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Kurios übernachten: 10 Unterkünfte in Hamburg mit besonderem Flair

Kirchen, Schiffe, Ex-Bordelle, Fischerkaten und Retro-Wohnwagen auf Dachgärten: Es muss nicht immer das schmucklose City-Hotel oder der teure Luxuspalast sein. Alternativen können umso aufregender sein! Viele Quartiere in Hamburg sind nämlich alles andere als gewöhnlich. Begleitend zur Abo-Postkarte Nr. 44 habe ich für Euch 10 Unterkünfte aufgespürt, in denen man garantiert einzigartig und oftmals gar nicht mal teuer schlummert …

1. Neustadt: Die Finnische Seemannskirche mit Hochbett & Kellersauna

Das Setting:

Seit langem ist die „Pohjois-Saksan merimieskirkko“, wie die “Finnische Seemannskirche” auf Finnisch heißt, mehr als ein Treffpunkt für skandinavische Seebären evangelisch-lutherischen Glaubens. Die Kirche besitzt alles, was Finnland-Fans lieben: im Keller nicht nur zwei Saunen (mittwochs und freitags für Herren, dienstags und freitags für Damen geöffnet, 17-20 Uhr). Sondern auch ein kleines Café, in dem es Zimtschnecken und Piroggi gibt sowie einen Finnshop, in dem man Roggenbrot, Schokolade, Salmiak oder finnischen Wodka kaufen kann. Was jedoch die wenigsten wissen: die finnische Seemannskirche bietet auch Schlafmöglichkeiten zu fairen Konditionen an. Dafür gibt es drei Doppelzimmer und einen Gruppenraum (in dem schon finnische Chöre und Fußballmannschaften mit bis zu 70 Personen auf Luftmatratzen übernachtet haben sollen). Der Gebäudekomplex aus dunklem Backstein besticht durch sein modernes, skandinavisches Design und wurde 1965 von den Architekten P. Ahola und D. Langmaack entworfen – ein denkmalgeschütztes Schmuckstück, das Architekurfans wie ich sehr zu schätzen wissen.

Preise:

ab 26 Euro pro Person im Gruppenraum / ab 42 Euro im Doppelzimmer

Die Umgebung:

Die Finnische Seemannskirche befindet sich lustigerweise im “Portugiesenviertel”, nur einen Steinwurf vom Hamburger Hafen entfernt und ist umgeben von portugiesischen Cafés und Restaurants. Fußläufig befinden sich z.B. auch Michel, Elbphilharmonie, Speicherstadt und Landungsbrücken sowie die Seefahrerkirchen der Norweger, Dänen und Schweden (genauer gesagt, sogar in der gleichen Straße!).

Finnische Seemannskirche, Ditmar-Koel-Straße 6, Google Maps  / Website

2. St. Georg: Übernachten im Ex-Bordell

Das Setting:

Plüsch, drehbare Spiegel an den Betten, Kandelaber, Samttapeten: Auch heute macht das “Village” (ich denke, man sollte es französisch aussprechen…)  keinen Hehl daraus, was es einmal war. Nämlich das ehemals größte Edel-Bordell Norddeutschlands. Es gehörte niemand Geringerem als Wilfried Schulz, dem “König der Reeperbahn” oder “Paten von St. Pauli”. Die 20 Zimmer befinden sich interessanterweise nicht, wie man vielleicht meinen könnte, auf dem Kiez, sondern am nicht minder berüchtigten Steindamm. Mit viel Liebe zum puffigen Detail eingerichtet, ist jedes Zimmer ein Unikat. Jetzt vermietet das Village also nur noch tageweise  – und nicht mehr pro Stunde. Das Hotel gilt außerdem als “gay friendly”.

Preise:

Unter der Woche zahlen Hotelgäste pro Nacht ab 73 Euro.

Umgebung:

Dieses etwas andere Hotel befindet sich am Steindamm, nur ein paar Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt – im Zentrum von St. Georg. Wer sich vom Ruf des Steindamms nicht abschrecken lässt, den die Bildzeitung gern als “härteste Straße” der Stadt bezeichnet, kommt hier auf seine Kosten.

