vom Alltag im Luftschutzbunker und den verheerenden Luftangriffen auf Hamburg 1943. Geöffnet: Do. 10–12 und 15–18 Uhr (Einlass bis 17.15 Uhr).
Wichernsweg 16 / Website
2. Tiefbunker am Berliner Tor

Tief unter dem Berliner Tor verbirgt sich ein dreigeschossiger Rundbunker, in dem während der Bombennacht im Juli 1943 rund 800 Menschen Schutz fanden. Im Kalten Krieg wurde er zum Atombunker umgerüstet, der 450 Menschen vor einem Atomangriff schützen sollte. Wie hätte das funktioniert? Und wie sah das Leben unter der Erde aus? Der Verein „unter hamburg“ nimmt Neugierige mit auf eine spannende Zeitreise durch das unterirdische Bauwerk. Führungen: 120–180 Min., Termine und Anmeldung hier.
Berlinertordamm / Ecke Borgfelder Allee 3
3. Tiefbunker Steintorwall

Auch direkt neben dem Hauptbahnhof verbirgt sich eine unter-irdische Welt: Hinter bis zu 3,75 Meter dicken Betonwänden bot der Tiefbunker Steintorwall im 2. Weltkrieg Schutz für 2.460 Menschen. Im Kalten Krieg wurde er ebenfalls zum Atom-bunker umgerüstet. Heute führen die „Hamburger Unterwelten“ durch die langen Gänge und mehr als 150 Räume der dreistöck-igen Anlage. Dabei gibt es jede Menge Relikte aus beiden Epochen zu entdecken. Führungen: ca. 100 Min., Termine und Buchung hier!
Steintorwall
4. Eisbaron Bischofsburg

Ein Eis zwischen Hamburgs ältesten Ausgrabungen schlecken? Das geht direkt gegenüber der Petrikirche! Dort schlummert unter einem Eiscafé ein archäologischer Schatz: das mächtige, ringförmige Fundament eines Turms aus dem 12. Jahrhundert. Lange hielt man es für die Burg eines Bischofs, heute vermutet man hier Hamburgs ältestes Stadttor. Eine Ausstellung entführt in die Frühzeit der Hansestadt. Und wer danach Lust auf eine kleine Eiszeit hat, muss nur die Treppe wieder nach oben laufen! Geöffnet: Mo.–Sa. 11–18 Uhr
Speersort 10 / Website
5. Mahnmal “Verhörzelle”

Ein Denkmal, das man fast übersehen könnte, an dem man nicht aufblickt, sondern für das man sich bücken muss: Mitten auf einem Gehweg in Eppendorf verbirgt sich unter einer Panzerglasscheibe eine kleine, in den Boden eingelassene Stahlkammer. Der Künstler Gerd Stange schuf diese ungewöhnliche „Verhörzelle“ 1990, mit der er an die Geschwister Scholl und die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ erinnert, für die sich auch in Hamburg ein unabhängiger Zweig gegründet hatte.
Lokstedter Weg / Ecke Geschwister-Scholl-Straße
6. Hamburgs Rohrpost

Post mit 58 km/h durch den Hamburger Untergrund jagen? Was nach Science-Fiction klingt, war in den 1960er-Jahren tatsächlich Realität! Damals ließ die Bundespost Briefe in riesigen Büchsen per Druckluft durch 45 Zentimeter dicke Rohre von Postamt zu Postamt sausen. Doch das ehrgeizige Projekt erwies sich als zu teuer und wurde 1976 eingestellt. Ein kurioses Relikt dieser Zeit könnt Ihr noch heute entdecken: Unter der Graskellerbrücke sind mehrere mächtige (Mantel-)Rohre zu sehen, die für den Ausbau vorgesehen waren – aber dann nie zum Einsatz kamen!
Unter der Graskellerbrücke
7. Geschichtsort Stadthaus: Seufzergang

Der Name lässt bereits erahnen, welche Schrecken sich in diesem Tunnel einst abspielten: Der „Seufzergang“ in den heutigen Stadthöfen führte während der NS-Zeit von den Arrestzellen zu den Verhörräumen der Gestapo. Hier wurden Gefangene zu Verhören gebracht, bei denen sie häufig misshandelt und gefoltert wurden. Wer an der Glastür klingelt, wird in den historischen Verbindungsgang über das Bleichenfleet gelassen. Heute kann man sich hier an einer Hörstation die erschütternden Erinnerungen ehemaliger Gefangener anhören.
Stadthausbrücke 6 (Mo.–Sa. 10–17 Uhr, Eintritt frei)
8. Siel-Einsteigehäuschen

Ein Ankleidezimmer für den Kaiser – mitten in der Kanalisation? Am Vorsetzen steht ein interessantes Häuschen, das einst Kaiser Wilhelm II. einen standesgemäßen Abstieg in Hamburgs Unterwelt ermöglichen sollte. Der Monarch wollte das 1904 fertiggestellte Kuhmühlen-Stammsiel per Boot erkunden und benötigte dafür eine Umkleide. Die gab’s – mit glasierten Fliesen und einem schmalen Treppenhaus! Zu besonderen Anlässen wie dem Tag des offenen Denkmals kann man das kuriose Bauwerk auch von innen besichtigen.
Vorsetzen, nahe U-Bahnhof Baumwall
9. Bismarck-Denkmal

Dass der steinerne Bismarck innen hohl ist, ahnen wohl die wenigsten! Tatsächlich verbirgt sich unter dem 34 Meter hohen Koloss ein geheimnisvolles Gewölbesystem mit acht Räumen, das die Nationalsozialisten zum Luftschutzbunker ausbauten. Bis heute zeugen monumentale Wandmalereien, Reichsadler und NS-Symbole von dieser Zeit. Leider bleibt das Innere vorerst verschlossen. Doch der Verein „unter hamburg“ ermöglicht unter diesem Link einen faszinierenden virtuellen Rundgang durch Bismarcks Unterbau!
Seewartenstraße 4, Alter Elbpark
10. Mojo Club

