Bitte Nachlaufen: Ein weihnachtlicher Sonntagsspaziergang durch die Innenstadt!
It’s beginning to look a lot Like Christmas … Höchste Zeit für Glühwein, Schmalzgebäck und einen Sonntagsspaziergang im Advent durch die festlich erleuchtete Innenstadt von Hamburg. Himmlische Panoramablicke, versteckter Weihnachtsbaumzauber, glitzernde Sternenhimmel: Dies ist eine Einladung zu einer geführten Route voller magischer Highlights und versteckter Überraschungen…
Die folgende Karte zeigt einen schematischen Überblick zur groben Orientierung. Jeder unten erwähnte Stopp ist in Google Maps verlinkt, sodass Ihr Euch notfalls während des Spaziergangs auch von Stopp zu Stopp navigieren lassen könnt.
1. Stopp: Auftakt mit dem Weihnachtsbaum im Sprinkenhof

Los geht unser weihnachtlicher Spaziergang mit einem echten Geheimtipp: Dem festlich erleuchteten Innenhof des Sprinkenhofs. Dort steht ein Weihnachtsbaum, den ich jedes Jahr ein bisschen mehr ins Herz schließe – wie er zwischen all dem Backsteinexpressionismus vor sich hin glitzert. Dass er keine echte Tanne ist? Egal! Mit seiner ehrgeizigen Dreiecksform passt er irgendwie perfekt in diesen klar geordneten Hof des Kontorhaus-Klassikers aus den 1920ern.
– Springeltwiete 2A / in Google Maps
2. Stopp: Durchs Levantehaus flanieren

Über die Altstädter Straße geht’s links in den Johanniswall und dann noch einmal links in die Bugenhagenstraße, wo Ihr durch einen Hintereingang ins Levantehaus schlüpft. Das kleine, aber feine, mit Glas überdachte Einkaufszentrum strahlt in der Vorweihnachtszeit festlicher als so manches Wohnzimmer. Gemütlich ist es ebenfalls – ein idealer Ort, um eine kleine Pause einzulegen und eine Tasse Kaffee zu genießen. Das Café Klein ist auch sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet, das Grand Cafe Roncalli von 9 bis 18 Uhr.
– Mönckebergstraße 7 / Google Maps
3. Stopp: Für den Ausblick auf den Rathausmarkt

Das Levantehaus verlassen wir nun durch den Hauptausgang und laufen einige Minuten die Mönckebergstraße links hinunter – nicht vom festlichen Glanz und Trubel auf der Strecke ablenken lassen, denn auch hier stehen überall Buden und Glühweinstände. Unser Ziel ist jedoch die St. Petri-Kirche. Statt uns ins Getümmel auf Hamburgs amtlichen Haupt-Weihnachtsmarkt vor dem Rathausmarkt zu stürzen, schauen wir ihn uns lieber in Ruhe von oben an: Denn Hamburgs älteste Pfarrkirche beherbergt auf 123 Metern die höchste öffentlich zugängliche Aussichtsplattform der Stadt. Die 544 Stufen dorthin müssen zu Fuß erklommen werden und sie sind nicht ohne Nervenkitzel – doch der Ausblick auf den leuchtenden Rathausmarkt entschädigt für alles – und reicht je nach Wetterlage sogar bis zur Elbe. Meist ist es hier oben himmlisch ruhig. Diesen Ort findet Ihr übrigens im Stadtplan “Schöne Aussichten”, den Ihr Euch unter diesem Abo-Beitrag herunterladen könnt.
– Bei der PetriKirche (Kosten: 4 Euro pro Person / geöffnet Sonntags nach der 10 Uhr Messe bis 16 Uhr) / Google Maps
4. Stopp: Pizza in gläsernen Weihnachtskugeln

Zurück auf sicherem Boden, verlasst Ihr die Kirche nun in Richtung Rathaus und ignoriert einfach nochmal den Weihnachtsmarkt auf dem Rathausplatz, denn ich möchte Euch lieber ein skurriles Örtchen um die Ecke zeigen. Hierfür lauft ihr zunächst die Mönckebergstraße entlang, die in die Johannisstraße und dann in den Großen Burstah übergeht. Nach etwa sechs Minuten zu Fuß stoßt Ihr auf einen kleinen Schauplatz, der einen Blick wert ist: Eine italienische Pizzakette, 60 Second to Napoli, verwandelt diesen Ort jeden Winter in einen Weihnachtsgarten mit durchsichtigen, übergroßen Weihnachtskugeln, in denen Tische stehen. Mir ist es bisher zwar noch nie gelungen, dort einen Tisch zu ergattern – für eine Reservierung an Wochenenden muss man im voraus rechtzeitig buchen. Aber ehrlich gesagt schaue ich mir dieses wunderliche Spektakel auch einfach nur gern an und schlendere dann weiter.
– Großer Burstah 1-3 / Google Maps
5. Stopp: Den Baum im Rathaus bewundern

Ein weiteres Must-See, was Hamburgs Weihnachtsbäume betrifft: Das Exemplar in der Hamburger Rathausdiele. Umgeben von mittelalterlich wirkenden Säulen, ist dieser Weihnachtsbaum der Inbegriff hanseatischer Eleganz. Meist ziert ihn Schmuck mit Hamburg-Motiven. Setzen wir uns kurz auf eine der Bänke und genießen den Zauber. Dafür dass vor dem Rathaus der Weihnachtswahnsinn tobt, ist es hier drinnen oft erstaunlich ruhig. Wer es nicht lassen kann, darf sich jetzt trotzdem ins Getümmel stürzen und den auf historisch getrimmten Markt besuchen. Aber nicht erschrecken: Um 16, 18 und 20 Uhr saust der Weihnachtsmann samt Schlitten über den Platz. Hoch über den Köpfen der Besucher erzählt er dröhnend die Geschichte von Rentier Rudolf. Entwarnung gilt dafür für die großen, bunten Weihnachtsparaden auf der Mönckebergstraße – die finden nämlich nur an den vier Adventssamstagen um 14:00 und 17:00 Uhr statt … Ich versuche sie zu meiden.
– Rathausmarkt / Google Maps
6. Stopp: Durchs festliche Hanseviertel schlendern