Hotel Village, Steindamm 4, Website / Google Maps

3. Landungsbrücken: Im Bauch des “weißen Schwans”

Das Setting:

Die „Cap San Diego“ ist das letzte noch erhaltene Schiff einer Serie von sechs Stückgutfrachtern, die für die Reederei Hamburg Süd gebaut wurden. Wegen seiner eleganten Form nannte man das Schiffe früher auch den “Weißen Schwan des Südatlantiks”. Von 1962 bis 1981 transportierte die “Cap San Diego” unter anderem Autos und Maschinen nach Südamerika, auf der Rückreise hatte sie Kaffee, Öle, Rindfleisch und Textilien geladen. Ich liebe die 1960er Jahre Atmosphäre des weiß-roten Potts, die mich immer an einen Wes Anderson Film erinnert. Die Crew und 45 ehrenamtlich tätige Seemänner im Ruhestand halten sie mit viel Engagement in Schuss. Neben einem Hochseilgarten und einem Escape-Room gibt es auf der Cap San Diego auch außergewöhnlich geräumige Übernachtungsmöglichkeiten: Original-Passagierkabinen (Einzel-, Doppel- oder Familienzimmer) sowie Kabinen des Kapitäns, des 1. Ingenieurs und 1. Offiziers. Jede Kabine verfügt sogar über ein eigenes Vollbad, nur die des 1. Offiziers über eine Dusche.

Preise:

Ab 104 Euro pro Person (Achtung: rechtzeitig buchen!)

Umgebung

Das Schiff liegt direkt im Hamburger Hafen an den Landungsbrücken. Nahe Ziele sind das Portugiesenviertel, der Alte Elbtunnel, der Michel, die Speicherstadt, die HafenCity, Binnenalster. Alles ist problemlos zu Fuß erreichbar. Auch das abendliche Flair ist wahnsinnig schön. Vom Hauptbahnbahnhof benötigt man mit dem Taxi ca. 15 Minuten, kann das Schiff. aber auch problemlos mit der S-Bahn oder U-Bahn erreichen.

Cap San Diego, Überseebrücke, Website / Google Maps

4. HafenCity/Speicherstadt: Die Retro-Camper auf dem Dach in der HafenCity

Das Setting:

2019 eröffnete das Pierdrei-Hotel in der HafenCity. Neben den 212 Zimmern im Gebäude stehen auch drei Wohnwagen auf dem Dach (mit Dachgarten-Bar) in luftigen sieben Metern Höhe. Sie heißen „Flower Coco“, „Retro Coco“ und „Hippie Coco“. Im Retrostyle eingerichtet, sind sie mit großen Doppelbetten ausgestattet. Ein Bad- und Duschbereich wird gemeinschaftlich genutzt. Im Hotel gibt es außerdem den sogenannten „Racker Room“ mit Flipper, Kicker und Kletterwand, in der Kinder toben können (Sorry, Eltern müssen draußen bleiben!). Wer Glück hat, kann auf der hauseigenen Hafenbühne Konzerte, Comedy-Shows und Lesungen erleben.

Preise:

Die Preise variieren je nach Auslastung. Ab 65 Euro ist eine Übernachtung in einem der Camper möglich.

Umgebung:

Übernachtet wird zwischen Speicherstadt und HafenCity. Fußläufig findet Ihr z.B. das Miniaturwunderland, die Elbphilharmonie, das Maritime Museum, den Hamburg Dungeon, die Landungsbrücken etc. … Ein tolles Kino – die Astor Film Lounge – hat sogar im Hotelgebäude selbst seinen Platz.

Pierdrei, Am Sandtorkai 46, Website / Google Maps

5. Hoheluft/Eppendorf: Geranien und Nierentisch im Vintage-Motel

Das Setting:

In einem Hinterhof an der Hoheluftchaussee versteckt sich ein besonderes, denkmalgeschütztes Kleinod der 1950er Jahre: das „Motel Hamburg“. Es wurde 1958 eröffnet. Das Vorbild stammt aus den USA, wo es bereits 1924 erste „Motels“ gab, in dem Autofahrer in unmittelbarer Nähe zum Fahrzeug übernachten konnten. Das „Motel Hamburg“ ist noch heute in Betrieb und über eine unauffällige Zufahrt zu erreichen. Wer hier abbiegt, taucht ein in eine 1950er Jahre-Zeitkapsel: gepflegte Begrünung, pastellfarbene Architekturdetails, rot-weiße Garagentore im Erdgeschoss, darüber die Gästezimmer mit Balkonen, stilsichere Schriftzüge. In einer Ecke der Empfang. Alle Fassaden sind noch original erhalten und teilweise mit Mosaikfliesen verkleidet.

