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Landungsbrücken, raus! Meine Tipps rund um die Pontons an der Hamburger Hafenkante
Die Hamburger Band Kettcar hat den Landungsbrücken vor Jahren schon eine Hymne gewidmet, in der es völlig zurecht heißt: „Dieses Bild verdient Applaus!“ Ich setze in diesem Begleitpost zur 19. Elbville-Postkarte noch eins drauf – mit sechs Gründen, weshalb man Hamburgs Landungsbrücken und ihre Umgebung einfach feiern muss…
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1. Die Jan-Fedder-Promenade

Möwen kreischen, Masten klappern im Wind. Moin, wir stehen hier gerade am Baumwall. Von diesem führt eine Uferpromenade zu den Landungsbrücken. Seit April 2022 trägt die Promenade offiziell den Namen eines 2019 verstorbenen Hamburger Schauspielers: Jan Fedder. Ja, richtig, man kennt ihn vielleicht noch als Polizisten Dirk Matthies aus der Krimiserie “Großstadtrevier”. Ganz in der Nähe der Promenade war die Kneipe seiner Eltern, und auch Jan Fedder selbst hatte hier seinen Lebensmittelpunkt. Vielleicht ging er ja auf der Promenade auch ganz gern mal in den etwas versteckten Eingang zwischen den zwei Souvenirläden, über den man auf eine überdachte Fußgängerbrücke gelangt? Ihr Name klingt für mich immer nach Ozean und großer, weiter Welt: “Überseebrücke”. Bis 1970 führte sie tatsächlich noch auf einen Ponton, an dem große Dampfer ablegten, z.B. Fähren nach England oder Kreuzfahrtschiffe, die um die Welt fuhren. Heute dient der rechte Teil des Pontons dem Museumsschiff Cap San Diego als Liegeplatz.

Die Cap San Diego fuhr ab 1962 als Frachter für die Hamburg-Südamerikanische Dampfschiffahrtsgesellschaft auf dem Atlantik. Eine Besichtigung lohnt sich – ihre originale Einrichtung ist wirklich der Knaller.
— Überseebrücke (an der Jan-Fedder-Promenade) / Google Maps
2. Das Portugiesenviertel

Gleich hinter der Jan-Fedder-Promenade, kurz vor der S-Bahnstation Landungsbrücken befindet sich links das “Portugiesenviertel”. In seinen engen Straßen hängt ein angenehm leichter Hauch von Knoblauch und frisch gegrilltem Fisch in der Luft, der Lust auf die vielen portugiesischen, aber auch spanischen Restaurants, Cafés und Bars macht. Bei schönem Wetter sitzt man wie im sonnigen Süden an Tischen und Bänken vor den Läden. Na, wie wär’s mit einem Pastel de Nata (portugiesische Puddingtasche mit Blätterteig)? Und, bitte, nicht vergessen: Wer einen Milchkaffe bestellen möchte, ordert hier keinen “Latte” sondern “Galao”! In Hamburg lebt übrigens die zahlenmäßig bedeutendste portugiesische Gemeinde deutschlandweit, viele von ihnen kamen in den 1970ern ins Portugiesenviertel – wegen der damals noch günstigen Mieten und Arbeitsplätze im Hafen. Genauso lange gibt es auch schon den Schriftzug “Milch” an einem Laden in der Ditmar-Koel-Straße 22: Während hier früher Schauermänner und Kaiarbeiter auf dem Weg zur Arbeit belegte Brötchen und Schnaps kauften, kann man im heutigen Café “Milch Feinkost” den feinen, selbstgerösteten Kaffee des Inhabers in stilvoller Atmosphäre trinken.
– Café Milch Feinkost, Ditmar-Koel-Straße 22 (Portugiesenviertel) / Google Maps
3. Die Halunder: Destination Helgoland

Helgoland, du kleines Eiland mitten in der rauen Nordsee! Im vergangenen Herbst habe ich der Hochseeinsel, die aus historischen Gründen zum Landkreis Pinneberg gehört, mal wieder einen Besuch abgestattet. Hingekommen bin ich mit dem Halunder-Jet, der seine Fahrgäste in nur dreieinhalb Stunden von Hamburg durch die Elbe auf die Insel bringt.