Wir halten uns nun auf dem Rathausmarkt links, vielleicht umgehen wir ihn auch einfach geschickt am Rand, und laufen über die Rathausschleusenbrücke die Poststraße entlang, bis wir links vor dem Eingang des Hanseviertels stehen. Am Ende sehen wir sie bereits leuchten: Die Lichterkugel über der Kreuzung Poststraße und Große Bleichen. Diesen Sommer hing dort eine riesige Blütenkugel. Ich weiß gar nicht, was ich hübscher finden soll – den Blumen- oder den Lichterzauber. Und nun: Hinein durch den Haupteingang ins überdachte Hanseviertel!

Hier herrscht ebenfalls festliche Atmosphäre – sonntags hat man sie meist ganz für sich allein, da die Läden nicht geöffnet haben. Flanieren wir also ein wenig unter dem Sternenhimmel aus unzähligen leuchtenden Kristallen und nehmen dann in der Mitte den Ausgang hin zu den Großen Bleichen.
– Hanseviertel / Google Maps
7. Stopp: Den Glitzer am Neuen Wall bestaunen

Über die Bleichenbrücke, die die Große Bleichen quert, gelangen wir links zwischen Glasvitrinen hindurch auf den Neuen Wall. Die Lichter über dieser noblen Einkaufsstraße faszinieren mich ebenfalls immer wieder – besonders angetan aber bin ich von den Leuchtschriftzügen, die an den Enden des Neuen Walls glitzern. Sie sind ein cooles Fotomotiv. Bevor wir den Neuen Wall nun verlassen, müssen wir aber unbedingt noch vorher auf einen Glühwein in die Stadthöfe einbiegen …
– Neuer Wall / Google Maps
8. Stopp: Prost! Glühwein auf dem schönsten Weihnachtsmarkt der Stadt

Hier stoßen wir auf meinen derzeitigen Lieblingsweihnachtsmarkt: Den „Marché de Noël“! Bio-Rosé-Glühwein in kupferfarbenen Tassen, Glashäuser, festlich dekorierte Holzhütten. Ich finde diesen Weihnachtsmarkt wirklich stilvoll und auch ein bisschen exklusiv… Hier herrscht weniger Rummel und Halligalli, sondern gediegene Festlichkeit – beinahe wähnt man sich beim gepflegten Umtrunk in einem Weihnachtsfilm, der auf der Upper East Side von Manhattan spielen könnte …
– Stadthausbrücke / Google Maps
9. Stopp: Schmalzgebäck auf der Fleetinsel

Nur einen Steinwurf von den Stadthöfen entfernt trifft man auf eine weitere, eher kleine und heimelige Weihnachtsoase: Die “Fleetweihnacht” an der Michaelisbrücke. Hier spiegeln sich stimmungsvoll Adventslichter im Fleet und der Duft von Kräutern und Gewürzen hängt in der Luft. Dieses atmosphärische Örtchen lädt zum Schlemmen ein: Eine Portion Schmalzgebäck, bitte!
– Michaelisbrücke / Google Maps
11. Stopp: Den “Ur-“Adventskranz im Michel besuchen

Wir verlassen die Fleetinsel über die Michelisbrücke und laufen über die Michaelisstraße in Richtung Ludwig-Erhard-Straße. Bald taucht er zwischen den Häuserreihen auf: der Michel, Hamburgs barocke Hauptkirche. Für viele gehört der Besuch der geschmückten Kirche wie selbstverständlicher zur Weihnachtszeit. Über den Kirchenbänken in der Mitte schwebt dabei etwas sehr Besonderes: Der riesige „Wichernsche Adventskranz“ mit seinen roten und weißen Kerzen. Jeden Tag erscheint ein neues Kerzenlicht auf den dunkelgrünen Tannenästen, die im Kontrast zum Gold des Altars erst richtig zur Geltung kommen. Die Anzahl der Kerzen variiert je nach Kirchenjahr. In diesem Jahr wurde der Rahmen erstmals durch ein Wagenrad ersetzt – ganz in der Tradition von Johann Hinrich Wichern (1808 – 1881), dem Hamburger Pastor, der einst den Adventskranz für ein Waisenhaus erfand und ebenfalls ein Wagenrad benutzte.
– Englische Planke / Google Maps
12. Stopp: Kurz mal nach nebenan Weihnachtstee kaufen

Ausklang der Tour: Die Kramer-Witwen-Stuben waren Wohnungen für die Witwen der kleinen Händler. Heute ist die schlauchartige Gasse, in der sie sich befinden, Hamburgs letzte geschlossene Hofbebauung des 17. Jahrhunderts. Neben Läden und kleinen Restaurants könnt Ihr hier auch eine original eingerichtete Witwenwohnung besuchen. In der Vorweihnachtszeit fühlt man sich an diesem Ort (übrigens auch im Download-Stadtplan “Hinterhöfe & Passagen” zu finden) wie in einem Winter in vergangener Zeit. Gleich vorn befindet sich ein kleiner Teeladen: Hier könnt Ihr Euch Adventstee mit Kandis kaufen und entspannt zu Hause genießen. Ich wünsche Euch einen schönen Advent!
– Kramer-Witwen-Stuben, Krayenkamp 10 / Website / Google Maps
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