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Kleine Anleitung zum Staunen: Die schönsten Wow-Orte der Stadt & warum sie glücklich machen

Hand auf’s Herz: Wann habt Ihr das letzte Mal “Wow” gerufen? Wo ist Euch zuletzt die Luft weggeblieben? Wann seid Ihr mit offenem Mund und großen Augen stehen geblieben wie ein kleines Kind, weil Euch etwas Großes und Schönes in Staunen versetzt hat? Ich versuche wieder mehr zu Staunen, seitdem ich gelesen habe, dass uns Staunen glücklicher macht. Wie und warum, erkläre ich hier und verrate Euch noch dazu jene Orte in Hamburg, an denen mir immer wieder auf’s Neue die Kinnlade herunterklappt.

Warum der Blick über den Nikolaifleet gut für die Seele ist

Wer staunt, so haben Wissenschaftler herausgefunden, gibt sich dem schwer zu beschreibenden Gefühl hin, an etwas teilzuhaben, das größer ist als man selbst – und das sei gut für die Seele, heißt es. Auch, weil man danach ausgeglichener und hilfsbereiter sei. Warum also das Staunen nicht gezielt trainieren? Ich persönlich werde ja gern an geschichtsträchtigen Orten ehrfürchtig. Wenn mein Blick zum Beispiel über den Nikolaifleet und seine alten Häuser schweift, dazu im Hintergrund die hypermoderne Elbphilharmonie… Dann stelle ich mir die 350 Jahre vor, die zwischen diesen Bauten liegen. Wer hat hier gelebt, was ist hier passiert? Und bei diesen Gedanken setzt bei mir jener Effekt ein, den die Forscher folgendermaßen beschreiben: Das Selbst rückt in den Hintergrund, eigene Sorgen werden kleiner, verschwinden sogar für eine Weile. Mithilfe von Experimenten konnte übrigens nicht nur nachgewiesen werden, dass Staunen den Menschen glücklicher und sozialer macht. Staunen stärkt auch das Immunsystem: der Körper produziere offenbar weniger “proinflammatorische Zytokinen”. Was die machen? Diabetes, Herzerkrankungen und Depressionen auslösen.

Standort Nikolaifleet von der Holzbrücke aus: Google Maps

Dockland: Perspektivwechsel mit Overview-Effekt

Mit “Overview-Effekt” wird das Phänomen bezeichnet, das Astronauten erleben, wenn sie zum ersten Mal die Erde aus dem Weltall sehen. Die Welt von ganz oben zu betrachten, löse Verbundenheit mit dem Planeten und gleichzeitig Demut aus. Doch, hey, für einen Perspektivwechsel müssen wir gar nicht ins All fliegen! Um eine Art “Mini-Overview-Effekt” zu erleben, erklimme ich zum Beispiel gern die Stufen des Docklands, eines Bürogebäues mit schiffsähnlichem Bug, das an der Großen Elbstraße direkt an der Elbe thront. Der Ausblick bis hinüber ins Alte Land und auf das Treiben im Containerhafen, die Kräne und Tanker holen mich jedes Mal auf den Boden der Tatsachen zurück: Sie erinnern mich daran, wie klein ich Menschlein doch bin – und gleichzeitig ein Teil des großen Ganzen.

Standort Dockland: Google Maps

Elbphilharmonie: Dem Klangwunder im Hafen lauschen

Ist es nicht unglaublich überwältigend, dem Klang großartiger Musik zu lauschen und somit ebenfalls eine gesunde Portion Ehrfurcht zu verspüren? Ein umso erhabeneres Erlebnis ist das, wenn die Akustik nahezu perfekt ist wie z.B. im Großen Saal der Elbphilharmonie: Dieser Raum trickst den Umgebungslärm – Schiffsschrauben, Signalhörner, Hafengeräusche aller Art – clever aus. Denn er ist doppelwandig konstruiert: Die Außenschale besteht aus Stahlbeton und ist Teil des Gesamtgebäudes. Die Innenschale ist nicht mit ihr verbunden, sondern ruht auf großen Federpaketen, die den Saal komplett von der Außenwelt abschotten. Faszinierend!

Standort Elbphilharmonie: Google Maps

Fischmarkt am Morgen vertreibt alle Sorgen

Wir erleben heutzutage ja oft ein sehr “kuratiertes” Leben auf Bildschirmen. Und während einige Bilder inspirierend wirken können, verblassen viele sofort wieder. Erst recht im Vergleich zu jener Ehrfurcht, die man verspürt, wenn man etwas im wirklichen Leben sieht. Dabei verhindern die täglichen Routinen oft, dass man überhaupt draußen vor Ort ins Staunen geraten kann. Aus diesem Grund habe ich mir vorgenommen, mich mindestens drei Mal die Woche etwas länger an der frischen Luft herumzutreiben (nein, ich habe leider keinen Hund, der mich ohnehin dazu zwingen würde! :-)). Am besten gelingt mir das früh morgens vor der Arbeit. Mein absoluter Lieblingsort und zum Glück nicht weit weg: der Fischmarkt. Er mag für viele Hamburger alltäglich, ja fast banal sein. Für mich bedeutet er: Ein inneres Stoppzeichen setzen und einfach mal wieder ein bisschen staunen. Über das Wasser, die Schiffe, die Wolken, die Docks.

Standort Fischmarkt: Google Maps

Speicherstadt: Meisterwerk auf Baumpfählen

Beeindruckende Zahlen und Fakten versetzen mich ebenfalls immer wieder ins Staunen. Wusstet Ihr zum Beispiel, dass die Speicherstadt, seit 2015 UNESCO-Weltkulturerbe, auf rund 3,5 Millionen Eichenpfählen ruht, die bis zu 12 Meter in den weichen Schlick gerammt wurden? Warum dieses Konstrukt schon so lange hält, ist mir ein Rätsel. Noch dazu finde ich die Vorstellung verrückt, dass sich die Speicherstadt mit 630.000 Quadratmetern Nutzfläche auf insgesamt über 26 Fußballfelder erstreckt. Außerdem ziehen sich 20 Brücken durch ihr Gebiet, von denen 14 unter Denkmalschutz stehen. Na, wenn das mal kein Grund für Ehrfurcht ist …

Standort Wasserschloss von der Poggenmühlenbrücke in der Speicherstadt: Google Maps

Container-Giganten beobachten

Lust auf noch mehr Faktenhuberei, die man sich etwa am Elbstrand von Oevelgönne (vielleicht mit einem Bier) auf der Zunge zergehen lassen kann? Der Hamburger Hafen, den man von diesem Ort aus ja super beobachten kann, ist der größte Containerhafen Deutschlands und der drittgrößte Seehafen in Europa. Insgesamt erreichen ihn jährlich rund 8.700 Seeschiffe aus über 174 Ländern, darunter Containerschiffe mit einer Kapazität von 19.000 Standardcontainern. Auch die “Ever Alot” kommt regelmäßig hier her, das mit 400 Metern Länge, 61,5 Metern Breite und bis zu 17 Metern Tiefgang größte Containerschiff der Welt. Was mich jedes Mal fasziniert: die Schlepper dabei zu beobachten, wie sie ameisengleich einen solchen Containergiganten durch das Hafenbecken an den Kai ziehen, ganz ohne Beulen. Wie schaffen die das bloß?

Standort Elbstrand bei der Strandperle: Google Maps

Die Alster: International Airport für Wasservögel

Albert Einstein hat einmal gesagt: “Wer nicht mehr staunen kann, ist tot.” Wie recht er mal wieder hatte. Dabei muss man das Staunen nur zulassen, auch wenn man sich dabei vielleicht etwas kindisch fühlt. Und manchmal genügt es eben schon, eine Ecke in der eigenen Stadt zu erkunden. Die Binnenalster möchte ich nun als letzten Wow-Ort nennen. Nicht nur wegen der Schwäne, den schönen Glückssymbolen der Stadt (zu denen Ihr hier übrigens ein paar skurrile Fakten findet). Erstaunlich finde ich, wie viele verschiedene Möwen es in Hamburg gibt:
1. Lachmöwen
2. Schwarzkopfmöwen
3. Sturmmöwen
4. Mantelmöwen
5. Silbermöwen

In diesem Sinne: Heute schon gestaunt?

Standort Binnenalster: Google Maps

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Eure Frau Elbville

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