Landpartien: Schöne Ausflugsziele im Hamburger Umland
Manchmal reicht schon eine kleine Zugfahrt oder ein kurzer Roadtrip, um das Gefühl zu haben, ganz woanders zu sein. Hinter Hamburg beginnen Schlösser, Gutshäuser, stille Alleen, kleine Hafenstädtchen, Dünenlandschaften und Orte, an denen die Zeit ein wenig langsamer läuft. Für diese Sammlung habe ich einige meiner liebsten Landpartien rund um Hamburg zusammengestellt: Ziele für spontane Wochenendausflüge, Spaziergänge im Grünen und kleine Fluchten (etwa vor Großevents wie dem Hafengeburtstag). Vielleicht ist ja auch für Euch die passende Entdeckung dabei.
Fotos & Text: Susanne Krieg aka Frau Elbville
1. Gut Oehe an der Schlei

Die Schlei ist ca. 2 Stunden mit dem Auto von Hamburg entfernt und ein wunderschöner Flecken Erde, wie ich vor kurzem wieder festgestellt habe. Man wähnt sich in Dänemark, zumindest erinnern Ortsnamen und Häuser stark an den nördlich gelegenen Nachbarn (und früher war die Gegend ja auch mal dänisch…). Unweit von Kappeln habe ich letztens durch Zufall das Gut Oehe entdeckt, es liegt direkt am Meer, sozusagen nur einen “Muschelwurf” vom Strand entfernt. Dort kann man super schöne Ferienwohnungen mieten. Und um die Ecke gibt es außerdem einen Camping-Platz am Hafen, der einen großartigen Eindruck gemacht hat. Hier geht‘s zur Website des Gutes.
2. Tagestour Sylt mit dem Rad
Letzten Sommer zum ersten Mal gemacht: Ein Schleswig-Holstein-Ticket gekauft (geht aber auch mit dem Deutschlandticket), mein Rad geschnappt (+ 6 Euro Fahrtkosten gelöst) und um kurz nach 8 Uhr morgens vom Bahnhof Altona für einen Tag nach Sylt gefahren. 3 Stunden Zugfahrt durch Schleswig-Holstein bis Keitum. Kurz vor 6 Uhr abends in Westerland mit dem Zug wieder zurück. Dazwischen: Zeit genug, eine herrliche Radtour über die Insel zu machen. Hinter Keitum einen Schlenker über Munkmarsch, Brarderup, Kampen und Wenningstedt. Unterwegs zahlreiche Möglichkeiten, sich im Meer abzukühlen. PS: Die Trüffel-Pommes im Schickeria-Strandbistro “Buhne 16” in Kampen waren zwar etwas teuer… Aber man lebt ja nur einmal!
3. Friedrichsruh
Das Forsthaus Friedrichsruh wurde 1874 im Sachsenwald (gut 35 Minuten Autofahrt von Hamburg entfernt) erbaut und gehört der Familie von Bismarck. Als ihr Schloss im Zweiten Weltkrieges bombardiert wurde, nutzte sie es eine Weile als Notunterkunft. In den 1930er-Jahren entdeckte Max Schmeling – Boxweltmeister und passionierter Jäger – den abgelegenen Ort und zog ein. Er bereitete sich im Forsthaus auf seine Kämpfe vor, täglich um sechs Uhr morgens soll er durch den Sachsenwald gejoggt sein – mindestens 20 Kilometer weit. Noch heute hängen seine Fotos und Boxhandschuhe im Saal. Inzwischen befindet sich das Restaurant “Fritz im Wald” im Forsthaus. Hier wird saisonal und „radikalregional“ gekocht. Das Besondere: die Gerichte werden in die Mitte der Tische gestellt und alles wird untereinander geteilt – fast so wie zu Hause in der Familie. Außerdem gibt es zwei Ferienhäuser auf dem Gelände sowie zwei “Waldkörbe”, in denen man mitten im Wald auf einem Podest übernachten kann.
Fritz im Wald, Ödendorfer Weg 5, 21521 Aumühle, Website / Google Maps
4. Ludwigslust

Ludwigslust ist eine ca. 1 – 1,5-stündige Autofahrt von Hamburg entfernt: Dieses beeindruckende Barockgebäude ist wischen 1772 bis 1776 als Residenzschloss für die mecklenburgischen Herzöge errichtet worden. Der Besuch lohnt – nicht nur, weil man hier, umgeben von Jahrhunderte alten Hirschgeweihen, im Café hervorragende Waffeln mit Eis und Kirschen schlemmen kann. Kurios: Ein Großteil der Innendeko besteht aus angemaltem Pappmaché – sogenanntem “Ludwigsluster Carton”. Hier geht‘s zur Schloss-Website.
5. Graswarder

Der Graswarder war mal eine Insel und ist heute eine Halbinsel in der Nähe von Heiligenhafen und Fehmarn, wie Ludwigslust ca. 1,5 Stunden Autofahrt von Hamburg entfernt. Man erreicht den Warder zu Fuß von Heiligenhafen aus. Wie ein langer Haken erstreckt sich die Nehrung parallel zur Ostseeküste. Highlight: Auf ihr stehen wie an einer Perlenschnur aufgezogen ein paar wunderschöne Häuser direkt am Strand. Mein Traumobjekt: das blaue Haus! Das rote, das aber mindestens genauso schön ist wie das blaue Haus, gehört übrigens der Familie des inzwischen verstorbenen Hamburger Architekten Meinhard von Gerkan – und das schon seit 1965. ⠀⠀⠀
6. Eutiner Schloss⠀⠀⠀

Schloss Nr. 2 auf dieser Liste befindet sich in Eutin, einem hübschen Städtchen in Schleswig-Holstein, das auch gut mit der Regionalbahn erreichbar ist: Malerisch liegt das Backsteinschloss am Großen Eutiner See in einem herrlichen Park und ist vor 850 Jahren für die Fürstbischöfe von Lübeck aus dem Hause Schleswig-Holstein-Gottorf und die Herzöge von Oldenburg erbaut worden. Ich empfehle einen Besuch des Schlossmuseums sowie ein Stück Kuchen im Schloss-Café (Ihr merkt: Ich liebe Schlosscafés!). Die Website des Eutiner Schlosses findet Ihr hier.
7. Wohldorfer Wald

Preisfrage: Was hat das Herrenhaus in Hamburgs nördlichstem Stadtteil Wohldorf mit “Herr der Ringe” zu tun? In dem Fachwerkbau residierten früher die Hamburger Ratsherren und Senatoren, wenn sie die “Walddörfer” besuchten. Die Walddörfer (Volksdorf, Duvenstedt, Bergstedt etc…) im Nordosten gehören teilweise schon seit dem Spätmittelalter zu Hamburg – das hier erwähnte Wohldorf liegt, streng genommen, schon lange nicht mehr vor den Toren der Stadt, sondern ist inzwischen ein Teil von ihr. Die Walddörfer liegen dennoch sehr ländlich und idyllisch und lieferten früher Hamburg das Holz für den Haus- und Schiffsbau. “Waldherren” nannten sich die Senatoren aus dem Hamburger Rat, die die Walddörfer verwalteten. Unterstützt wurden sie dabei von mehreren “Waldreitern” – und genau die lassen mich an die Waldläufer von Mittelerde und Aragorn denken… Haha. Jedenfalls kann man hier heute schöne Spaziergänge durch den Wald und entlang des Alsterwanderwegs machen. Einkehren könnt Ihr z.B. im hübschen Quellenhof, der direkt am Rodenbeker Quellental liegt.
8. Ahrensburger Schloss⠀⠀⠀⠀⠀

Schloss Nr. 3! Einst gehörte es dem dänischen König, wurde aber 1759 von einem wohlhabenden Hamburger Kaufmann erworben und ist heute ein Museum: Zu erreichen ist das Ahrensburger Schloss in einer 20 -minütigen Fahrt mit der S-Bahn ab Hamburg Hauptbahnhof und zusätzlichen 15 Minuten Fußweg. Liebliches Schloss – finsterer Bewohner: Der ehemalige Besitzer, Heinrich Carl von Schimmelmann, hat einen Teil seines Vermögens einst mit Sklavenhandel verdient. Er war nicht nur Finanzberater der dänischen Könige, sondern ab 1763 auch Besitzer von vier Zuckerrohrplantagen und einer Raffinerie in der Karibik. Gut, dass man endlich anfängt, diese koloniale Vergangenheit aufzuarbeiten. Auch im Schloss wird dieses Kapitel thematisiert – wenn auch etwas versteckt und knapp. Doch man diskutiert inzwischen sogar darüber, ein Mahnmal für die Opfer von Sklavenhandel und Kolonialismus auf dem Gelände des Schlosses zu errichten. Hier geht’s zur Website des Ahrensburger Schlosses.
9. Ratzeburg

Ratzeburg liegt im Naturpark Lauenburgische Seen – dem ältesten Naturpark Schleswig-Holsteins. Ein schöner Ausflug: eine Bootstour vom Großen Ratzeburger See über die Wakenitz nach Lübecke. Die alte Bischofsstadt Ratzeburg hat eine sehenswerte Altstadt mit einem urigen Dom, die auf einer kleinen Insel liegt und nur durch Dämme mit dem Festland verbunden ist. Umgeben ist Ratzeburg von gleich vier Seen: Großer Küchensee, Kleiner Küchensee, Domsee und Ratzeburger See. Noch ein Tipp für eine tolle Unterkunft gefällig? Die Ratzeburger Jugendherberge ist ein kleines Design-Highlight und wartet mit Sauna grandiosem Seeblick auf: Website hier.
10. Altes Land

Äpfel, Kirschen, Birnen, Pflaumen, Zwetschken und Erdbeeren: Rund 10 Millionen Obstbäume auf 170 Quadratkilometern fruchtbarem Marschboden machen das Alte Land zum größten zusammenhängenden Obstanbaugebiet nördlich der Alpen. Es beginnt hinter Finkenwerder, wo Airbus endet. Vor rund 800 Jahren machten holländische Siedler das Gebiet urbar. Noch heute erinnern weiße Zugbrücken, Grachten und Windmühlen an dieses Erbe. Das bereits kultivierte Land nannten die Siedler „Olland“ – das Alte Land. Auch außerhalb der Apfelernte ist ein Besuch toll. Besonders ins Auge fallen mir immer die prächtigen Fachwerkhöfe mit ihren Reetdächern und fantasievollen Ziegelmustern, dem sogenannten „Buntmauerwerk“. Es erzählt kleine Geschichten über den Ehrgeiz und Wohlstand seiner Besitzer. Man entdeckt z.B. traditionelle Schutzsymbole wie den eingemauerten „Hexenbesen“ gegen Blitz und böse Blicke oder die „Teufelsmühle“, damit „immer Brot im Hause sei“. Typisch für das Alte Land sind auch die prachtvollen „Brauttüren“, die nur zu besonderen Anlässen geöffnet wurden: um eine Braut ins Haus zu tragen oder einen Verstorbenen hinauszubegleiten. Und dann wären da noch die Prunkpforten: verzierte Tore aus dem 17. Jahrhundert. Löwenköpfe galten als Schutzsymbole, Trauben standen für Fruchtbarkeit.
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