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Hamburgs Gängeviertel

Foto-Zeitreise: Als Hamburgs Gängeviertel die größten Slums Europas waren…

Im 19. Jahrhundert wird Hamburg immer reicher und mächtiger. Dennoch müssen viele Hamburger in Armut leben. Sie hausen in winzigen Wohnungen und dunklen Kellern ohne Kanalisation und sauberes Trinkwasser. Im Sommer 1892 sterben in nur sechs Wochen 10.000 Menschen an einer Cholera-Epidemie, die vor allem in Hamburgs „Gängevierteln“ wütet, den damals größten Slums Europas. Als Folge werden die Viertel dem Erdboden gleichgemacht. Doch bevor sie vollends verschwinden, werden sie von Fotografen aufgesucht. Mit Holzkameras dokumentieren sie die verwinkelten Labyrinthe für die Ewigkeit …

TEXT: Susanne Krieg I FOTOS: aus „Rund um die Gängeviertel“

Mit Anzug und Melone

Als der junge Paul Wutcke um das Jahr 1900 in einem der vielen Hinterhöfe des Großen Bäckergangs, dem „31. Judenhof“, seine Kamera auf ein Stativ montiert, haben sich die Bewohner offenbar für ihn in Schale geworfen. Dabei gehören sie zu den verarmten und vergessenen Menschen der Stadt. Der Große Bäckergang ist Teil der Hamburger Neustadt, damals Mittelpunkt jüdischen Lebens. Genau hier, in der Nähe des Hafens, befindet sich eines der beiden berüchtigten Gängeviertel Hamburgs. Der zweite Slum mit ähnlich verfallenen Altbauten, bewohnten Kellerlöchern, düsteren Gassen und engen Hinterhöfen liegt in der nördlichen Neustadt, einer Gegend, die sich heute noch „Gängeviertel“ nennt. Als Enklave für Kultur- und Kunstprojekte ist das Viertel von der UNESCO zum Ort kultureller Vielfalt gekürt worden. Mehr über die unterstützenswerte Genossenschaft, die die dortigen Häuser schrittweise sanieren und verwalten möchte, findet Ihr auf dieser Website.  


Hamburgs Gängeviertel: Massenauflauf für Fotos

Massenauflauf beim Foto-Shoot

Auch auf diesem Streifzug durch Hamburgs Gängeviertel scheinen Paul Wutcke und seine Kamera-Ausrüstung einen Massenauflauf ausgelöst zu haben. Ich kann mir gut vorstellen, wie neugierig die Menschen in die windschiefe Gasse (ebenfalls der Große Bäckergang) drangen, um mit aufs Foto zu kommen. Ob Wutcke versuchte, den Leuten seine Fotos zu verkaufen? Wohl kaum. Für so etwas haben damals wahrscheinlich nur die Reichen genug Geld – und die lassen sich lieber in Fotoateliers ablichten.

Von der Fotografie leben muss Wutcke nicht. Der 1872 als Sohn eines Uhrmachers geborene Hamburger lebt in der ABC-Straße unweit des Gängeviertels und arbeitet als Masseur. 1905 erbt er das Korsettgeschäft seiner Mutter. Seine Streifzüge als Straßen-Fotograf waren demnach wohl nu…

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