Auf ein frohes Neues: Meine 10 liebsten Neuentdeckungen des letzten Jahres
Da denkt man, dass man Hamburg kennt wie seine Regenmanteltasche – und dann, huch, stolpert man doch immer wieder über Neues: Wilde Kerle hinterm Jenischhaus, eine Tankstelle für Pflanzen und Kristalle, immersive Meisterwerke, ein Kreativplanet als Kaufhaus, Sleepins in der Buchhandlung … Ich hoffe, mit diesem Resümee meiner liebsten Hamburg-Neuentdeckungen bekommt Ihr so richtig Lust auf’s neue Jahr.
1. Das Café im schönsten Haus der Mönckebergstraße
Vielleicht kennt Ihr das unter Denkmalschutz stehende “Hulbe Haus” in der Mönckebergstraße bereits: 1911 wurde es von einem Buchbinder und Lederkunsthandwerker erbaut und ist heute seit längerem schon die Filiale eines Modelabels. Neu ist nun, dass es im 3. Stock ein Café gibt, in dem man inmitten von farbenfrohem Design (es erinnert an Legosteine) Kaffeespezialitäten und Snacks genießen kann. Außerdem lässt man hier die alte Tradition der Coffee-Table-Magazine wieder aufleben. Also: Smartphone weglegen und beim Kaffee durch schwere, echte Seiten blättern – ein haptisches Highlight! Ich werd’s an diesem Ort 2024 wohl noch öfters machen.
– OMEN Café, Mönckebergstraße 21, Website / Google Maps
2. Die “Prana Station” in der Tankstelle

Denkmalgeschützte Tankstellen gibt es in Hamburg einige. Die hier gezeigte befindet sich vor den legendären Grindelhochhäusern. Hineingezogen ist ein pittoresker, dschungelartiger Laden namens “Prana Station”. (nachdem die kleine Zweigstelle von “Winkel van Sinkel” nach Corona ausziehen musste). Hanna und Zelda verkaufen nun Pflanzen und Kristalle, Duftkerzen und andere Dinge zum Durchatmen. Früher befand sich unter der Tankstelle übrigens die Zufahrt zu einer Tiefgarage unter den Grindelhochhäusern, der ersten Hochhaussiedlung Deutschlands. In den 12 gigantischen Gebäuden lebten Mitglieder der britischen Besatzungstruppen, bis sie nach Frankfurt zogen. Danach wohnten in den 2.122 Wohnungen rund 5.400 Hamburgerinnen und Hamburger … In den Blöcken befinden sich heute (meist im Erdgeschoss) noch weitere Läden, daneben auch Restaurants und Büros sowie das Bezirksamt Eimsbüttel – mit einem noch fahrenden Paternoster!
– Grindelberg 62, Alte Tankstelle vor Bezirksamt, Website / Google Maps
3. Wo die wilden Baum-Kerle wohnen
Den Jenischpark in Klein-Flottbek mit seinem kubusartigen Herrenhaus und dem Blick über die Elbe besuche ich so oft ich kann. Doch diesen Sommer habe ich mir zum ersten Mal etwas bewusster die alten, ziemlich interessanten Bäume im Abschnitt hinter dem Jenischhaus angeschaut. Dort ließ der Bankier und Senator Martin Johann von Jenisch ab 1828 auch ein inzwischen leider verlassenes Gewächshaus für Palmen, Kakteen und Orchideen bauen. Als Pflanzenliebhaber kaufte und sammelte er exotische Pflanzen aus aller Welt. Und so findet man auch kuriose, z.T. sehr alte Baumgestalten auf Jenischs ehemaligem “Pleasureground” . Besonders angetan hat es mir ein 170 Jahre alter Hänge-Schnurbaum, in den man wie in ein grünes Zelt hineinwandernd kann. Er wirkt wie ein freundliches Urzeitwesen, das im Wind zittert und sich über jeden Besuch freut. Zeit für ein bisschen “Treehugging” …
– Baron-Voght-Straße 50, Website / Google Maps
4. Abtauchen und staunen: Immersiver Kunstgenuss
Sie leuchten, bewegen sich und sind begehbar: In Hamburg kann man neuerdings, begleitet von Musik und Stimmen aus dem Off, in Meisterwerke der Kunst abtauchen. In der Gaußstraße in Ottensen hat der immersive Trend begonnnen: In einer Halle erwachte dort zunächst “Monets Garten” zu Leben. Dann kam Frida Kahlo. Und noch bis Ostern 2024 kann man ins Alte Ägypten reisen, zu den Pyramiden, mitten hinein ins Grab von Tutanchamun (Mehr Infos hier). Mit dem “Port des Lumières” eröffnet im Frühjahr 2024 in der HafenCity nun sogar das erste und größte dauerhafte digitale Kunstzentrum für immersive Kunst in Norddeutschland. Zum Start darf man sich auf gleich drei Ausstellungen freuen:“Gustav Klimt – Gold und Farbe”, “Auf den Spuren der Wiener Secession” mit Kunst von Friedensreich Hundertwasser und „Journey“, ein zeitgenössisches, experimentelles Projekt… Mehr erfahrt Ihr hier: https://www.port-lumieres.com/de
5. Ein Tag auf Sylt
Letzten Sommer zum ersten Mal gemacht: Ein Schleswig-Holstein-Ticket für 29 Euro gekauft, mein Rad geschnappt (+ 6 Euro Fahrtkosten gelöst) und um kurz nach 8 Uhr morgens vom Bahnhof Altona für einen Tag nach Sylt gefahren. 3 Stunden Zugfahrt durch Schleswig-Holstein bis Keitum. Kurz vor 6 Uhr abends in Westerland mit dem Zug wieder zurück. Dazwischen: Zeit genug, eine herrliche Radtour über die Insel zu machen. Hinter Keitum einen Schlenker über Munkmarsch, Brarderup, Kampen und Wenningstedt. Unterwegs zahlreiche Möglichkeiten, sich im Meer abzukühlen. PS: Die Trüffel-Pommes im Schickeria-Strandbistro “Buhne 16” in Kampen waren mir dann doch etwas zu teuer… Aber für ein kühles Getränk hat’s gereicht!
6. Das Maquis: Vegetarisches Restaurant der neuen Dimension
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Unauffällige Schale, spektakulärer Kern: Wer vor dem Maquis steht, ahnt nicht, was für ein Juwel sich im Innern befindet. Dieses kleine Restaurant in Altona-Altstadt empfehle ich allen, die immer noch glauben, vegetarische Küche sei dröge. Denn Koch Johan ist ein grüner Virtuose. Meisterhaft komponiert er kreative, fleischlose Menüs der neuen Dimension mit unerwarteten Geschmackserlebnissen aus Kohlrabi, Roter Bete oder Spinat. Bei den Maquis-Menüs jagt ein Gaumenfeuerwerk das nächste. Selbst der Nachtisch – wie z.B. Apfel mit Glace au foin, Walnuss und Sellerie – ist eine unglaubliche Freude. Koch Johan kommt oft persönlich an den Tisch, erläutert unaufdringlich seine Werke. Und trug in unserem Fall auch noch einen riesigen Bovisten unter dem Arm, den er, frisch auf dem Isemarkt erstanden, außerplanmäßig für Interessierte als Pilzschnitzel zubereiten wollte … Und die Seele schreit: Nun werde ich endlich doch Vegetarierin! Weiterer (Karma-) Pluspunkt: Irgendwann sitzen auch die Mitarbeitenden aus Küche und Service gemeinsam an der Theke und dürfen die Gerichte des Abends genießen!
– Maquis, Thedestraße 2, Website / Google Maps
7. In Oevelgönne gibt’s was auf die Ohren!

Alle mal herhören! Der Museumshafen Oevelgönne e.V. bietet nun einen kostenlosen Audioguide an. Die dafür nötige App einfach hier oder vor Ort an einem der aufgestellten Schilder per QR-Code herunterladen und dann an einer interessanten Führung durch den Museumshafen Oevelgönne teilnehmen. In den 45 Minuten gibt es einiges zu entdecken: In 20 Kapiteln lernt man Spannendes über die Museumsschiffe, den technischen Wandel der Schifffahrt oder die Entstehungsgeschichte des Hafens. Ergänzt wird der Audioguide zusätzlich durch Bilder.
– Museumshafen Oevelgönne, Fähranleger Neumühlen, Website / Google Maps
8. Jupiter-Kaufhaus
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Viele Hamburger Läden haben die Corona-Zeit nicht überstanden und stehen jetzt leer. Die Hamburg Kreativ Gesellschaft versucht nun, leerstehende Räume und Flächen zu temporären Ateliers, Ausstellungsflächen oder Pop-up-Stores umzufunktionieren. So auch das ehemalige Karstadt-Sport-Gebäude an der Mönckebergstraße. Es ist zum Kreativplaneten “Jupiter” geworden. Kreative bespielen das Haus mit Kunst, Musik, Design und Aktionen auf sechs Etagen. Der Eintritt ist frei. Im Erdgeschoss befindet sich z.B. der International Shopping Space (ISS), ein Shop-in-Shop-Konzept mit Kollektionen und Produkten der Afrikanischen Diaspora. Zudem gibt es ein Café mit Lounge. 1. Obergeschoss: Zwölf Hamburger Galerien präsentieren hier jeweils eine(n) Künstler:in. 3. Stock: Skulpturen, Gemälde, Fotografien von lokalen und nationalen Künstlern zu erschwinglichen Preisen. Das Jupiter ist dabei derzeit Deutschlands größte innerstädtische Zwischennutzungsfläche für Kreative, die hier erschwingliche Räume (1,50 Euro pro Quadratmeter) mieten können, die es sonst in Hamburg kaum noch gibt … Bleibt zu hoffen, dass kein Immobilienhai plötzlich vorbeischwimmt und das Gebäude doch noch schluckt.
– Jupiter, Mönckebergstraße 2-4, Website/Google Maps
9. Prosaabende & Sleepins im Buchcafé
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Bücherwürmer, hereingeschlängelt! Endlich gibt es auch in Hamburg, genauer gesagt, in Altona-Altstadt, ein Café, das Kaffeetrinken mit Bücherlesen verbindet. Ob Klassiker, Fantasy oder Roman – man sucht sich ein Buch aus und macht es sich mit einem warmen Getränk und leckerem Snack in den lauschigen Sitzecken gemütlich. Die Bücher müsst ihr nicht kaufen, aber man darf sie mit kleinen Zetteln bewerten. Wer will, kann auch zum Tauschen vorbeikommen. Es gibt Lesungen, Poesieabende, Stammtische und Buchclubs, die sich regelmäßig treffen. Im Dezember fand zum ersten Mal eine Übernachtungsparty statt, zu der man Schlafsack und Isomatte mitbringen sollte. Leider hatte ich keine Zeit. Aber für mich war das eine der schönsten Ideen des Jahres …
– Kapitel Drei, Hospitalstraße 69, Website / Google Maps
10. Proin!

Prost + Moin = PROIN! Mit dieser Wortneuschöpfung und einer Flasche fancy Bier stoße ich am Ende dieses Beitrags und am Anfang des neuen Jahres mit Euch an! Auf meiner To-do-Liste für 2024: Die Aufnahme von “Proin” in den Duden beantragen.