Preise:

ab 135 Euro im Doppelzimmer

Umgebung:

Ruhig und doch nur wenige Meter vom Schnellbus, der U-Bahnstation Hoheluft  sowie ca. 2 km vom Bahnhof Dammtor entfernt. In unmittelbarer Nähe viele Supermärkte, Läden und kleine Imbisse sowie Restaurants. Das Kaiser-Friedrich-Ufer um die Ecke lädt zum Spaziergang am Kanal ein.

Motel Hamburg, Hoheluftchaussee 117-119, Website  / Google Maps

6. Blankenese: Das Fischerhaus im Treppenviertel

Das Setting:

Ein Fischerhaus mit schönem Gärtchen aus dem Jahr 1732, in dem man eine kleine Ferienwohnung mit zwei Schlafzimmern im Obergeschoss bewohnt. Es gibt WLAN, eine Gemeinschaftsküche und -lounge. Die Besitzer Natalia und Dietmar haben hier wirklich eine Perle inmitten des Treppenviertels geschaffen, die man am besten ohne Auto aufsucht. Denn der Weg dorthin verläuft durch verwinkelte Gässchen und über urige Treppenstufen eines ehemaligen Fischerdorfes, das sich über wunderschöne Hänge zwischen dem Süllberg und Baurs Park am Elbstrand von Blankenese verteilt. Nicht ohne Grund gilt das ehemalige Fischernest heute als “Hamburgs Riviera”. Mehr über das Treppenviertel und Blankenese erzähle ich übrigens in diesem Beitrag!

Preise:

Ab 280 Euro am 1. Tag und 220 Euro pro weiterem Tag.

Umgebung:

Das Treppenviertel bzw. den Stadtteil Blankenese erreichen Sie einfach mit der S-Bahn (Bahnhof Blankenese). Von da aus sind es nur wenige Minuten zu Fuß bis zur Strandtreppe. Vom bis zu 75 Meter hohen Süllberg haben Sie einen atemberaubenden Panoramablick auf die Elbe und den Hamburger Süden.

Fischerhaus Blankenese, Panzerstraße 7, Google Maps / Website / Airbnb

7. St. Georg: Ab in die Kiste!

Das Setting:

Ihr mögt nicht nur Hamburg, sondern hab dazu noch etwas übrig für japanisches Flair und kennt keine Platzangst? Dann sind die wohl kleinsten Hotelzimmer Hamburgs im Cab20 vielleicht genau euer Ding. Das Besondere: Statt in großen Zimmern mit viel Platz übernachtet Ihr in schallisolierten Kapseln. Insgesamt gibt es im Cab20 davon über 54 Stück. Jede Kapsel hat zum Glück ihre eigene Luftzufuhr und einen Bluetooth-Lautsprecher zum Musikhören – man schläft recht günstig, allein oder zu zweit, auf gerade einmal sechs Quadratmetern. Auf jeder Etage gibt’s Gemeinschaftsbäder, die Duschen befinden sich im Untergeschoss. Die Treppenhäuser und die Erdgeschoss-Lobby sind mit Graffiti designed und auch die schicke Lounge im Dachgeschoss widmet sich den Themen Streetart, Graffiti und HipHop. Ein spannendes, neuartig

Preise:

Für eine Nacht in der Einzelkapsel zahlen Gäste ab 40 Euro, in einer Kapsel mit Doppelbelegung kostet das Bett ab 45 Euro die Nacht. Frühstück gibt es für 12,90 Euro extra.

Umgebung:

Das Hotel hat 2021 in St. Georg eröffnet und ist nur wenige Gehminuten von Hauptbahnhof und ZOB entfernt.

Cap20, Brennerstraße 20, Website / Google Maps

8. Harburg: Kleine Auszeit im Rettungsboot

Das Setting:

Am Neuländer Diamantgraben, einem sichelförmigen Nebenarm der Süderelbe, ist zwischen April und Oktober Hausbootsaison. Ihr findet hier den Hausboothafen Hamburg – einen echten Geheimtipp für Hausbootfans, samt dazugehöriger Hausboot-Manufaktur. Nicht nur werden hier schwimmende Häuser in ökologischer Bauweise und nach Kundenwünschen gebaut. Sie werden auch vermietet. Hier kann man sich die perfekte Auszeit genehmigen und beim Kochen die Enten vorbeischwimmen sehen, ein Sonnenbad auf dem Dach nehmen und sich von den Wellen in den Schlaf schaukeln lassen. Besonders skurill: ein liebevoll ausgebautes Rettungsboot mit erstaunlich viel Platz und Komfort. In der kleinen  „Gorch Pott” erwartet Euch ein liebevoll eingerichteter Wohnraum auf nur zehn Quadratmetern mit Spüle, Kühlschrank und Kochfeld, Bett, Tisch, zwei Hockern. Dazu eine Bordtoilette. Im Badhäuschen an Land (ca. 40 m vom Boot entfernt) kann man eine Dusche nutzen. 

Preise:

135 Euro pro Nacht. 

Umgebung:

Man ist in wenigen Minuten am Harburger Bahnhof oder kann auf den in Sichtweite befindlichen Elbbrücken mit dem Auto in die Innenstadt fahren. Fast mittendrin – und doch im Grünen.

Gorch Pott (Hausboot Hafen Hamburg), Neuländer Hauptdeich 11, Website / Google Maps

9. Münzviertel: Im Schlaf Brunnen bauen

Das Setting:

Im Schlaf Gutes tun – das könnt Ihr in der Villa Viva, die ganz frisch von der gemeinnützigen Organisation Viva con Agua im Hamburger Münzviertel zusammen mit Heimathafen Hotels eröffnet wurde. Viva con Agua verfolgt vor allem ein Ziel: Zugang zu Trinkwasser für alle Menschen zu schaffen. 40 Prozent der Gewinne sollen daher in die Vereinsprojekte fließen, die u.a. für den Bau von Brunnen in Regionen der Welt, in denen es an Trinkwasser mangelt. Das Hotel bietet 138 Zimmern für jeden Geldbeutel, mit Restaurant, Tagungsräumen und einer Dachbar. Zahlreiche Künstler und Künstlerinnen haben die Zimmer und das Treppenhaus bunt gestaltet, eine sogenannte “Camping-Box” (günstige Kategorie) z.B. von der Band Fettes Brot.

Preise:

Zimmer gibt es in fünf Kategorien. Die Preise reichen von 19,10 Euro in der Kategorie “Camping Ground” bis zu 275 Euro die Nacht für die “Suite de Luxe”.

Umgebung:

Das Haus steht im Münzviertel, einem für viele ziemlich unbekannten, aber spannenden und noch dazu zentralen Ort zwischen Hauptbahnhof und Deichtorhallen.

Villa Viva, Schultzweg 4, Website / Google Maps

10. Am Baumwall: Bullaugen mit Blick auf die Elbphilharmonie

Das Setting:

Sieben Einzel- und Doppelkabinen – ausgestattet mit echten Seemannskojen – bietet das das Feuerschiff im Hamburger Hafen und ist hiermit die dritte Übernachtungsmöglichkeit auf einem Schiff, die ich Euch vorstellen möchte (ja ja, ich liebe Schiffe!). Im Jahr 1952 erbaut, haben Gäste auf diesem knallrot leuchtendem Boot auch die Möglichkeit, im schiffseigenen Restaurant zu speisen, von dem aus man sogar einen perfekten Ausblick auf die Elbphilharmonie hat. In den Kojen ruhten sich früher die Techniker und der Kapitän des schwimmenden Leuchtturms nach ihrem Dienst aus. Das Feuerschiff diente ursprünglich als mobile Leuchtstelle, die andere Schiffe sicher in den Hafen brachte und vor Gefahren wie Sandbänken und Untiefen warnte.

Preise:

Eine Nacht kostet 75 Euro pro Person, Frühstück inklusive. Zwei Personen zahlen 150 Euro.

Umgebung:

Das Feuerschiff liegt nur einen Steinwurf von der oben bereits vorgestellten Cap San Diego entfernt. Auch diese Unterkunft erreicht man bequem mit der U3 (Ausstieg: Baumwall) oder der S-Bahn (Ausstieg: Landunsgbrücken). In unmittelbarer Nähe: Speicherstadt, St. Pauli, HafenCity – und selbst in die Innenstadt gelangt man problemlos zu Fuß.

Feuerschiff, City Sporthafen, Vorsetzen, Website / Google Maps

Wie immer könnt Ihr Euch auch die Postkarte #44, die den Fischmarkt am Morgen zeigt (und ausnahmsweise kein Hotel…) hier herunter laden! Liebste Grüße und ein riesiges Dankeschön für Euren Support! ❤️

Eure Frau Elbville

Achtung: Diese Postkarte darf nur für private Zwecke heruntergeladen werden. Eine Verwendung für kommerzielle Zwecke sowie die Veröffentlichung (z.B. auf sozialen Medien) bedarf meiner Erlaubnis.

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