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Kuriose Friedhöfe, Gruften & Mausoleen (inkl. Download-Stadtplan)

Wer denkt, Friedhöfe seien stille, traurige Orte, war noch nicht in Hamburg! Hier findet man spannende Geschichten und überraschend lebendige, oft herrlich kuriose Beispiele für Begräbniskultur: Mausoleen, die als “Wochenend-Zimmer” dienen, alte Grabplatten, zwischen denen gegrillt wird, Gräber, auf denen die Erinnerung auch mal glitzern darf, in denen gute Ideen beerdigt werden oder über die bis in alle Ewigkeiten die Fangesänge des Lieblingsfußballvereins hinweg schallen. Den passenden Stadtplan mit allen Orten könnt Ihr Euch im Beitrag herunterladen, ausdrucken – und vielleicht bei einem Osterspaziergang testen!

Einfach auf die Karte klicken, herunterladen und auf A4 ausdrucken! Alle Orte mit Beschreibungen, Adressen & einer Übersicht in Google-Maps gibt’s auch hier: 

1 Die Mausoleen der Kaufmannsclans

Auf dem Ohlsdorfer Parkfriedhof – dem größten der Welt – errichteten wohlhabende Kaufmannsfamilien einst prächtige Mausoleen, die man sich unbedingt einmal anschauen sollte. Viele stehen heute leider leer, es können jedoch Patenschaften übernommen werden, auch Beisetzungen sind möglich. Ein älterer Herr nutzt das hier gezeigte Gebäude beispielsweise als eine Art Wochenend-Wohnzimmer (und bunkert im Innern sogar Wein). Er plant zusammen mit den Urnen seiner Freunde eine „Mausoleums-WG“. Ein eher tragischer Fall hingegen ist das denkmalgeschützte Mausoleum der Bankiersfamilie Schröder: Nachfahren aus London reisten an, doch die Sanierung scheiterte vorerst an den Kosten in Millionenhöhe. 

Westring (Ohldorfer Friedhof)

 

2 Das Grab des Sklavenhändlers

Was für ein idyllischer Ort, könnte man meinen! Doch der Eindruck trügt. Das klassizistische Mausoleum hinter der Christuskirche an der Wandsbeker Chaussee ist die Grabstätte eines Plantagenbesitzers, der Sklaven hielt. Das Wirken des 1742 geborenen Kaufmanns aus Wandsbek, dem auch das hübsche Ahrensburger Schloss gehörte, war aus heutiger Sicht alles andere als romantisch. Auf seinen Karibikinseln Saint Croix, Saint Thomas und Saint John hielt er Tausende Menschen als Sklaven. Nicht weit weg vom Mausoleum des Grafen Heinrich Carl von Schimmelmann liegt übrigens auch der Dichter Matthias Claudius (1740-1815) begraben.

Robert-Schuman-Brücke 1 (Wandsbek) 

 

3 Der tragische Tod der Schauspielerin Clara Horn

Der Jacobipark ist eine wunderschöne, bedeutende historische Grünanlage. Wer hier schlendert, bemerkt fünf Grabmale und zwei Gruften aus dem 19. Jahrhundert, die vom einstigen Friedhof geblieben sind. Sie erinnern u.a. an die junge Schauspielerin Clara Horn, die bis 1884 am Thalia-Theater ihr Hamburger Publikum begeisterte. Auf dem Relief: ein Engel, der eine Fackel löscht. Clara Horn brach auf der Bühne zusammen, kurz bevor sie ihren Bräutigam heiraten sollte. Der offizielle Grund für ihren Tod: Rheuma. In Wirklichkeit hatte sie einen Sohn geboren, der nur eine Stunde lebte. Vermutlich starb Clara Horn an den Folgen der Geburt.

Jacobipark (Hamm) 

 

4 Die Toten unter dem Kirchenschiff

Wer den Hamburger Michel besucht, sollte unbedingt auch der verborgenen Welt unter dem Kirchenschiff einen Besuch abstatten. Bis ins frühe 19. Jahrhundert wurden hier 2000 Menschen beigesetzt, in hunderten Kammern lagen wohlhabende Familien und Prominente wie Carl Philipp Emmanuel Bach. Die teuersten Gräber befanden sich damals unter dem Chor. Aber auch Ämter, Bruderschaften und Sterbekassen erwarben Kammern. Während der Bombenangriffe 1943 rettete die Krypta Leben, als hier zahlreiche Hamburger:innen Zuflucht und Schutz fanden. Hin und wieder finden hier heute Konzerte statt.

Hamburger Michel, Englische Planke 1 (Neustadt)

 

5 Die vergessenen Gebeine von St. Pauli

Im 17. Jahrhundert fanden auf St. Pauli Religionen eine Heimat, die das evangelische Hamburg nicht duldete: Katholiken, Mennoniten, Calvinisten … Die katholische St. Joseph-Kirche am Ende der Großen Freiheit ist ein letztes Zeugnis dieser Zeit. In einer Krypta unter der Kirche lagern Schädel und Gebeine von 350 Verstorbenen, die zwischen 1719 und 1868 bestattet worden waren. Nach dem 2. Weltkrieg war die Gruft in Vergessenheit geraten, über die Toten ist wenig bekannt. In einem etwa fünf Quadratmeter großen Kellerraum sind die Gebeine nun aufgebahrt. Hinter Glas: Sargbeigaben wie Ringe, Rosenkränze, aber auch Zahnersatz oder Perücken. Mittwochs um 12 Uhr wird in der Krypta gebetet, das Beinhaus ist dann offen.

Große Freiheit 41 (St. Pauli) 

 

6 Jüdischer Friedhof Königstraße

Im Judentum wird der Friedhof “Haus der Ewigkeit” genannt. Der älteste jüdische Friedhof im Hamburger Raum zwischen der Königstraße und der Großen Bergstraße in Altona ist weitgehend erhalten. Das Besondere: Hier lassen sich zwei jüdische Traditionen erkennen – die Grabplatten oder zeltförmigen Steindächer der Sefardim, die von der iberischen Halbinsel stammten, und die aufrechten Grabsteine der Aschkenasim, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreichen, als viele aschkenasische Juden vor Progromen in Osteuropa nach Hamburg flohen. Seit 1869 offiziell geschlossen, finden auf dem Gelände Sonntags um 12 Uhr öffentliche Führungen statt.

Königstraße 10A (Altona)

 

7 Wo Ottensens Dichter-Popstar ruht

Die Christianskirche wurde 1735 zu Ehren von König Christian VI. erbaut, als Ottensen noch zu Dänemark gehörte. Auf dem romantischen Kirchenfriedhof liegt seit 1803 das Dichtergenie Friedrich Gottlieb Klopstock begraben – neben seiner 1. Frau (Meta) und seiner 2. Frau (Johanna Elisabeth). Nach Klopstocks Tod wurde der Ort zur Pilgerstätte. Auf anderen uralten Grabsteinen finden sich schnörkelige Inschriften, die klingen, als hätte sie Klopstock persönlich verfasst. Besonders schön​:​ “Schlummere sanft, du gute fromme Seele.Bis auf ewig dieser Schlummer flieht! Zum Wiedersehen sei mir gegrüßt, du Geisterwelt!”

Klopstockplatz (Ottensen)

 

8 Vom Grillen zwischen Grabplatten

Ich erwähne ihn hier nicht zum 1. Mal – aber dieser ehemalige Friedhof darf hier einfach nicht fehlen, allein wegen seiner uralten Rhododendren, Magnolien und Azaleen. 1870 wurde im Wohlers Park auch der Verfasser des Schleswig-Holstein-Liedes, Matthäus Friedrich Chemnitz, zu Grabe getragen. Das letzte Begräbnis fand 1945 statt. Heute picknicken Familien zwischen den Gräbern, man spielt Boule und im Sommer riecht es nach Grill und Kartoffelsalat. Und wenn dann auch noch die Gitarren erklingen und Kindergeburtstage gefeiert werden, sind die Toten der Stadt dem Leben nirgendwo näher als hier.

Norderreihe 2 (Altona)

 

9 Die bunten Gräber der Sinti und Roma

Zwischen den oft zurückhaltend gestalteten Grabreihen auf dem Friedhof Diebsteich fällt ein Bereich sofort ins Auge: Seine Gräber sind farbig und auffallend reich geschmückt mit Plastikblumen, Säulen, Glitzer und allerlei persönlichen Dingen. Fotos zeigen die Verstorbenen, oft mit ihren Lieben. Hier und da liegen kleine Alltagsgegenstände und Geschenke auf den Gräbern, manchmal auch mal eine ungerauchte Zigarette. Diese Gestaltung findet man häufig in der Bestattungskultur von Sinti und Roma und sie zeigt, dass Erinnerung auch laut, bunt und sehr persönlich sein darf.

Am Diebsteich 4 (Bahrenfeld) 

 

10 Gemüsegärten und Tiny Forests

Weil er aus finanziellen Gründen geschlossen wird, kehrt nun Leben auf den Friedhof Bornkamp ein. Viele Gräber ziehen in den nächsten Jahren auf umliegende Friedhöfe. Skurril und schön zugleich: Auf einzelnen Flächen zwischen den Gräbern pflanzen Community-Gärtner, Freiwillige aus der Nachbarschaft und Naturschutzvereine wie der NABU schon jetzt kleine Biodiversitätsinseln und Gemüsegärten an. 

Einige der historischen Gräber, die teils noch aus dem 19. Jahrhundert stammen, dürfen bleiben und werden nun zunehmend von “Tiny Forests”, Sandarien und Blühwiesen umgeben sein – ganz im Sinne lebendiger Vielfalt.

Ruhrstraße 103 (Bahrenfeld) 

 

11 Die letzte Ruhe der Mennoniten

Als die ersten Mennoniten um 1600 aufgrund von religiöser Verfolgung nach Altona flohen, ließen sie sich zunächst auf St. Pauli nieder, wo sie auch ihre Toten begruben. 1873 jedoch verlegten sie ihre Begräbnisstätte nach Bahrenfeld. Dort sind, eingefasst von Buchenhecken, bis heute die alten Grabplatten erhalten, die die Mennoniten einst aus St. Pauli mitnahmen. Die Namen der Verstorbenen erzählen von Grönlandreedern, Großbäckern und einflussreichen Familien wie den Roosens und Van-der-Smissens, die später zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor Hamburgs und Altonas wurden – und bis heute in Straßennamen fortleben.

Holstenkamp 80 (Bahrenfeld)

 

12 Der Friedhof der HSV-Fans

Wenn die Liebe zum HSV über den Tod hinaus reicht, lässt man sich am besten auf dem vereinseigenen Friedhof am Fuße des HSV-Stadions beerdigen und hört auf immer und ewig mit, wenn die Fangesänge von den Rängen schallen. Direkt neben der Westtribüne auf dem Hauptfriedhof Altona gibt es eine eigene Fankurve inklusive blauer Stadionstühle für Angehörige. Das letzte Geleit zum Grab erfolgt durch ein Tor. Man kann zwischen den Ruhestätten „Einzelspieler“, „Doppelpass“ und „Team“ wählen. Natürlich dominieren hier die Vereinsfarben Schwarz, Weiß und Blau. HSV, forever and eeever!

Hellgrundweg (Bahrenfeld)

 

13 Rotlicht-König zwischen Pfeffersäcken

Caspar Voght, Heidi Kabel, der Gründer des Hotels Louis C. Jacob, Bernhard Nocht, Dorothee Sölle: Sie alle liegen hier begraben. Ein Name sticht her-aus: Willi Bartels. Der „König von St. Pauli” lebte über 50 Jahre in einer Villa an der Elbe, während ihm auf dem Kiez ein Imperium gehörte – fast alle Immobilien in der Großen Freiheit, Theater, mehrere Hotels. Bekannt wurde er 1967 mit dem Bau des Eros-Centers, damals das modernste Bordell Europas und Ursprung seines Spitznamens „Puff-Willi“. Kurz vor seinem Tod 2007 soll er wieder auf den Kiez gezogen sein. Die letzte Ruhe jedoch fand er zwischen den pittoresken Gräbern der feinen Elbchaussee-Gesellschaft.

Nienstedtener Marktplatz 19 (Nienstedten) 

 

14 Apfelbäume der Hoffnung

Man kann sie von der A7 aus sehen: Die Sankt-Gertrudkirche, das letzte Überbleibsel eines Dorfes, das einer Erweiterung des Hafens weichen musste. Die Familien haben Altenwerder längst verlassen – meist schon vor Jahrzehnten. Nur die Kirche blieb im Dorf, heute ist sie umgeben von Logistikhallen, Windrädern und einem Container-Terminal. 2018 ist hier der letzte Mensch (Elisabeth Schwartau) beerdigt worden. Hin und wieder wird noch geheiratet. Die Brautpaare pflanzen “Apfelbäume der Hoffnung” am Friedhof. Die Hamburg Port Authority vermietet die Kirche an die Gemeinde. Einige ehemalige Dorfbewohner treffen sich immer noch an jedem 2. und 4. Sonntag des Monats zu Gottesdienst und Kaffeekränzchen im Kirchenschiff.

Kirchhofweg (Altenwerder) 

 

15 Friedhof der guten Ideen

Vielleicht sollte ich hier meine automatische Kraulmaschine für Katzen begraben … Auf Hamburgs „Friedhof der guten Ideen“ gibt es noch freie Grabsteine für Einfälle, die niemals umgesetzt wurden. Geistesblitze, die ins Leere gelaufen sind, finden im Wilhelmsburger Inselpark, gut versteckt zwischen Hochseilgarten und Freilichtbühne, endlich ihren Frieden. Geschaffen wurde diese Ruhestätte für Erfindungen während der Internationalen Gartenschau 2013 als Projekt des Künstlers Mark Wehrmann. Spaziergänger erzählten ihm von Ideen, die sie aus irgendeinem Grund aufgaben… und Wehrmann ließ sie in Stein meißeln.

Wilhelmsburger Inselpark (Wilhelmsburg) 

Alle Orte auf einen Blick

 

Ich dachte mir, dass ich als Postkarten-Motiv statt Friedhöfe dann doch lieber eine Osterkarte zum Download bereitstelle – vielleicht könnt Ihr sie ja noch rechtzeitig an jemanden verschicken! Frohe Ostern!

Achtung: Diese Postkarte darf nur für private Zwecke heruntergeladen werden. Eine Verwendung für kommerzielle Zwecke sowie die Veröffentlichung (z.B. auf sozialen Medien) bedarf meiner Erlaubnis. Danke für Euer Verständnis.

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