Einen Club, der abends einfach aus dem Boden auftaucht, gibt’s wohl nur auf St. Pauli! Vor den Tanzenden Türmen öffnen sich abends zwei tonnenschwere Klappen im Gehweg und geben eine Treppe frei, die 46 Stufen hinab in Hamburgs Unterwelt führt. Dort verbirgt sich der legendäre Mojo Club, der 2013 sein unterirdisches Comeback feierte. Ein architektonisches Schmuckstück mit geschwungenen Emporen, rohem Beton und warmem Holz – und jeder Menge Jazz, Soul und Hip-Hop. Schon der Eingang ist eine Show!
Reeperbahn 1, St. Pauli, Programm: mojo.de
11. Alter Elbtunnel

Dieser Klassiker darf nicht fehlen: 24 Meter unter der Elbe wartet eines der schönsten Beispiele Hamburger Ingenieurskunst auf Euch! Seit 1911 verbindet der Alte Elbtunnel die Landungsbrücken mit Steinwerder. Seit Kurzem erstrahlt er – frisch saniert- in neuem Glanz. Zwei gekachelte Röhren, historische Aufzüge und schmuckvolle Keramikreliefs machen den Spaziergang unter dem Fluss zu einer kleinen Zeitreise. Und wer am anderen Ende wieder auftaucht, wird mit einem der schönsten Panoramablicke auf Hamburgs Skyline belohnt!
Bei den St. Pauli-Landungsbrücken 7
12. Boxkeller “Zur Ritze”

Hier gibt’s nicht nur was Hartes für die Leber, sondern auch eins auf die Zwölf! Wer die legendäre Kiezkneipe „Zur Ritze“ durch die gespreizten Damenbeine betritt, ahnt kaum, was sich unter der Theke verbirgt: ein echter Boxring! In der ehemaligen Tiefgarage trainierten schon Schwergewichte wie Henry Maske, Dariusz Michalczewski und die Klitschko-Brüder. Auch heute fliegen hier noch die Fäuste. Wer einen Blick in den legendären Boxkeller werfen möchte, fragt einfach am Tresen nach! Keine Angst, die hauen nicht!
Reeperbahn 140 (Hinterhof)
13. Bunker Reeperbahn

Kaum zu glauben: Aber mitten unter der Reeperbahn gibt’s noch einen Bunker! Die 1979 eröffnete S-Bahn-Station ist zugleich einer der größten Atombunker Hamburgs! Im Ernstfall sollten hier 4.500 Menschen zwei Wochen lang überleben können – mit Feldbetten auf den Bahnsteigen und S-Bahn-Waggons als Aufenthaltsräumen. Hinter einer unscheinbaren Tür verbergen sich noch heute Panzertüren, Duschen, eine Krankenstation und ein Tiefbrunnen. Besichtigen kann man den Bunker leider nicht. Doch ein Blick auf die Lüftungstürme am Eingang lohnt sich.
S-Bahnhof Reeperbahn
14. Schellfischtunnel

Hier ist der Name Programm: Durch den fast einen Kilometer langen Schellfischtunnel ratterten einst Güterzüge voller fangfrischem Fisch! Seit 1876 verband die unterirdische Bahnstrecke durch den Geesthang den Hafen mit dem weiter oben liegenden Altonaer Bahnhof. 1992 war Schluss – seither schlummert der Tunnel samt alten Gleisen unter Altonas Straßen. Wer Lust auf ein echtes Unterwelt-Abenteuer hat, kann den sonst verschlossenen Lost Place bei Führungen der „Hamburger Unterwelten“ erkunden. Taschenlampe nicht vergessen!
Eingang Nordportal hinter Elbbergcampus, Elbberg 6a
15. Fischmarkt (Großmarkt)

Vergesst den Touristen-Fischmarkt am Sonntagmorgen! Der „echte“ Hamburger Fischmarkt erwacht mitten in der Nacht zwischen Montag und Freitag zum Leben – in einer langen Röhre an der Großen Elbstraße. Ab etwa 2 Uhr werden hier Fischhändler und Gastronomen mit fangfrischer Ware beliefert. Riesige Steinbutte auf Eisbergen, Männer in Gummistiefeln, Neonlicht, Wasserschläuche und Möwengeschrei: eine faszinierende Parallelwelt voller Hafenromantik und rauem Charme. Früh aufstehen lohnt sich!
Eingang: Van-der-Smissen-Straße
16. Fink II U-Boot-Bunker

Wo einst U-Boote für den Krieg gebaut wurden, erinnern heute nur noch gewaltige Betonreste an ein düsteres Kapitel Hamburger Geschichte. Der U-Boot-Bunker „Fink II“ entstand ab 1941 auf der Elbinsel Finkenwerder und bot Platz für bis zu fünf U-Boote. Kurz vor Kriegsende wurde er bei Luftangriffen schwer beschädigt, später gesprengt und zugeschüttet. Heute gibt eine eindrucksvolle Gedenkstätte Infos zu dem einstigen Beton-koloss, der hier noch aus dem Wasser ragt – und erinnert auch an die Zwangsarbeiter, die ihn errichten mussten.
Rüschweg 28 / Website
Alle Orte auf einen Blick
Unter diesem Link findet Ihr weitere thematische Stadtpläne zum Ausdrucken!
Hier gibt’s die aktuelle Download-Postkarte mit dem Siel-Einsteigehäuschen, das ich Euch in der Karte unter Punkt 8 vorstelle:


