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Die schönsten Gassen, Twieten & Promenaden für Hamburg-Flaneure (inkl. Download-Faltplan)

Hamburg, unsere Perle: Der Hafen, die Elbe, die Kräne – und über 9.000 Straßen … Natürlich sind nicht alle davon Augenweiden oder bergen interessante Geschichten. Doch in diesem Beitrag (inklusive Stadtplan zum Download) stelle ich Euch einige besonders spannende wie auch hübsche Gassen, Twieten und Flaniermeilen abseits altbekannter Pfade vor. Keep going!

Diese beiden Seiten könnt Ihr herunterladen, auf A3 oder A4 ausdrucken, falten und in die Hosentasche stecken. Die 1. Seite zeigt einen Stadtplan, die 2. eine Liste mit den dazugehörigen Beschreibungen, Adressen & QR-Codes zur Google-Maps-Location. Alle 16 Spots werden auch in diesem Beitrag präsentiert.

1 Övelgönne

Versteckt zwischen Elbstrand und Hängen liegt Övelgönne – ein Ort voller Geschichten und maritimem Charme. Entlang der historischen Kapitänshäuser verläuft ein malerischer Fußweg. Auf der einen Seite schweift der Blick über vorbeiziehende Con-tainerschiffe und Kräne. Zur anderen: entzückende Fassaden und Butzenfenster. Der Övelgönner Weg beginnt am Museumshafen Neumühlen und endet 1,5 Kilometer weiter am Alten Schweden, einem riesigen Findling am Strand. Am besten morgens und unter der Woche genießen!

 

2 Große Elbstraße

Perfekt, um eine Prise Hafenwind zu schnuppern: Die Große Elbstraße, einst eine verruchte Schmuddelecke der Stadt, ist heute ein Highlight für Entdecker. Los geht’s am Fischmarkt. Auf 1,7 Kilometern warten maritimes Flair, historische Speicher, Kräne, berühmte Seemannskneipen wie der Schellfischposten und die Haifischbar, Designshops, Luxuswohnungen am Wasser, tolle Fotospots und frischer Fisch. Diese Hafenpromenade hat das Zeug zur absoluten Lieblingsstraße von Hamburg – mit Wasser, Fischbrötchen, HVV-Fähre, Radweg und vielem mehr.

 

2 Palmaille

Mitten im Dreißigjährigen Krieg ließ Graf Otto V. von Schauenburg die Palmaille als Spielbahn für „Palla a maglio“ anlegen – ein italienisches Ballspiel, das Croquet ähnelt. Später säumten die Prachtstraße klassizistische Fassaden des dänischen Architekten Christian Frederik Hansen und seines Neffen, von denen viele bis heute erhalten sind. Im 19. Jahrhundert zählte die Palmaille zu Altonas feinsten Adressen – samt einer Sternwarte. Die Reihen alter Linden machen die Straße immer noch zu einer herrlichen Flaniermeile.

 

4 Paul-Roosen-Straße

Parallel zur Reeperbahn verbirgt sich eine charmante Ausgeh-Enklave, die nicht nur an lauschigen Sommerabenden der Schanze Konkurrenz macht: Nur zwei Blocks von Hamburgs Partymeile entfernt liegt die entspannt-hübsche Paul-Roosen-Straße, benannt nach einem mennonitischen Gerber und Pastor, der die kirchliche Jugendarbeit prägte. Geschichtsträchtig: In der Nr. 33 lebten 1960 die Beatles während ihrer ersten Hamburg-Auftritte. Auch einen Besuch wert: Die kleinen Läden sowie die Affenfaust, eine Galerie für Urban Art.

 

5 Beckstraße

Schräg gegenüber vom Neuen Pferdemarkt, wo seit 1825 eine der ältesten Apotheken Hamburgs steht, führt ein Durchgang zwischen den Bars Zoe I und Zoe II in die Beckstraße (nicht zu verwechseln mit der Augustenpassage!). In den weiß-roten Häusern der Kopfsteinpflastergasse lebten Ende des 19. Jahrhunderts kinderreiche Arbeiterfamilien in winzigen Wohnungen. Ein goldener Schlüssel an Haus Nr. 9 verrät, dass hier einst ein Schlosser wohnte – die frühe Variante von Reihenhäuschen macht diese Gasse besonders fotogen.

 

6 Karolinenpassage

Ähnlich wie die Beckstraße vermittelt auch die Karolinenpassage parallel zur Marktstraße einen guten Eindruck davon, wie die Gegend einst aussah, als sie noch ein „Armeleuteviertel“ im Schatten der Schlachthöfe war. Die etwas versteckte Gasse liegt zwischen Marktstraße und Glashüttenstraße. Der hübsche Durchgang mit zweigeschossigen Altbauten und kleinen Balkonen wirkt wie eine Enklave der Ruhe. Am besten nähert man sich vom unteren Ende, um den Blick optimal einzufangen.

 

7 Bäckerbreitergang

Der Bäckerbreitergang ist ein rares Fenster in Hamburgs soziale Vergangenheit und eines der letzten Überbleibsel der berüchtigten Gängeviertel. In dem einstigen Labyrinth aus engen Fachwerkgassen lebten die Menschen früher unter oft elenden Bedingungen. Einen der vorherrschenden Gebäudetypen sieht man hier noch: das „Sahlhaus” mit drei Eingangstüren zu drei winzigen Wohnungen – häufig überfüllt mit Großfamilien und Schlafgängern. Der Bäckerbreitergang entging dem Abriss der 1950er Jahre nur knapp und steht heute unter Denkmalschutz.

 

8 Brüderstraße

Die Brüderstraße zählt mit ihrem geschwungenen Verlauf und den charmanten Altbauten zu den schönsten Ecken der Neustadt. Sie inspirierte Uwe Timm zu seiner Novelle “Die Entdeckung der Currywurst” (1993). Seine Tante lebte hier, in einer Wohnung der Straße lässt er Lena Brücker während der letzten Tage des 2. Weltkriegs das Soßenrezept entwickeln. Timm kam in der Brüderstraße selbst zum Schreiben. Seine Novelle beginnt am nahegelegenen Großneumarkt, wo er den fiktiven Wurststand ansiedelt und heute noch Markt ist.

 

9 Krameramtsstuben am Krayenkamp

Neben dem Hamburger Michel, gegenüber vom Pfarramt am Krayenkamp, führt ein Toreingang in eine verwinkelte Gasse, in der ab dem 17. Jahrhundert Krämer-Witwen kostenlos wohnen durften. Das Innungszeichen der Krämer, die Waage, findet man auf einem Stein im Mauerwerk der oberen Stockwerke. Die Gasse gilt als letzte geschlossene Hofbebauung des 17. Jahrhunderts. Neben kleinen Läden und einem Restaurant kann man hier auch eine original eingerichtete Witwenwohnung besichtigen. Beste Besuchszeit: morgens unter der Woche.

 

11 Alsterarkaden

Er zählt zu den elegantesten Ecken der Innenstadt: ein von Alexis de Chateauneuf 1842 entworfene Bogengang mit venezianischem Flair. Besonders charmant: der Blick auf das Alsterfleet mit Schwänen. Weniger bekannt ist, dass die Arkaden Teil eines Spazierwegs sind: Er führt entlang des Fleets bis zur Stadthausbrücke – und von dort weiter bis zur Elbe. Eine wunderschöne, ruhige Alternative zum Einkaufsbummel durch die City, vorbei an historischen Fassaden, kleinen Brücken und versteckten Perspektiven auf Hamburgs Wasserwege.

 

12 Knochenhauertwiete

Diese schmale Gasse mit Innenhof verläuft quer durch das Versmannhaus und verbindet die Mönckebergstraße am Rathausmarkt mit der Rathausstraße. Ihr blutrünstiger Name bezieht sich auf die mittelalterliche Bezeichnung des Fleischerhandwerks, dessen Zentrum sich einst hier befand. Auch im sehenswerten Café Paris gleich nebenan wurde ursprünglich geschlachtet und Fleisch verarbeitet. Zwei interessante Skulpturen an den Eingängen der Gasse zeigen „Knochenhauer”.

 

13 Reimerstwiete

Auch die Reimerstwiete wirkt wie aus der Zeit gefallen. Das kopfsteingepflasterte Sträßchen zweigt etwas unscheinbar von der Straße Bei den Mühren ab – und führt in eine Welt aus urigen Fachwerkhäusern, wie sie einst in Hamburgs Gängevierteln des 18. und 19. Jahrhunderts vorherrschten. Kaum vorstellbar: damals galten diese Viertel als Europas größte Slums. Sie waren unhygienisch und überfüllt. Um 1880 begann der Abriss – auch für den Bau der Speicherstadt, die am Ende der Gasse auf der anderen Seite des Zollkanals emporragt.

 

14 Isestraße

Unter dem U-Bahn-Viadukt in der Isestraße findet dienstags und freitags der Isemarkt statt – mit 750 Metern gilt er als längster überdachter Freiluftmarkt Europas. Hier bieten rund 200 Stände alles von Blumen über Fisch bis hin zu Bonbons und handgemachten Mützen. Die Preise sind etwas höher, das Ambiente dafür umso stilvoller – samt Jugendstilhäusern als Kulisse. Übrigens: In Haus Nr. 95 verbrachte Angela Merkel 1954 ihre ersten Lebenswochen – bei der Großmutter, bevor es weiter nach Brandenburg ging.

 

15 Leinpfad

Der Leinpfad zählt zu den feinsten Adressen Hamburgs – mit beeindruckender Villenarchitektur, großzügigen Gärten und direktem Wasserblick. Viele Grundstücke wirken wie aus einem Designmagazin, selbst die Gartenhäuser sind architektonische Highlights. Auffällig: Nur wenige Villen sind abgeschottet, denn wer hier wohnt, will den Blick aufs Wasser genießen. Ursprünglich war der Leinpfad ein Treidelweg, auf dem Pferde Lastkähne zogen. Heute ist er Teil der Veloroute 4 und autofrei noch dazu – also ideal für einen ruhigen Spaziergang mit Aussicht.

 

16 Lämmertwiete

Harburg liegt für viele Hamburger:innen auf der „falschen Seite der Elbe“ und wird oft unterschätzt wird. Doch hier gibt es einiges zu entdecken. Neben Norddeutschlands größter Freiluftgalerie für Urban Art lohnt sich auch ein Abstecher in die Lämmertwiete – eine urige, denkmalgeschützte Gasse am Binnenhafen. Die ältesten Häuser stammen aus dem 16. und 18. Jahrhundert. In Sommernächten wirkt die Gasse fast wie eine mediterrane Piazza – dank Kneipen wie dem Old Dubliner oder dem Brazil, die bis in den Morgen offen haben.

 

Was sind eigentlich Twieten?

Manche Hamburger:innen wohnen nicht an Straßen, sondern in Twieten. Mit einer Twiete ist zumeist eine kleine Gasse gemeint, in der heutzutage keine Autos fahren. Oft wird damit eine Verbindung oder ein Durchgang zwischen zwei Gebäuden, Grundstücken oder Straßen bezeichnet. Auch Wege zwischen Hecken oder Feldern in der offenen Feldflur werden Twieten genannt. Der Begriff kommt aus dem Norddeutschen, während “Twete” vor allem in Nordrhein-Westfalen und Teilen Niedersachsens verwendet wird.

 

Alle Gassen, Twieten und Promenaden in Google Maps:


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