Skip to content

Blankenese: Anleitung für einen perfekten Tag an Hamburgs Riviera

Wer nach Blankenese will, sollte Zeit mitbringen. Nicht nur, weil der Stadtteil etwas “ab vom Schuss” liegt, so wie er da ganz im Westen Hamburgs idyllisch am Elbhang klebt. Es gibt auch wahnsinnig viel zu entdecken – eine kurze Stippvisite würde diesem verwunschenen Ort einfach nicht gerecht werden. Nehmt Euch also mindestens einen Tag Zeit und verpasst mithilfe der folgenden Tipps keine Perle in diesem blühenden Irrgarten aus Winkelgängen, Malven, Elbpanoramen und Reetdächern.

Text und Fotos: Frau Elbville aka Susanne Krieg

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Ohne seinen S-Bahnhof wäre Blankenese vielleicht immer noch das Dorf, das es unter dem dänischen König vor hunderten von Jahren einst war. Direkt neben dem Bahnhof kann, wer mag, kurz einen Blick in Goßlers Park werfen, in dem die tempelartige Villa eines zugezogenen Kaufmanns thront, über die ich auch schon in einem älteren Blogbeitrag geschrieben habe. Doch der Reihe nach: Wie genau kommt man zum Bahnhof in Blankenese?

  • Mit der S1 oder S11 z.B. ab Hauptbahnhof oder Jungfernstieg
  • mit dem Bus 22, z.B. ab Kellinghusenstraße

Auch mit dem Fahrrad gelangt man gut nach Blankenese: Von Altona aus fährt man dabei die Elbchaussee immer geradeaus und ist in ca. 30 – 45 Minuten da.

Zum Start: Foto-Safari durch das Treppenviertel

Angekommen? Erst mal Fotos im Treppenviertel machen! Wichtig hierfür: Bequeme Schuhe! Die Kurven und steilen Treppchen erschweren eine Foto-Safari ungemein, wenn man das falsche Schuhwerk trägt. Das eigentümliche Netz aus Stufen und Kopfsteinpflaster, das am Ende der Blankeneser Bahnhofstraße beginnt und sich zwischen Kiekeberg und der Strandpromenade über dem Elbhang ergießt, birgt hunderte Stolperfallen. Dabei verbinden 58 Treppen mit insgesamt 4864 Stufen die Reetdachkaten und schmucken Häuser, die sich in Gassen mit Namen wie „Steiler Weg“, „Rutsch“ und „Krumdal“ aneinander quetschen.

Einen festen Pfad durch diesen Irrgarten gibt es nicht – erkundet ihn auf eigene Faust. Glaubt mir, es findet sich immer ein Weg nach unten oder nach oben. Immer wieder könnt ihr einen Blick auf die Elbe erheischen, auf der die Containerschiffe wie Schrankwände vorbei ziehen. Erst wohnten hier Fischer, später Kapitäne, dann reiche Kaufleute und Reeder. Wer heute hier lebt, hat immer noch Geld, aber kein Auto vor der Tür. In den Treppen gibt es kaum Zufahrten oder Stellplätze. Jede Mülltüte, jede Getränkekiste muss über viele Stufen hinab und hinauf getragen werden.

Geheimtipp: Das Ferienhaus im Treppenviertel

Wem es nichts ausmacht, einen Koffer durch das Treppenviertel zu bugsieren, dem empfehle ich eine ganz besondere Unterkunft: Die putzige “Fischerwohnung” für 2 Personen (ggf. plus Kleinkind) gibt einem mit ihren 30 Quadratmetern Wohnfläche und dem Mini-Garten noch eine gute Vorstellung davon, dass es, räumlich gesehen, für Blankeneser Fischerfamilien keinen überbordenden Luxus gab.

– “Fischerwohnung Blankenese”, Blankeneser Hauptstraße 41, Website / Google Maps

Unten am Strand

Das erste Haus, das unten am Strand ins Auge fällt: eine historische Villa, 1902 erbaut. Im “Strandhotel Blankenese” herrscht eine noble und dennoch gemütliche Atmosphäre. Derzeit werden die 16 Hotelzimmer umgebaut. Viele HamburgerInnen schwören auf den Kuchen, den man im Salon (mit britischem Touch) oder auf der Terrasse genießen kann, auch wenn man kein Hotelgast ist und oben gerade renoviert wird.

Strandhotel Blankenese, Strandweg 13,  Website / Google Maps

Den schönsten Garten am Strandweg dürfte der Buchhändler Hinner Sautter sein eigen nennen. Er ist Alt-Blankeneser “Uradel”, sogar mit seefahrendem Großvater. Ihr uriges Doppelhaus teilen sich die Sautters dabei mit einer Architektenfamilie. Wahrscheinlich hegt und pflegt diese WG den wohl meistfotografierten Vorgarten Hamburgs … Auch ich habe ihn schon mehrfach abgelichtet.

Zum Leuchtfeuer

Der frühere, mit Graffiti überzogene „Leuchtspargel“ am Blankeneser Strand ist aufgrund der Elbvertiefung und einer Verbreiterung der Fahrrinnen durch einen neuen Turm 125 Meter südlich ersetzt worden. Vom neuen “Leuchtfeuer-Balkon” ist die Panoramasicht auf die mit Häusern gespickten Elbhänge grandios!

Blankeneser Segel-Club

Mit über 800 Mitgliedern ist der Blankeneser Segel-Club (der die aktuelle Abo-Postkarte schmückt) im Windschatten des Leuchtfeuers eines der Zentren der  “Dorfgemeinschaft”. Gegründet 1898, trägt er jedes Jahr internationale Regatten auf der Elbe aus. Übrigens entstammt dem Blankeneser Segelvolk der erste weibliche Kapitän Deutschlands: Anneliese Teetz machte 1955 das Kapitänspatent, nachdem sie  – als Junge verkleidet und mit abgeschnürter Brust – auf Fischdampfern zur See gefahren war und das Steuermannspatent gemacht hatte. 1991 ertrank sie, als sie im Kajak die Elbe überqueren wollte. Sie war zu diesem Zeitpunkt 81 Jahre alt. Hier könnt Ihr einen interessanten NDR-Radiobeitrag zu Anneliese Teetz hören.

Auf dem Ponton

Nicht unbedingt das beste Preis-Leistungsverhältnis, dafür aber einen schönen Platz am Wasser hat das Restaurant am Ponton Up’n Bulln. Man sitzt direkt auf dem Anleger. Von hier legen auch die Fähren alle halbe Stunde nach Cranz im Alten Land ab: Sie brauchen ca. 20 Minuten. Hier geht’s zum  Fahrplan. Ein Abstecher ins Alte Land (z.B. zur Kirschblüte oder zur Apfelernte) würde jedoch mindestens einen weiteren Tag Zeit in Anspruch nehmen. Wenn Ihr mehr über das Alte Land, Hamburgs Obstgarten, erfahren möchtet, besucht gern meinen Blogbeitrag hierzu!

Das alte Fischerhaus

Das Treppenviertel entstand, nachdem Blankenese ab 1640 dänisch und zu einem wichtigen Hafen mit der mächtigsten Fischfangflotte Dänemarks wurde. Die Fischer lebten in kleinen, reetgedeckten Häusern. In der Elbterrasse 6 (auf halber Höhe des Süllbergs) wurde eines dieser Häuser als Museum hergerichtet: ein „Dreehus“ für drei Familien mit zwei „Lüttwohnungen“. Nach einer kleinen Mittagsmahlzeit am Strand empfehle ich den Aufstieg. Nach seiner Sanierung wird sich das Fischerhaus nun wohl bald wieder in eine Seniorentagesstätte mit Museumsräumen verwandeln. Etwas schräg: An einem Infokasten vor dem Haus hat jemand ein anonymes Schreiben aufgehängt, in dem das neue „fürchterliche Schlüpperrot“ angeprangert wird, in dem das restaurierte Gebäude nun leuchtet. Dies habe allein Architekt Alk Arwed Friedrichsen zu verantworten, ist dort zu lesen. „Was hat ihn nur zu dieser Farbe bewegt, die historisch nicht belegt ist und so in Blankenese nie vorkam?“, fragt sich da jemand in dicken, aufgebrachten Lettern. Also, ich find’s ziemlich schön!

Historisches Fischerhaus, Elbterrasse 6, Website / Google Maps

Kaffeegarten Schuldt

Der Kaffeegarten Schuldt in der Süllbergsterrasse 30 ist nicht ganz einfach zu finden. Doch er hat eine Terrasse mit ebenfalls unbezahlbarem Blick auf die Elbe. Das Lokal gibt es seit 1877. Die Frau eines Fischers hatte als erste Blankeneserin die Idee, Ausflüglern nicht nur den Kaffee aufzubrühen, sondern ihnen in ihrem Gemüsegarten auch Kuchen zu servieren. Auch heute schmecken die hausgemachten Kuchen und Torten fantastisch – aber die warmen Waffeln sind der eigentliche Knaller.

– Kaffeegarten Schuldt, Süllbergsterrasse 30 / Website / Google Maps

Der Gipfel: Auf dem Süllberg

Aufgrund seiner Lage über dem Häusermeer und wegen seiner beiden Türme ist der Süllberg so markant, dass er gelegentlich auch als „Hausberg Blankeneses“ betitelt wird. Vor Kurzem habe ich endlich den “Lookout” aufgesucht, den Ihr auf dem rechten Bild seht. Dafür muss man sich einen Schlüssel abholen … Der Aussichtsturm befindet sich in einem Ausflugslokal, das 1837 eröffnet wurde. Später kamen ein Hotel und ein Ballsaal (siehe rechtes Foto) hinzu. Neuerdings kann man hier in einem “Alm-Restaurant mit moderner Bergküche unter italienischem Einfluss” speisen. Einfach an der Rezeption melden und nach dem Schlüssel für den Turm fragen. Auf der anderen Elbseite seht Ihr übrigens Airbus auf Finkenwerder.

– Süllberg Restaurant & Hotel, Süllbergsterrasse 12, Google Maps/ Website

Zurück an den Strand: Schiffswracks & Fischbrötchen

Nach dem höchsten Punkt kommt ein Abstieg zurück an den Strand von Blankenese, wo Ihr es Euch z.B. mit einem Fischbrötchen aus der Strandbar Kajüte SB 12 (Kosten: 5-6 Euro) im Sand gemütlich machen könnt. Dabei lässt sich ein altes Schiffswrack bestaunen, dessen Rumpf aus dem Wasser ragt und auf dem der Name „Uwe“ zu lesen ist. 1974 strandete Uwe nach einer Kollision in Blankenese, der Bug wurde später abtransportiert und zerschrottet, das Heck erwies sich jedoch als zu schwer. Und so ragt es seither am Elbstrand aus dem Wasser… (Die ganze Geschichte von Uwe kennt Ihr vielleicht auch schon aus meinem Buch “Kuriose Orte in Hamburg”, das ich gerade nachdrucken lasse).

– Kajüte SB 12, Strandweg 79, Website / Google Maps

Abstecher zum römischen Garten

Bereits in den 20er und 30er-Jahren wurden auf dem Kösterberg, dem Nachbarhang des Süllbergs, in einem Römergarten Freilichtaufführungen für die feine Gesellschaft gezeigt. Hier findet in den Sommermonaten immer noch ganz großes Theater statt. Der Garten gehört zu Anwesen, die einst von den Warburgs bewohnt wurden, einer jüdischen Bankiers-Familie. 1938 musste sie Hitler-Deutschland verlassen. Nach Ende 2. Weltkriegs erhielten sie ihre Besitztümer auf dem Kösterberg zurück. Doch die Warburgs sollten nie wieder nach Hamburg zurück kehren. Der Römergarten wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In zwei der Häuser richtete die Familie nach dem krieg ein Heim für jüdische Kinder und Jugendliche ein, die in den Konzentrationslagern überlebt hatten. Mehr zu diesem Kinderheim habe ich diesem Blogbeitrag geschrieben.

– Kösterbergstraße 62 / Google Maps / Website 

Mit der “Rennziege” zurück zum Bahnhof

Wer ohne Treppensteigen zurück zum Bahnhof von Blankenese gelangen will, kann alternativ auch den Bus 488 (früher 48) nehmen. Von den Einheimischen wird er liebevoll “die Bergziege” genannt. Er fährt alle zehn Minuten vom Fähranleger am Ponton zum Blankeneser Bahnhof und wieder zurück. In ca. 18 Minuten. Um den Weg durch die Enge des Treppenviertels bewältigen zu können, müssen die Verkehrsbetriebe Busmodelle einsetzen, die deutlich kleiner sind als die klassischen Gelenkbusse. Die Bergziege ist darum kaum größer als ein Wohnmobil – und zudem der erste reine Elektrobus, den Hamburg seit 2014 im Linienverkehr einsetzt. Und das auf der reinsten Achterbahnfahrt! Bergauf, bergab und durch jede noch so schmale Gasse… Nur für BusfahrerInnen mit starken Nerven.

Hier geht’s zum Fahrplan der Bergziege!

Baurs Park

Wer noch nicht genug hat, für den gibt’s hier noch einen kleinen Extratipp im östlichen Teil Blankeneses: Baurs Park, im 19. Jahrhundert im Auftrag des Kaufmanns Georg Friedrich Baur vom französischen Architekten Joseph Ramée im englischen Stil auf zusammenaufgekauften Grundstücken angelegt – mitsamt einem gotischen Turm, Tempeln und Waldhütten, einer chinesischen Pagode, Grotten und Kanonenberg (von dem aus der Kaufmann seine eigenen Schiffe per Böllerschuss begrüßte). Zwischen mächtigen Bäumen glitzert die Elbe. Erhebender Weitblick für alle, die immer noch hoch hinaus wollen.

→  Baurs Park / Karte

Falkensteiner Ufer

Wer nun noch mehr Natur erleben möchtet und entsprechend Zeit zur Verfügung habt, sollte sich auf jeden Fall noch zum Falkensteiner Ufer aufmachen. Der Strand ist einer der schönsten an der Elbe: feiner Sand, unfassbarer Blick, umgeben von Wäldchen. Einen Campingplatz gibt’s dort übrigens auch: Wer nach einem perfekten Sommertag am Elbstrand also nicht heim fahren möchte, bleibt über Nacht. Preise: Erwachsene 8,50 Euro; Kinder 2,50 Euro; Wohnmobil ab 16,90 Euro, Zelt ab 8,90 Euro.

Elbecamp, Falkensteiner Ufer 101, Website / Google Maps

___________________________

Liebe Elbville-Förder-Fördermitglieder, die Postkarte #34 könnt Ihr Euch wie immer hier herunter laden! Liebste Grüße und einen Mega-Dank für Euren Support! ❤️ Eure Frau Elbville

An den Anfang scrollen