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Tiefer geht’s nicht: Geschichten aus dem Hamburger Untergrund

Die 7. Elbville-Postkarte steht ganz im Zeichen der Hamburger Unterwelten, denn der Untergrund ist auch der Ort, zu dem all die pittoresken Gullydeckel der Stadt führen. Lernt die Umkleidekabine des Kaisers kennen, ein Rohrpostsystem und eine Rolltreppe der Superlative, einen Nachtclub in einem Loch… Es wird spannend – und auch ein bisschen skurril.

Frau Elbvilles Postkarte Nr. 7 (03/21)

Runde Sache: Das Tor zur Welt

In Hamburg ziert das Wappen der Stadt, “Tor zur Welt” genannt, auch die Gullydeckel. Abhängig vom Jahr, in dem sieverlegt wurden, unterscheiden sich die Kanaldeckel immer nur ein bisschen. Nicht überall findet man sie, doch ich halte ständig Ausschau. Den ersten, den ihr hier seht, habe ich etwa an der U-Bahnstation “Überseebrücke” entdeckt. Auch um das Altonaer Rathaus und in der Innenstadt erblickt man sie. Zwei Hamburger haben sich dabei so sehr in die gußeisernen Deckel verguckt, dass sie T-shirts mit ihnen bedrucken. Und bei “Anne Waterkant” gibt es sogar Geschirrtücher, auf denen der Hamburger Gullydeckel prangt… Und von mir nun auch noch Postkarten (wie immer könnt Ihr euch als Club-Mitglieder weiter unten die digitale Version herunter laden).

Des Kaisers Umkleidekabine

Nach vielen Cholera-Ausbrüchen baute der Engländer William Lindley Mitte des 19. Jahrhunderts die Hamburger Kanalisation. Heute ist sie die älteste in Europa und einer der Gründe für die vielen Baustellen im Tor zur Welt. In einem Häuschen unter dem U-Bahn-Viadukt am Baumwall verbirgt sich ein Einstieg in diese uralte Unterwelt:

Bootstour durch das Abwasser

Gebaut wurde das sogenannte “Siel-Einstiegshäuschen” 1904 als private Umkleidekabine für Kaiser Wilhelm. Darin sollte er sich einen weißen Kittel überstreifen und über eine Leiter zu einem unterirdischen Steg gelangen, damit ihn ein Boot durch das Sielsystem der Stadt fahren konnte. Ob Wilhelm die Bootstour tatsächlich angetreten ist, weiß man nicht. Zum Tag des offenen Denkmals kann das Gebäude besichtigt werden. Hier erfahrt ihr mehr

Hamburgs vergessene Rohrpost

Nicht nur Gullydeckel fallen in der Hamburger Innenstadt auf, auch kleine gusseiserne Kappen am Boden, in die das Wort “Post” eingraviert ist: Überbleibsel der Hamburger Großrohrpost. Unter der Innenstadt liegen noch immer Rohre, mit der ab 1962 “Briefbomben” von Postamt zu Postamt geschickt wurden. In der Hansestadt wurde nämlich ein weltweit einzigartiges System erprobt, denn es gab ein Problem: die Bundespost wusste nicht mehr, wie sie Hunderttausende Briefe pro Tag durch die Innenstädte transportieren sollte. 1965 weist das Rohrpost-Netz der Hansestadt 40 Kilometer auf. Mitte der 70er-Jahre gibt die Bundespost ihren Traum jedoch wieder auf. Der Unterhalt der Rohrpost war doch zu teuer. Mit dem Verein Hamburger Unterwelten e.V. kann man das  an vielen Stellen immer noch sichtbare System heute erkunden.

Club mit Tiefgang

In pandemiefreien Zeiten öffnet sich auf dem Spielbudenplatz vor den Tanzenden Türmen nachts der Boden. Eine riesige Klappe fährt hoch und eine Treppe führt hinab in eine wummernde Welt aus Beton: den Mojo Club. Nach dem Star-Club ist er wohl Hamburgs berühmtester Tanzsaal, in dem – einst noch überirdisch – neue Klänge zu hören waren, “die die Hansestadt bis dato nicht kannte: Dancefloor Jazz, Acid House, Triphop. All sowas in einer Institution, die 1989 schon Club hieß, damals, als man damit hierzulande noch Sportverein und Billardtisch assoziierte”, beschrieb Jan Freitag den Ort einmal in DER ZEIT. Auch wenn er viel von der Legende eingebüßt hat, die er in den 1990ern mal – ich mag ihn immer noch, diesen Club im Höllenschlund vom Kiez:

 

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Rolltreppen der Superlative

Und weil beim Thema Hamburger Unterwelt natürlich  der Alte Elbtunnel nicht fehlen darf, kommt hier noch ein Foto, über das ich vor kurzem gestolpert war und meinen Augen nicht traute. Ja, von 1959 -1993 gab es im Alten Elbtunnel tatsächlich Rolltreppen, die die Passanten in die Tiefe und wieder hinauf beförderten. Es waren die damals längsten freitragenden Rolltreppen Deutschlands. Als sie so zerschlissen waren, dass sie entfernt uwerden mussten, wurden sie an jeder Seite durch einen zusätzlichen Personenaufzug ersetzt. Schade, eigentlich.

 

Ebenfalls in den Untergrund führt dieser Blogpost:

 

HIER KÖNNT IHR DIE AKTUELLE POSTKARTE WIE AUCH ALLE ANDEREN HERUNTERLADEN:

PS: Bitte beachte, dass das Verwenden und Vervielfältigen der Karten für kommerzielle Zwecke nicht gestattet ist, sondern einer zusätzlichen Genehmigung bedarf.  

So, das war’s für heute! Ich hoffe, die Postkarte hat Euch gefallen. Anfang April kommt die nächste!

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