Zwischen April und Ende Oktober startet der Hightech-Katamaran täglich um 9 Uhr morgens an den – Ihr ahnt es schon: Landungsbrücken. Um 11:30 Uhr (Di+Do 11:15 Uhr) gibt’s dabei einen Halt in Cuxhaven (auch nett!) und um 12:45 Uhr (Di+Do 12:30 Uhr) kann man auf Helgoland von Bord gehen. Retour gehts um 16:30 Uhr (Di+Do 17 Uhr), um 20:30 Uhr ist man wieder in Hamburg. Ein großartiger Tagesausflug – oder auch ein herrlicher Trip für ein verlängertes Wochenende. Klingt gut? Dann Leinen los! Mehr Infos gibts auf der Website der FRS Helgoline.
4. Der Stintfang und sein neuer Weinberg

Vom Stintfang, einem Hügel oberhalb der S- und U- Bahnstation Landungsbrücken genießt man einen exklusiven Blick auf die Landungsbrücken und den Pegelturm. Lange befand sich unterhalb der Aussichtsplattform eine Baustelle. Nun soll am Hang wieder Wein angebaut werden. Nach “alter” Tradition. Denn einen Weinberg (Hamburgs einzigen, wohlgemerkt! ;-)) gibt es hier seit 1995, als ihn Wirte des “Stuttgarter Weindorfs” der Stadt schenkten. Für die Baustelle musste er jedoch gerodet werden. Die neuen Reben sind dieses Mal ein Geschenk des Landes Baden-Württemberg. Bis zur ersten Lese wird es allerdings noch drei bis vier Jahre dauern. Um den neuen Weinberg wird sich wieder der Stuttgarter Weinbauer Fritz Currle gemeinsam mit ehrenamtlichen Hamburger Winzer:innen kümmern. Anders als im ersten Weinberg, in dem Reben der Sorten “Regent” und “Phoenix” wuchsen, soll es im neuen nur die roten “Regent”-Trauben geben. In den Genuss des “Stintfang Cuvées” kommen ausgewählte Gäste Hamburgs, an die die Stadt die Rarität verschenkt. Prösterchen!
– Alfred-Wegener-Weg 5 / Google Maps
5. Welches Fischbrötchen hat eigentlich die beste Ökobilanz?

Fischbrötchen gibt’s an den Landungsbrücken alle paar Meter und in rauen Mengen. Und es lässt sich darüber streiten, wo genau man die besten findet. Ich bilde mir ja immer ein, dass die “Brücke 10” ganz am Ende der Pontons der Kiosk mit den leckersten Fischbrötchen ist. Aber dann habe ich mal gehört, dass eigentlich alle Anbieter hier am Hafen den Fisch und selbst die Brötchen vom gleichen Lieferanten beziehen. Darum ziehe ich jetzt mal Ökobilanz und gebe stattdessen einen Tipp, welche Sorte Fischbrötchen Ihr mit gutem Gewissen kaufen könnt: Und siehe da – im Vergleich ist Hering scheinbar die ökologisch beste Wahl, sagen Experten. Ohne Einschränkungen empfehlen lässt sich aber nur Hering aus der Nordsee. Denn die Heringsfischerei erfolgt dort nachhaltig und ohne viel Beifang. PS: Aufpassen! Auch Möwen lieben Fischbrötchen (als Beifang) und liegen an den Landungsbrücken überall auf der Lauer!
6. Kapitän Schröder

Unter dem Durchgang zur Brücke 3, direkt am Pegelturm der Landungsbrücken, hängt eine schlichte Gedenktafel. Darauf wird an die schicksalhafte Fahrt der “St. Louis” gedacht, einem Dampfer mit über 900 Flüchtlingen, fast alle deutsche Jüdinnen und Juden, die am 13. Mai 1939 den Hamburger Hafen verließen, um der national-sozialistischen Verfolgung zu entkommen. Ihr Ziel: Kuba. Ihre Hoffnung zerbrach, als die kubanische Regierung die Einreiseerlaubnis zurückzog. Nach tagelanger Ungewissheit durften 23 Passagiere von Bord. Für den Rest begann eine mehrwöchige Irrfahrt durch den Atlantik, die am 17. Juni in Antwerpen endete, wo die Niederlande, Belgien, Großbritannien und Frankreich den Flüchtlingen endlich Zuflucht gewährten.

Später gerieten Zweidrittel von ihnen dennoch in die Gewalt der Nazis und wurden zu Hunderten ermordet. Doch Rad Vashem, die internationale Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem, ehrte den Hamburger Kapitän der St. Louis, dennoch 1993 mit dem Titel “Gerechter unter den Völkern”. Dabei soll der 1885 im dänischen Haderslev geborene Gustav Schröder ein “leiser Held” gewesen sein, der bei seiner Reederei in aller Stille und aus freien Stücken abmusterte. Details der Irrfahrt veröffentlichte er erst nach Kriegsende. Briefe an seinen behinderten Sohn Rolf unterschrieb er als „Papitän“. Die Briefe sind unlängst in einer alten Seekiste aufgetaucht, die sein Großneffe auf dem Dachboden gefunden hat. Die Familie hat die Seekiste des Kapitäns, die noch weitere Erinnerungsschätze enthält, nun an das Internationale Maritime Museum in der Koreastraße übergeben, wo sie seit neuestem in der Dauerausstellung zu sehen ist. Die Geschichte der St. Louis wurde übrigens 1976 in Großbritannien verfilmt mit Max von Sydow, Faye Dunaway in den Hauptrollen:

