Wildes Vergnügen: Wo sich in Hamburgs Architektur tierische Kuriositäten verstecken
Es muss nicht immer der Zoo sein, um in Hamburg Tiere aufzuspüren. Zugegeben, die Osterhasen auf der aktuellen Abo-Postkarte für Fördermitglieder sind nicht echt. Doch sie deuten an, worum es in diesem Beitrag geht: Wie auf der Suche nach Ostereiern habe ich tierische Kuriositäten in der Hamburger Architektur gesammelt – in Form von tönernen, gusseisernen oder steingewordenen Zoo-Objekten. Erfahrt, wo Ihr Ratten, Tümmler, Elefanten, Pudel, Kraniche und Andenkondore findet und welche Geschichten die Tiere des Asphalt-Dschungels erzählen …
1. Fliesenkunst im Jugendstil: Die untergegangene Tierwelt der Elbe

Wer durch den alten, 1911 eröffneten Elbtunnel läuft, taucht ab in eine untergegangene Wasser-Fauna: Auf historischen Keramikkacheln, im Abstand von sieben bis acht Metern angebracht, kann man in der 426 Meter langen, frisch restaurierten Ost-Röhre insgesamt 14 Tierdarstellungen bewundern (von denen Ihr hier einige seht). Kaum zu glauben, dass sich all diese Tiere vor 100 Jahren noch in und an der Elbe in großer Zahl tummelten: Robben, Hummer, Aale, Seesterne, Schollen, Tümmler, Störe… Und auch ein paar Kanal-Ratten in Seemannsstiefeln sind verewigt worden. Soweit ich weiß, sind zumindest diese heute noch nicht ausgestorben.
→ Bei den St. Pauli-Landungsbrücken 5, 20359 Hamburg / Karte & Website über den Bau des Tunnels
2. Die Elefanten im Hinterhof

Viele Hamburger Kaufleute bereicherten sich in Afrika – und entsprechen dabei keineswegs dem Bild des häufig gepriesenen “ehrbaren Kaufmanns”. Auch Adolph Woermann machte sich einen Namen als Afrika-Ausbeuter, genauer gesagt mit einem lukrativen, aber umso fragwürdigeren “Tauschhandel”: Schnaps gegen Elfenbein, Kautschuk und Palmöl. Seine Rohstoffe ließ er sich von Einheimischen, die er zuvor alkoholabhängig gemacht hatte, an seine Küstenfaktoreien im Westen des afrikanischen Kontinents liefern. Der Kaufmann profitierte dabei außerordentlich vom Kolonialkurs des deutschen Reiches, stieg zeitweise sogar auch noch zum größten Privatreeder der Welt auf. Das Afrikahaus in der Großen Bleichenstraße erinnert an den skrupellosen Aufstieg: Das Portal im Innenhof fällt mit zwei riesigen, aus Metall gegossenen Elefanten ins Auge. Bis heute residiert die Firma Woermann in diesem Gebäude – und verdient ihr Geld nach wie vor in Afrika … An dieser Stelle ein Buchtipp zum kolonialen Erbe Hamburgs: “Hamburg: Tor zur kolonialen Welt. Erinnerungsorte der (post-)kolonialen Globalisierung”.
– Afrikahaus, Große Reichenstraße 27 / Website / Google Maps
3. Der Kondor am Schiffsbug

Wie eine Galionsfigur klebt der Vogel am Gebäude. Man könnte meinen, es sei ein Reichsadler. Aber an der Spitze dieses ikonographischen Backstein-Baus ist tatsächlich ein Andenkondor zu sehen. Wie auch der Name des Gebäudes weist der Kondor (ähnlich dem oben genannten Afrikahaus) darauf hin, in welcher Gegend der damalige Bauherr des Klinkerkoloss sein Vermögen machte: Als Henry Sloman das Chilehaus 1924 fertig stellen ließ, hatte der Reeder und Bankier das Gebäude mit Geld aus dem Salpeterhandel bezahlt. Salpeter, auch „weißes Gold“ genannt, wurde im 19. Jahrhundert zum unverzichtbaren Rohstoff für die Herstellung von Düngemitteln, Sprengstoffen oder Farben. In Slomans Minen arbeiteten tausende Männer unter Extrembedingungen, denn der Salpeter befand sich mitten in Chiles Atacama-Wüste, der trockensten Wüste der Welt. Slogans Kontorhaus an der Elbe, das von seiner Form her an ein mächtiges Schiff erinnert, wurde 1984 zum Weltkulturerbe erklärt.
– Chilehaus, Fischertwiete 2A / Google Maps
4. Die Fischlüüd am Fischmarkt

Kein Geheimnis: Der Fischmarkt von Altona findet in aller Frühe am Sonntag statt – seine Marktstände gehören zu der größten Touristenattraktion der Stadt. Weniger bekannt sind jedoch zwei kleine Schilder unterhalb der Brücke, über die am oberen Ende des Fischmarkts die Breite Straße verläuft. Darauf ein Mann und eine Frau in Finkenwerder Tracht, die scheinbar von jeweils zwei Fischen getragen werden. Die beiden Figuren weisen auf ehemalige Toiletten hin, die für die Öffentlichkeit leider nicht mehr offen sind. Schade auch, dass die Schilder vernachlässigt aussehen. Dabei scheinen sie ja ein Stück echte, alte Hamburger Klokultur zu sein! Diese beiden Fischköppe könnten gut mal wieder etwas Farbe und Zuwendung gebrauchen. Oder?
– Altonaer Fischmarkt / Google Maps
5. Der goldene Schwan und die Apotheke

Schwäne sind die Glückssymbole der Stadt Hamburg. Als weiß gefiederte Schönheiten zieren sie die Alster. Ein goldener Riesenschwan findet sich hingegen in der Dammstorstraße 27. Dort ziert er die Front einer alten Apotheke sowie Ärztehauses. Die Schwan-Apotheke gab es in Hamburg dabei bereits seit 1765, doch zunächst befand sie sich in der Mattentwiete, dann am Neuen Kran, woraufhin sie an den Gänsemarkt zog, von wo sie 1842 schließlich an die Dammtorstraße verlegt wurde. Der „Neubau“ von 1911 galt damals als die modernste Apotheke des Landes. Geht ruhig mal hinein – auch das Treppenhaus sieht unglaublich prächtig aus. Herrlich ist auch die alte Einrichtung der Apotheke, die die einzige noch erhaltene Ladenausstattung eines Hamburger Kontorhauses zeigt.
– Schwan-Apotheke, Dammtorstraße 27, 20354 Hamburg
6. Der Kranich am chinesischen Tempel

Der Kranich symbolisiert in der chinesischen Mythologie Weisheit und ein langes Leben. Ein paar hundert Meter hinter dem Völkerkundemuseum an der Rothenbaumchaussee hat Shanghai seiner Partnerstadt Hamburg einen Garten samt Teehaus, Seerosenteich – und Kranich geschenkt. Als Mosaik ist er im Boden des Pavillons eingelassen. Besucht doch mal dies kleine, fernöstliche Oase, die sich Yu Garden nennt…
– Feldbrunnenstraße 67, 20148 Hamburg / Google Maps
7. Das Fabelwesen im Versmannhaus

Ein Pferd mit Flossen und Fischschwanz: Das entdeckt man im Treppenhaus des sogenannten “Versmannhauses” (benannt nach einem Hamburger Bürgermeister). In dem Gebäude am Rathaus-Markt befinden sich u.a. Praxen. Streng genommen stellt das Bodenmosaik in der Eingangshalle jedoch kein Tier, sondern ein Fabelwesen dar. Und um was für ein magisches Wesen handelt es sich genau? Um ein Hippokamp oder Hippokampos (altgriechisch für hippos „Pferd“ und kampos „Seeungeheuer“). In der griechischen Mythologie wird es oft als Zug- oder Reittier verschiedener Meeresgötter dargestellt. Sein Vorderteil hat manchmal Flügel, der hintere Fischteil mit Rückenflosse ist meist eingerollt wie eine Schlange. Ob dieses Exemplar hier am Meeresgrund schwimmt? Ich habe den Eindruck, angesichts des Grüns könnte er es eher die Elbe sein …
– Mönckebergstraße 27, 20095 Hamburg / Google Maps
8. Und woher hat der Hühnerposten seinen tierischen Namen?

Weil es ja in wenigen Tagen auch wieder um das Eierfest geht, soll hier zu guter Letzt noch der Hühnerposten erwähnt sein: In der Nähe des Hauptbahnhofs gelegen, befindet sich heute u.a. das Zentrum der Öffentlichen Bücherhallen darin. Die Entstehungsgeschichte des Namens ist zwar nicht mehr genau zu ermitteln. Doch hier eine skurrile Überlieferung aus dem Jahr 1682: Demnach erinnert der Name an einen einsamen, vor den Toren der Stadt gelegenen Wachposten. Auch ein Wirtshaus soll es dort gegeneben haben, in dem die Bewohnerinnen der Deichgegend und der Elbinseln beim Tanz ihre bunten Röcke fliegen ließen. Von deren flatternden Bewegungen (sofort denke ich an das Moulin Rouge und Can Can…) soll sich der Name abgeleitet haben.
– Hühnerposten / Google Maps

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Liebe Elbville-Förder-Fördermitglieder, die Postkarte #32 könnt Ihr Euch wie immer hier herunter laden! Liebe Grüße, schöne Oster-Feiertage und natürlich: Danke für Euren Support! ❤️
Eure Frau Elbville

